Indigene Bevölkerung in Guatemala von Corona-Impfung faktisch ausgeschlossen

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Am 24. Juni traf in Guatemala eine Spende des Impfstoffs AstraZeneca aus Mexiko ein
Am 24. Juni traf in Guatemala eine Spende des Impfstoffs AstraZeneca aus Mexiko ein

Guatemala-Stadt. Die aktuelle Impfkampagne in Guatemala diskriminiert vor allem die indigenen Bevölkerungsgruppen. Dies zeigen Zahlen des Ministeriums für öffentliche Gesundheit und soziale Unterstützung.

Die indigenen Gemeinschaften haben kaum Zugang zu den Vakzinen, weil es an gezielten Informationskampagnen, erreichbaren Impfzentren und einer mehrsprachigen Impfregistrierung mangelt.

Die Regierung setzte bei ihrer aktuellen Impfkampagne vor allen Dingen auf das in Russland hergestellten Vakzin Sputnik V. Bei den bisher bestellten Dosen gab es jedoch Lieferschwierigkeiten. Am 24. Juni trafen in der guatemaltekischen Hauptstadt 150.000 Dosen von AstraZeneca ein, die Mexiko an Guatemala gespendet hatte. Außerdem verhandelt das Land gerade mit den USA und dem Pharmaunternehmen Moderna, damit weitere 500.000 Impfdosen gespendet werden können.

Von den insgesamt 10,7 Millionen Menschen über 18 Jahren, die gegen Covid-19 geimpft werden sollten, sind aktuell nur 6,52 Prozent abgedeckt.

Besonders indigene Personen sind von der niedrigen Impfquote betroffen. Fast die Hälfte der guatemaltekischen Bevölkerung ist indigen, trotzdem konzentriert sich die aktuelle Impfkampagne auf Ladinas und Menschen, die in städtischen Gebieten leben. Laut Ministerium für öffentliche Gesundheit und soziale Unterstützung sprachen 85,5 Prozent der bis zum 31. Mai geimpften Personen Spanisch und lediglich 14,4 gaben an, der indigenen Sprachgemeinschaft anzugehören.

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Gründe für die geringe Impfquote nichtindigener Personen sind unter anderem mangelhafte Kommunikationskampagnen. Diese konzentrieren sich vorwiegend auf die sozialen Netzwerke. Laut Angelina Aspuac, einer indigenen Anführerin, führt das zu einem fehlenden Zugang zu Informationen für Menschen in ländlichen Gebieten. Außerdem fehlten dort Impfzentren. Menschen aus abgelegeneren Regionen ohne Transportmöglichkeiten könnten nicht zu den Impfzentren gelangen.

Ein weiterer Grund ist der unzureichende Zugriff auf das Impfregister: Der Registrierungsprozess kann nur online und auf Spanisch durchgeführt werden, was Personen ohne Spanischkenntnisse oder Internetzugang ausschließt.

Sonia Gutiérrez, Abgeordnete der Winaq-Partei, sieht die Erklärung im Rassismus. Von Anfang an habe man gefordert, dass der Impfplan auch die ethnischen und sprachlichen Unterschiede berücksichtigen müsse. Doch dies sei nicht geschehen und spiegle sich jetzt in der geringen Impfquote von indigenen Personen wider.

Gutiérrez fordert, dass die mediale Impfkampagne über die sozialen Medien hinausgehen solle. Es sollten alternative Medien oder Gemeinschaftsradios eingesetzt werden. Außerdem solle das zuständige Ministerium mit Institutionen zusammenarbeiten, die die Informationen in indigenen Sprachen zielgruppengerecht aufbereiten und verbreiten können.

Aspuac fordert zudem, dass Impfungen auch außerhalb der Impfzentren stattfinden sollten. Sie sieht eine Chance in der Impfung zuhause: Dies habe bei früheren Impfungen schon gut funktioniert und solle wiederaufgenommen werden.

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