Argentiniens Ex-Präsident Macri soll Putsch in Bolivien unterstützt haben

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Schreiben von Terceros Lara (links), Brief von Präsident Fernández
Schreiben von Terceros Lara (links), Brief von Präsident Fernández

La Paz/Buenos Aires. Argentiniens Ex-Regierung unter Mauricio Macri (2015–2019) hat mutmaßlich den Putsch in Bolivien 2019 unterstützt. Darauf weisen Dokumente hin, die die Lieferung von Munition bestätigen.

Der damalige Generalkommandeur der bolivianischen Luftwaffe, Jorge Gonzalo Terceros Lara, dankte in einem jetzt bekannt gewordenen Schreiben dem damaligen argentinischen Botschafter Normando Álvarez García "für die geleistete Zusammenarbeit" im Rahmen der internationalen Unterstützung in "der konfliktreichen Situation, die Bolivien durchlebt", und bestätigte den Erhalt von "Kriegsmaterial chemischer Kampfstoffe" für die Luftwaffe. Das Orginal des Schreibens liegt im Archiv der Botschaft in La Paz. Die Lieferung umfasste rund 40.000 Schuss Munition, 121 Gasgranaten unterschiedlicher Art und 23 Tränengaskartuschen. Das Schreiben von Terceros Lara ist auf dem 13. November 2019 datiert, nur drei Tage nach dem Putsch gegen Präsident Evo Morales.

Nachdem der derzeitige Präsident Argentiniens, Alberto Fernández, von dem Vorgang erfuhr, schickte er einen Brief an den bolivianischen Amtskollegen Luis Arce, in dem er um Entschuldigung für die Handlungen seines Vorgängers Macri bat und die Einleitung von Maßnahmen zur Aufklärung der Tat bestätigte.

Morales äußerte sich auf Twitter und schrieb: "Dies ist ein weiterer Beweis für die Beteiligung einiger rechter südamerikanischer Regierungen an dem blutigen Putsch, der zu Massakern und Plünderungen in unserem Land führte. Es ist ein unbestreitbarer Beweis für die Neuauflage des Plan Condor mit dem Austausch von Informationen und Unterdrückungssystemen." Als Plan Condor oder Operation Condor wird die Zusammenarbeit verschiedener lateinamerikanischer Geheimdienste und der USA in den 1970er und 1980er Jahren zur Verfolgung und Unterdrückung politischer, sozialer, gewerkschaftlicher und studentischer Aktivist:innen und Diktaturgegner:innen bezeichnet.

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Inzwischen äußerten sich auch der ehemalige Botschafter Álvarez und Ex-Präsident Macri. Beide bestritten die Vorwürfe über die militärische Hilfe.

Álvarez behauptet, er habe zu keinem Zeitpunkt eine Anfrage dieser Art erhalten und die veröffentlichte Notiz sei nie bei ihm eingegangen. Macri schrieb in einen Brief, dass alle Anschuldigungen eine Lüge wären und "ein neuer Versuch [der Regierung unter Fernández]" sei, "die Aufmerksamkeit von dem Versagen im Umgang mit der Pandemie, dem wirtschaftlichen Versagen und dem Impfstoffmanagement abzulenken".

Bisherige Ermittlungen hatten bereits ergeben, dass die ecuadorianische Regierung unter Lenín Moreno (2017-2021) Tränengas und Munition an die Putschregierung in Bolivien lieferte. Dies ging aus einem Schreiben des Polizeichefs von Ecuador, Hernán Patricio Carrillo Rosero, an den damaligen bolivianischen Militärattaché José Luis Frías hervor (amerika21 berichtete).

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