Europäische NGOs: "Regierung von Mexiko misshandelt Migranten"

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Tausende Migranten, vor allem aus Haiti, warten in Tapachula teils monatelang auf die Klärung ihres Migrationsstatus' (Screenshot)
Tausende Migranten, vor allem aus Haiti, warten in Tapachula teils monatelang auf die Klärung ihres Migrationsstatus' (Screenshot)

Tapachula. Mehr als 70 europäische Nichtregierungsorganisationen fordern die mexikanische Regierung auf, die Repression gegen Migrantenkarawanen zu stoppen.

Die Situation der Migranten, die über die zentralamerikanische Route nach Tapachula, Chiapas, kommen, sei unhaltbar geworden, heißt es in ihrer gemeinsamen Erklärung. Viele Geflüchtete, meist haitianischer Herkunft, warten dort auf die entsprechenden Verfahren beim Nationalen Migrationsinstitut (INM), um entweder eine Arbeitserlaubnis für Mexiko oder die Durchreisegenehmigung in die USA zu erhalten.

Seit März dieses Jahres hat Mexikos Regierung nach Verhandlungen mit den USA das Vorgehen zur Eindämmung der Migration an der südlichen Grenze weiter verschärft. Die Bedingungen in der Migrationsstation Siglo XXI seien unhaltbar, so die Kritik: Überfüllte, nicht geschlechtergetrennte Räume, keine Maßnahmen zum Infektionsschutz gegen Covid-19, keine angemessene Verpflegung und medizinische Versorgung.

Geflüchtete prangern an, dass die mexikanische Regierung sie im Süden des Landes "gefangen" halte und misshandle.

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So wurde beispielsweise am 2. September über eine Karawane berichtet, gegen die die Nationalgarde bei der Durchreise durch Escuintla, Chiapas, mit massiver Gewalt vorging. Auch Journalisten, die die Karawane begleiteten, wurden verletzt. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters verwies die Nationalgarde an die INM, die ihrerseits mitteilte, dass sie zwei Gardisten suspendiert habe und "jegliche Aggression gegen Migranten verurteilt".

Die Berichte der Geflüchteten stehen im Gegensatz zu den Versprechungen des mexikanischen Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador über eine menschenwürdige Behandlung. Dies hatte er nach einem Treffen zwischen mexikanischen und US-amerikanischen Regierungsvertretern vor zwei Tagen erneut bekräftigt. Die beiden Länder hätten sich darauf verständigt, dass die langfristige Lösung, um die Migration nach Norden zu bremsen, die Entwicklung der armen Regionen sein müsse.

Die europäischen NGOs fordern nun die Umsetzung von Strategien zur Beseitigung der Ursachen von Flucht und Vertreibung aus den Ursprungsländern sowie die Einhaltung der Regularien für Migration; die Beendigung der Repression gegen die Karawanen und die Schaffung sicherer Migrationskorridore unter Einhaltung der internationalen Menschenrechtskonventionen. Es sei besorgniserregend, dass die Nationalgarde Aufgaben der Migrationskontrolle übernehme, so die Unterzeichner.

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