Argentinien will Neuverhandlungen mit dem IWF

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Übte scharfe Kritik am internationalen Finanzsystem und am IWF: Argentiniens Präsident beim G20-Gipfel in Rom
Übte scharfe Kritik am internationalen Finanzsystem und am IWF: Argentiniens Präsident beim G20-Gipfel in Rom

Buenos Aires/Rom. Während einer Rede zu Ehren des verstorbenen Ex-Präsidenten Nestor Kirchner hat Argentiniens Präsident Alberto Fernandez beteuert, dass das Land "nicht vor dem IWF niederknien wird". Er wolle deshalb Neuverhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) beginnen und eine Rückzahlung der Schulden erwirken, welche "die Zukunft des Volkes nicht gefährdet".

Fernández erinnerte daran, wie Kirchner während seiner Amtszeit (2003-2007) Schulden in Höhe von fast 100 Milliarden US-Dollar mit privaten Gläubigern neu verhandelte und einen IWF-Kredit von 9,8 Millionen Dollar mit nur einer Zahlung beglich. Heute befinde sich Argentinien in einer ähnlichen Situation wie damals, mitten in einer sozio-ökonomischen Krise sowie einer hohen Verschuldung beim IWF, verschlimmert durch die Pandemie.

Der Staatschef fand harsche Worte sowohl für seinen Vorgänger Mauricio Macri, der "es feierte, Argentinien für 100 Jahre zu verschulden" als auch für den IWF, der dafür verantwortlich sei, Argentinien Schulden aufzubürden, die das Land nicht bezahlen kann.

Der IWF hatte der Regierung Macri 2018 einen Kredit in Rekordhöhe von 57 Milliarden US-Dollar, gegeben wovon das Land bereits 44 Milliarden erhielt. Bei seinem Amtsantritt im Dezember 2019 verzichtete Fernández auf die ausstehenden Auszahlungen.

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Ähnlich äußerte sich Fernández in seiner Rede bei der Eröffnung des G20-Gipfels am Samstag: "Diejenigen, die sich verschuldet haben, ohne die ruinösen Folgen zu bedenken, sind ebenso verantwortlich wie diejenigen, die die Mittel zur Finanzierung der Devisenflucht in einer aus den Fugen geratenen Wirtschaft bereitgestellt haben". Er kritisierte außerdem generell das internationale Finanzsystem, das Spekulation über Entwicklung stelle und verlangte neue Regeln, welche die soziale Ungleichheit sowie den Klimawandel bekämpfen würden.

Diese Worte wählte der Präsident vor seinem Treffen mit IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa im Rahmen des Gipfels, um über die schwierige Neuverhandlung des Schuldenbetrags zu sprechen. Sowohl Fernández als auch Georgiewa ließen anschließend verlautbaren, es sei ein konstruktives Treffen gewesen, auch wenn noch keine Details besprochen wurden und es wohl noch ein langer Weg bis zu einer Einigung sei.

Während dies wohl das bedeutendste Gespräch für den Präsidenteen an diesem Wochenende war, standen außerdem bilaterale Gespräche unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Agenda.

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