Argentinien: Bewegung der Landarbeiter:innen mobilisiert für Landgesetz

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Mit einem Protestcamp forderten Landarbeiter:innen erneut die Verabschiedung des Gesetzes über Landzugang
Mit einem Protestcamp forderten Landarbeiter:innen erneut die Verabschiedung des Gesetzes über Landzugang

Buenos Aires. In Argentiniens Hauptstadt haben Landarbeiter:innen zusammen mit der Gewerkschaft Unión de Trabajadores de la Tierra (UTT) ein viertägiges Protestcamp vor dem Kongress abgehalten. Sie verlangen die rasche Verabschiedung des Gesetzes über Landzugang (Ley de Acceso a la Tierra).

Auf der Grundlage dieses Gesetzes sollen Kredite bereitgestellt werden, damit Familien einfach und kostengünstig Land zur Bearbeitung erwerben können. Dafür soll der Staat ungenutzte Landflächen, die sich in öffentlichem Besitz befinden, abgeben.

Die Gesetzesvorlage war bereits 2016 und 2018 im Kongress eingebracht worden, allerdings aufgrund der damaligen rechten Parlamentsmehrheit ohne Aussicht auf Erfolg. Dies änderte sich im Februar 2020, als Präsident Alberto Fernández nach einem Treffen mit der UTT seine Unterstützung für das Vorhaben ankündigte. Im Mai beschäftigten sich zwei Parlamentskommissionen mit der Vorlage, doch wurde das Gesetz bisher im Kongress nicht auf die Tagesordnung gesetzt. "Die Regierung hat ihr Vesprechen nicht eingehalten", stellte UTT-Sprecher Agustín Gutiérrez fest.

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Die UTT und die organisierten Landarbeiter:innen fordern nun mit ihrem Protestcamp eine rasche Behandlung und Verabschiedung des Gesetzes über den Landzugang. Laut der Gewerkschaft wäre dies ein wichtiger Schritt, um den Familien, die von der Landarbeit leben, eine gesicherte Existenz zu ermöglichen. Heute müssen nach Angaben der UTT 87 Prozent der Landarbeiter:innen ihre Parzellen pachten und verfügen nicht über die finanziellen Mittel, ein eigenes Grundstück zu erwerben. "Statt missbräuchlich hohe Pachten zu zahlen, könnten wir einen Kredit aufnehmen, der uns ermöglicht, über unser eigenes Land zu verfügen. Das würde uns Sicherheit geben, um Nahrungsmittel zu produzieren und Investitionen für eine ökologische Landwirtschaft zu tätigen", heißt es in einer Stellungnahme der UTT.

Neben dem zentralen Protestcamp vor dem Kongressgebäude in der Hauptstadt fanden diese Woche auch Aktivitäten in zahlreichen Provinzen Argentiniens statt, mit denen die Landarbeiter:innen auf ihr Anliegen aufmerksam machten. In einer symbolträchtigen Aktion blockierten Aktivist:innen den Zugang zu einer Niederlassung des Agrarkonzerns Monsanto. "Das Modell, das diese Firmen durchsetzen, ernährt uns nicht", schrieben sie in einer Mitteilung. Der intensive Einsatz von Pestiziden in der großflächigen Landwirtschaft würde die Erde auslaugen, die Umwelt verschmutzen und Krankheiten befördern. Demgegenüber setzt die UTT auf eine Stärkung der kleinräumigen, familiären Landwirtschaft. Diese ermögliche es, umweltschonender zu produzieren und schaffe mehr lokale Arbeitsplätze.

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