Proteste in Kolumbien: Anklage gegen Polizisten wegen Mordes

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Cali wurde zum Epizentrum der Proteste in Kolumbien
Cali wurde zum Epizentrum der Proteste in Kolumbien

Cali. Die Generalstaatsanwaltschaft in der südkolumbianischen Stadt Cali hat drei Polizeibeamte vorgeladen, um sie wegen des Todes von sechs jungen Menschen während der Proteste im Rahmen der landesweiten Streiks anzuklagen. Es geht um die Frage, ob es Gerechtigkeit für José Ambuila, Kevin Antonio Agudelo, Harold Antonio Rodríguez, Heinar Alexander Lasso, Edwin Villa und Miguel Ángel Pinto geben wird. Dies sind die Namen der Opfer der nun angeklagten Polizisten.

Dem Befehlshaber der Stadtpolizei von Cali, Edgar Vega Gómez, sowie dem Befehlshaber der Polizei-Spezialeinheitsgruppe GOES, Néstor Mantilla, und dem Streifenpolizist Wilson Orlando Esparragosa werden "schwerer Mord" vorgeworfen. Die Fälle ereigneten sich während der Proteste am 3. Mai in den Stadtvierteln Siloé, Calypso und Puerto Rellena, die Schauplätze von Straßenbarrikaden, Blockaden und massiver Repression seitens der staatlichen Einsatzkräfte waren. Diese Orte wurden im Laufe der Proteste umbenannt in Apocalypso und Puerto Resistencia.

Die Anklage soll am 1. Dezember vorgetragen werden und der Prozess könnte dann am 9. Dezember beginnen. Die Anwält:innen der Opfer beantragten Sicherheitsmaßnahmen für Zeug:innen und Familien der Opfer sowie für sich selbst. Elmer Montaña, ein Anwalt der Opfer, forderte die Polizeiführung von Cali auf, die angeklagten Polizeibeamten von ihren Posten zu entfernen, um die Transparenz der Ermittlungen zu gewährleisten. Zudem berichtet eine Anwältin gegenüber amerika21 von Morddrohungen gegen Anwält:innen und Angehörige.

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Im Vergleich zu diesen ersten Erfolgen in der Strafverfolgung gegen die Polizeikräfte werden immer wieder angebliche Brandstifter:innen, Randalierer:innen und Mitglieder der sogenannten Ersten Reihe festgenommen und verurteilt. Eine der Anwältinnen beschreibt die Arbeit der Strafverfolgungsinstanzen als unverhältnismäßig: "Während vorgebliche Randalierer in Schnellverfahren zu übermäßigen Strafen verurteilt werden, weil sie angeblich einen Bus angezündet haben, wurde bisher kein Mord aufgeklärt."

Während des Streiks von April bis Juli dieses Jahres wurden mindestens 60 Zivilpersonen ermordet, rund 200 Personen werden weiterhin vermisst.

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