Mexiko baut Einfluss in Zentralamerika und der Karibik durch Sozialprogramme aus

Auch die USA beteiligt. Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung und zum Schutz gegen den Klimawandel. Kritik von zivilen Verbänden

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"Sembrando Oportunidades" (Möglichkeiten säen) ist eines der Programme der mexikanischen Regierung, um die Arbeitsmöglichkeiten in der Region zu verbessern
"Sembrando Oportunidades" (Möglichkeiten säen) ist eines der Programme der mexikanischen Regierung, um die Arbeitsmöglichkeiten in der Region zu verbessern

Mexiko-Stadt. Als Reaktion auf Probleme der irregulären Migration und Armut bereitet die mexikanische Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador (Amlo) eine Kombination zweier Sozialprogramme vor. Diese sollen auch auf die Karibik und Zentralamerika ausgedehnt werden. Durchgeführt werden soll das Programm von den Entwicklungsgesellschaft der USA, USAID, und der mexikanischen Amexcid.

Das Programm "Sembrando Oportunidades" (Möglichkeiten säen) soll die bereits bestehenden Programme "Sembrando Vida" (Leben säen) zur Förderung der Baumpflanzung gegen den Klimawandel und "Jóvenes Construyendo el Futuro" (Jugend baut die Zukunft) zur Arbeitsvermittlung an junge Menschen kombinieren. Diese sollen in der Karibik in Haiti und Kuba angewandt werden. Weitere Gespräche werden mit der Dominkanischen Republik geführt.

Bisher waren die Programme in größerem Maße bereits im Süden Mexikos und in kleinerem in den zentralamerikanischen Staaten Guatemala, Honduras und El Salvador aktiv. In Honduras ist geplant, 500.000 Menschen eine Arbeitsstelle zu verschaffen, speziell im landwirtschaftlichen Sektor. El Salvador soll Bildungsstipendien für Schüler und Studenten erhalten.

Laut Laura Elena Carrillo, Exekutivdirektorin der Amexcid, hatten Mexiko und Kuba am 22. Dezember eine Bereitschaftserklärung zur Durchführung unterschrieben. Zuvor wurde eine ähnliche Erklärung bereits im November mit Haiti unterzeichnet.

Unter "Sembrando Vida" werden in Mexiko bislang Summen zwischen 100 und 250 US-Dollar pro Monat direkt an Landwirte verteilt. Diese sollen auf ihren Grundstücken Obstbäume und abzuholzende Baumarten pflanzen. So sollen im Jahr 2021 mehr als 450.000 Landwirte und über eine Million Hektar mit den Zuschüssen versorgt worden sein. Dabei wurden in 20 Bundesstaaten Mexikos mehr als 743 Millionen Bäume gepflanzt. Insgesamt budgetierte die Regierung dafür beinahe 29 Milliarden mexikanische Pesos (etwa 1,45 Milliarden US-Dollar).

Um die Ausweitung von "Sembrando Vida" durchführen zu können, plant die mexikanische Regierung mit Unterstützung der Regierung in den USA nun eine Investition von 31 Millionen US-Dollar pro teilnehmendem Land, wobei die Karibikstaaten einen geringeren Betrag erhalten sollen. Mexiko beabsichtigt jedoch, die Gelder nicht direkt an die Regierungen fließen zu lassen. Stattdessen sollen etwa 20.000 Landwirte die Zuschüsse direkt auf die Hand erhalten. Dies wird in den Regierungen Zentralamerikas nicht positiv bewertet.

Das Programm "Jóvenes Construyendo el Futuro" hat in den ersten beiden Jahren seiner Aktivität an mehr als 2,1 Millionen Personen in Mexiko zwischen 18 und 29 Jahren, die weder in Ausbildung sind noch arbeiten, Stipendien ausgezahlt. Investiert wurden dabei rund 67,6 Milliarden mexikanische Pesos (etwa 3,3 Milliarden US-Dollar). Damit sollen sie die Möglichkeit erhalten, an Bildungsprogrammen teilzunehmen, um so attraktiver für den Arbeitsmarkt zu werden. Jede Person erhielt solch einen Mindestlohn von monatlich 4.310 mexikanischen Pesos (ca. 210 US-Dollar), die im Jahr 2022 um 22 Prozent auf 5.258 Pesos erhöht werden (ca. 255 US-Dollar).

Außerdem ist für 2022 die Vergabe weiterer 340.000 Stipendien geplant. Laut Marath Baruch Bolaños, Unterstaatssekretär für Beschäftigung und Arbeitsproduktivität im Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit in Mexiko, konnten 46 Prozent der Stipendiaten nach einer Ausbildung einen Arbeitsplatz erlangen.

Kritik erhielten die bisherigen Programme aus Mexiko. Zivile Verbände sowie Akademiker und Umweltschützer hoben hervor, dass "Sembrando Vida" zur Abholzung beitrage. Beispielsweise sollen laut dem Bericht "Sembrando Vida y la Fábrica de Chocolate" (Leben säen und die Schokoladenfabrik) für ein Unternehmen, das den Söhnen von Amlo gehöre, Kakaokulturen eingeführt worden sein, die nicht ergiebig genug wären.

Weiterhin gebe es nicht genügende Metriken, um den Erfolg des Programms messen zu können. Dementsprechend bewertete die Organisation Sozialmanagement und Kollaboration "Sembrando Vida" mit einer Effizienz von nur 35 Prozent wegen Problemen in seinem Design sowie Fehlern beim Erreichen seiner Zielgruppe. So sollen laut dem Obersten Bundesrechnungshof (Auditoría Superior de la Federación, ASF) mehr als 6.000 Personen von dem Programm profitiert haben, die nicht zur Zielgruppe gehören.

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