Brasilien: Lula da Silva will Zusammenarbeit innerhalb Lateinamerikas stärken

Im Fall seiner Wahl zum Präsidenten im Oktober ist für Lula die Integration in Lateinamerika eine Priorität seiner Regierung

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Ex-Präsident Lula: Für die Zukunft Lateinamerikas wird eine starke Zusammenarbeit wichtig sein
Ex-Präsident Lula: Für die Zukunft Lateinamerikas wird eine starke Zusammenarbeit wichtig sein

Buenos Aires. Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat im Interview mit der staatlichen argentinischen Nachrichtenagentur Télam und TV Pública über seine Visionen für die Förderung der Integration der Menschen und der Wirtschaft Lateinamerikas gesprochen.

Bernarda Llorente, Leiterin von Télam, Politologin und Journalistin, begann das Interview mit der Frage nach Lulas Prioritäten für das Jahr 2022. Er erklärte, dass er vor allem die linken und demokratischen Kräfte vereinen möchte, um rechten Regierungen etwas entgegensetzen zu können. Dies soll jedoch nicht nur innerhalb Brasiliens passieren, sondern in ganz Lateinamerika.

Im Oktober dieses Jahres finden in Brasilien Präsidentschaftswahlen statt. Lula da Silva, der von 2003 bis 2011 Präsident des Landes war, wird aktuellen Umfragen zufolge für die kommenden Wahlen als stärkster Gegner des amtierenden ultrarechten Staatschefs Jair Bolsonaros gesehen. Laut Umfragen hat Lula sehr gute Chancen, im ersten Anlauf gewählt zu werden: Eine Befragung im Auftrag von CNN im November ergab, dass 48 Prozent ihn wählen würden. Sollte er neuer Präsident werden, möchte er sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in ganz Lateinamerika einsetzen. Er will Arbeitsplätze schaffen, den Hunger und die Ungleichheiten beenden.

Zur Umsetzung dieser Ziele wünscht er sich explizit Hilfe und Kooperation aller lateinamerikanischer Staaten. Unter dem Motto “Alleine sind wir schwach, aber gemeinsam sind wir stark” plädiert da Silva dafür, multinationale, unabhängige Organisationen zu gründen. Als Beispiel nennt er unter anderem die Bank des Südens (Banco del Sur). Durch Kooperation der Streitkräfte im Südamerikanischen Verteidigungsrat (Consejo de Defensa Sudamericano) solle ein lateinamerikanisches Sicherheitsnetz geschaffen werden. Weitere neue Institutionen und andere Mechanismen müssten geschaffen werden. Diese sollten regierungsunabhängig funktionieren und arbeiten, "weil die Rolle des Staates von der der Regierung auf internationaler Ebene getrennt werden muss", argumentiert er.

Im Interview räumte da Silva ein, dass die Verzögerung bei der Umsetzung dieser Integrationsprojekte zu den Schulden gehöre, die die erste Welle progressiver Regierungen hinterlassen hat, zu deren Protagonisten er selbst gehörte. "Ich kenne die Fehler, die wir gemacht haben. Ich weiß, wie naiv wir waren, als wir die Zusammenarbeit versuchten. Es herrschte großes Misstrauen, und das musste abgebaut werden."

Lula erklärt zudem, dass es wichtig sei, dass die ökonomisch stärkeren Länder die schwächeren mittels Schaffung von Arbeitsplätzen oder vereinfachten Handelsmöglichkeiten unterstützen.

Jedoch nicht nur die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung ist Lula wichtig, auch die Universitäten sollen sich nach seinem Willen zusammenschließen. Er erklärt, dass in der Region viele wichtige Diskussionen geführt werden, die es nun gelte, in die Praxis umzusetzen. Durch den Zusammenschluss erhofft er sich, einen lateinamerikanischen Gegenpol zu den USA, Europa und China zu schaffen und dadurch eine größere Unabhängigkeit zu erlangen.

Er träume "von einer großen lateinamerikanischen Universität" mit einem starken Team von Wissenschaftler:innen, Mediziner:innen, Student:innen und Lehrer:innen, sodass Lateinamerika "ein Beispiel für Kreativität" werde, so da Silva.

Besonders betont er die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Argentinien. Gemeinsam könnten sie finanziell die ärmeren Länder unterstützen. Dazu erklärt Lula, dass es wichtig sei, die Wirtschaft zu stärken und gleichzeitig mehr Arbeitsplätze zu schaffen. "Wenn mehr Menschen Arbeit haben, Geld verdienen, zufriedener sind und sich Konsumgüter leisten können, kann die Wirtschaft weiter wachsen. Wenn die Menschen jedoch keine Arbeit haben, Hunger leiden", werde die Wirtschaft langfristig auch nicht stark bleiben können. "Die Armen sind nicht das Problem, sondern die Lösung", mahnt er.

Mit den Worten “Wir dürfen niemals aufgeben!” schließt Lula das Interview. Er plädiert dafür, dass Lateinamerika gemeinsam weiterkämpfen müsse "für die Demokratie, für bessere Lebensverhältnisse, gegen den Hunger und gegen die Arbeitslosigkeit". 

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