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Brasilien: 128 Tote nach Überschwemmungen und Erdrutschen in Pernambuco

​​​​​​​Anhaltende Regenfälle für die kommenden Tage vorausgesagt. Zahlreiche Unterstützungsangebote aus der Bevölkerung

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Viele Häuser wurden komplett zerstört
Viele Häuser wurden komplett zerstört

Recife. Eine Woche nach den verheerenden Erdrutschen im Bundesstaat Pernambuco halten die Aufräumarbeiten in den betroffenen Stadtvierteln an.

Noch immer wissen viele Anwohner:innen nicht, ob und wann sie in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren können. Die Angst vor weiteren Erdrutschen quält diejenigen, die bereits zurück in ihren Wohnungen sind. Eine Anwohnerin erzählt, dass immer eine Person Nachtwache halte, um die Hügel zu beobachten und die Familie rechtzeitig warnen zu können.

Meteorolog:innen zufolge werden die Regenfälle, die zu den Erdrutschen geführt haben, noch bis mindestens Donnerstag anhalten. Es sind die schwersten Überschwemmungen, welche die Stadt Recife seit 1986 erlebt hat.

Jedoch nicht nur der Bundeststaat Pernambuco ist von den starken Regenfällen betroffen. In ganz Brasilien starben in den vergangenen fünf Monaten bereits 457 Menschen an den Folgen von Überschwemmungen und Erdrutschen. Aktualisiert wurde die Erhebung am 31. Mai dieses Jahres. Im ganzen Jahr 2021 wurden 290 Opfer gezählt.

Vor Ort organisieren zahlreiche Helfer:innen Unterstützungsangebote. So fand am Sonntag im Stadtviertel Iputinga ein Fest für die betroffenen Kinder und ihre Eltern statt. Neben Schminken, Seilspringen und anderen Aktivitäten wurden auf der Veranstaltung auch Lebensmittelspenden und Matratzen verteilt. Rund 150 Kinder und ihre Eltern nahmen teil. Viele von ihnen konnten sich in letzter Sekunde vor den Fluten retten und hatten keine Gelegenheit, Spielzeug oder andere Gegenstände mitzunehmen.

“Es ist das zweite Mal, dass wir versuchen neu anzufangen”, erklärt eine anwesende Mutter. Auch sie wohnte im Stadtviertel Iputinga, das bereits 2010 von starken Überschwemmungen heimgesucht wurde und 2015 von einem Großbrand betroffen war.

Die Regierung des Bundesstaats Pernambuco verspricht den Betroffenen von staatlicher Seite eine Hilfe von 1.500 Reais. Weitere finanzielle Hilfen, beispielsweise für die Angehörigen von Verstorbenen, sind in Planung.

Papst Franziskus solidarisierte sich mit den Opfern und sagte eine Spende von 30.000 Euro zu.

In Folge der starken Regenfälle wurden auch die geplanten São João-Feier im Juni, eines der populärsten Volksfeste des Landes, abgesagt. Die 15 Milliarden so eingesparten Reais sollten auch an Hilfsorganisationen gespendet werden. Allerdings kündigten die Verantwortlichen jetzt an, die Festlichkeiten nur zu verschieben. Gespräche mit den Künstler:innen finden diesbezüglich schon statt. Was das für die versprochenen Hilfsgelder bedeutet, ist derzeit noch unklar.

Insgesamt sind bei der Tragödie 128 Personen gestorben. In den sozialen Medien kursieren Videos, die zeigen, wie die Fluten ganze Häuser zerstören und mit sich reißen. Rund 73.000 Personen verloren ihr Zuhause, rund 11.000 von ihnen befinden sich in Notunterkünften.

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