Mexiko: Internationale Menschenrechtsbeobachter:innen in Chiapas bedroht

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Pressemitteilung Frayba: "Die Abwesenheit des mexikanischen Staates gefährdet die Integrität von Menschenrechtsverteidigern und der autonomen Gemeinden"
Pressemitteilung Frayba: "Die Abwesenheit des mexikanischen Staates gefährdet die Integrität von Menschenrechtsverteidigern und der autonomen Gemeinden"

Chiapas. Verteidiger:innen der Menschenrechte haben im Zusammenhang mit ihrer Beobachtungsarbeit in in der chiapanekischen Gemeinde Nuevo San Gregorio mehrfach Morddrohungen erhalten. Dies gab das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) bekannt. Die Drohungen gingen von Kräften aus, die seit geraumer Zeit die zapatistischen Familien in dieser Gemeinde zu enteignen versuchen.

Angesichts dieser Situation hat Frayba das Beobachtungscamp in Nuevo San Gregorio ausgesetzt, "um das Leben und die Unversehrtheit der nationalen und internationalen Beobachter zu schützen". Dies bedeutet, dass die bedrohte Gemeinde nicht mehr auf die Präsenz mexikanischer und internationaler Beobachtung zählen kann. Gleichzeitig betonte das Frayba, sie würden die Situation der betroffenen Familien weiterhin dokumentieren.

Frayba betreibt mithilfe der Zivilen Beobachtungsbrigaden (BriCO) erfolgreiche Friedensarbeit, welche auf Wunsch der aufständischen Gemeinden 1995 in Chiapas begann und seither ununterbrochen mit der Präsenz der Brigadistas einen zivilen Schutz bot.

Die Brigadistas haben allein dieses Jahr in Nuevo San Gregorio bereits 21 Übergriffe gegen fünf Familien dokumentiert, die "von Einschüchterung, Todesdrohungen, sexueller Gewalt und Folter über physische Übergriffe, Diebstahl von Vieh und Zerstörung von Eigentum bis hin zur Zerstörung von Wasserleitungen, Überwachung, Behinderung, Kontrolle und Verhinderung des freien Transits sowie Entführung von Personen reichen", so das Frayba in seinem Bulletin. Antoine Dibon, ein Beobachter des BriCO-Programms bestätigte in einem Videointerview mit Radio France Internationale (RFI) die Schikanen und Angriffe, denen die zapatistischen Familien in dem Gebiet ausgeliefert sind.

Die Gemeinde wurde 1994 auf Ländereien gegründet, das indigene Familien von den Großgrundbesitzer:innen im Zuge des zapatistischen Aufstands zurückeroberten. Heute werden Teile dieses kommunalen Gebiets wie zum Beispiel Felder oder sogar eine Schule durch Kräfte des Großgrundbesitzes mit Stacheldraht umzäunt, wodurch das Recht auf ein würdiges Leben, auf Nahrung, Gesundheit und Bildung verweigert werde. Die zapatistischen Autonomiebehörden haben Verhandlungslösungen angeboten, um den Landkonflikt beizulegen, jedoch erfolglos. Die zuständigen mexikanischen Behörden ignorieren diese und andere Konflikte in Chiapas.

Das Menschenrechtszentrum weist darauf hin, dass in den 28 Jahren, in denen die internationalen Brigadistas tätig sind, die Beobachtungscamps nur selten aufgrund von Drohungen und der Gefahr für das Leben der Beobachter unterbrochen werden mussten.

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