Petition in Ecuador fordert Referendum zur Begrenzung des Bergbaus

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Von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt: Der andine Chocó von Pichincha, der auch ein ökologischer Korridor für Andenbären ist
Von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt: Der andine Chocó von Pichincha, der auch ein ökologischer Korridor für Andenbären ist

Quito. Das Kollektiv "Quito ohne Bergbau" hat am 24. Oktober eine Petition mit 380.000 Unterschriften an den Nationalen Wahlrat Ecuadors (CNE) übergeben, die für ein Referendum votieren, um den Bergbau in einem der artenreichsten Gebiete des Andenlandes zu verbieten. Binnen der Frist von 180 Tagen hatten die Aktivist:innen fast doppelt so viele Unterschriften gesammelt wie die für dieses Verfahren notwendige Mindestzahl von 200.000.

Dem Anwalt Freddy Larreategui zufolge hat das Verfassungsgericht bereits ein positives Urteil über die Zulässigkeit des Referendums gefällt. Mit diesem soll im Großraum der Hauptstadt Quito über vier Fragen zum Verbot des handwerklichen, großen, mittleren und kleinen Metallbergbaus in sechs Gemeinden der biodiversen Zone Chocó Andino abgestimmt werden.

Die Bewohner:innen aus ländlichen Gebieten nordwestlich der Hauptstadt Quito wollen die Vergabe von sechs Goldminenkonzessionen im Wald Chocó Andino in der Nähe Quitos verhindern. Sie begründen dies mit der Bedrohung der Wasserversorgung, der Natur und ihrer lokalen Wirtschaftstätigkeit.

Der rund 280.000 Hektar große Chocó-Andino-Wald, der 2018 von der Unesco zum Biosphärenreservat von weltweiter Bedeutung erklärt wurde, beherbergt eine Vielzahl von Vogel-, Säugetier- und Amphibienarten. Hier existieren außerdem zwölf Prozent der Pflanzensorten Ecuadors, der Wald ist ein ökologischer Korridor für Andenbären sowie eine wichtige Wasserquelle zur Versorgung der Hauptstadt. Zum Chocó Andino gehören neun geschützte Wälder, vier Schutzgebiete und Gebiete für nachhaltige Nutzung, mehr als 35 Naturschutzgebiete sowie das kulturelle Erbe der Yumbo-, KituKara- und Inka-Völker.

Das ecuadorianische Energie- und Bergbauministerium hat bereits zwölf Konzessionen in dem sensiblen Gebiet vergeben, sechs weitere sind in Vorbereitung. Ein Referendum über die Blockierung weiterer Minen wird diese Projekte nicht beeinträchtigen. Unabhängig davon haben Anwohner:innen vor den örtlichen Gerichten geklagt, um den Baufortschritt dieser bereits bewilligten Projekte zu stoppen, da sie im Vorfeld dieser Genehmigungen nicht konsultiert wurden.

Der konservative Präsident Guillermo Lasso setzt auf die Entwicklung des Bergbausektors, dem in diesem Jahr Exporte in Höhe von rund 3 Milliarden US-Dollar prognostiziert werden. Pläne zur weiteren Entwicklung des Bergbaus wurden jedoch durch Gerichtsurteile und Volksbefragungen zugunsten von Gemeinden und indigenen Völkern unterbrochen.

Fanny Durán, eine betroffene Bäuerin aus der ländlichen Gemeinde Pacto, erklärte, dass der Bergbau viele negative soziale Auswirkungen habe. Die Bevölkerung sei nicht bereit, Bergbauunternehmen zu akzeptieren. Aktivist:innen und Bewohner:innen von Quito marschierten mit Schildern und Slogans wie "Ja zum Kakao, nein zum Bergbau" durch die Stadt, um auf alternative und nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten hinzuweisen.

Die Wahlbehörde muss die Unterstützungsunterschriften nun binnen 45 Tagen prüfen und die Volksbefragung einberufen. Die Initiator:innen hoffen, dass das Referendum zusammen mit den Kommunalwahlen in Ecuador am 5. Februar 2023 abgehalten werden kann, um eine möglichst hohe Beteiligung zu erzielen.

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