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Kolumbien: Regierung und Farc-EP Segunda Marquetalia beginnen Friedensdialog

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Delegationen der Regierung und der Segunda Marquetalia am Verhandlungstisch in Caracas
Delegationen der Regierung und der Segunda Marquetalia am Verhandlungstisch in Caracas

Caracas/Bogotá. Im Rahmen der Politik des "Paz Total"  haben die kolumbianische Regierung und die Farc-EP Segunda Marquetalia Verhandlungen aufgenommen. Diese werden von den Garantenstaaten Venezuela, Kuba, Norwegen sowie von den Vereinten Nationen und der Bischofskonferenz begleitet. Der erste Zyklus dauert bis zum 29. Juni.

Weitere Friedensverhandlungen sind zurzeit mit der Guerilla Nationale Befreiungsarmee (ELN) und einem Teil des Zentralen Generalstabs der Farc-EP im Gange.

Die Segunda Marquetalia wird von Iván Márquez angeführt. Er war Leiter der Friedensdelegation der historischen Farc-EP bei den Verhandlungen in Kuba, die schließlich zum Friedenabkommen von 2016 führten. Márquez hat zusammen mit anderen Guerillakämpfer:innen im Jahre 2019 die Segunda Marquetalia gegründet und den bewaffneten Kampf wieder aufgenommen. Dies mit der Begründung, dass der Staat das Friedensabkommen verraten habe.

Die Anzahl der Mitglieder der Segunda Marquetalia beläuft sich nach Schätzungen des Geheimdienstes auf 1.261 Bewaffnete und 589 Personen, die Funktionen innerhalb des Unterstützungsnetzwerkes wahrnehmen. Die Guerillaorganisation soll vor allem in den Departamentos Nariño und Putumayo aktiv und dort mit verschiedenen anderen bewaffneten Gruppierungen strategische Allianzen eingegangen sein.

Auf der Tagesordnung der Gespräche in Caracas stehen folgende Punkte: Deeskalation des Konflikts und Vorbereitung der Gebiete für den Frieden (Territorios de Paz), Aufbau dieser Gebiete als soziale Akteure für Veränderungen, Schaffung von Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben sowie Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen.

Armando Novoa, Delegationschef der Regierung von Gustavo Petro bei den Gesprächen, hat gegenüber verschiedenen Medien bekräftigt, dass sich die Dialoge nicht unbegrenzt verlängern werden und der Prozess nicht mit einem Waffenstillstand beginnen werde. Wichtig seien rasche Vereinbarungen und der Einbezug von Dorfgemeinschaften und -autoritäten.

Márquez betonte bei seiner Ansprache in Caracas, dass die Organisation bereit sei, an einem Friedensprozess teilzunehmen, der die für das Land notwendigen Veränderungen in Bereichen der Wirtschaft, Soziales, Kultur und Umwelt beinhalte. Er kritisiert die Strategie des Ex-Präsidenten Juan Manuel Santos, nur mit der Farc-EP und nicht mit der ELN zu verhandeln, sowie die Regierung von Iván Duque für die Zunahme der Gewalt anstelle einer Sicherung des Friedens.

Walter Mendoza, Leiter der Friedensdelegation der Segunda Marquetalia, äußerte die Hoffnung, dass eine Übereinkunft ohne Hindernisse erzielt werden könne und  das Vereinbarte seitens des Staates auch voll erfüllt werde.

Zum Auftakt der Gespräche in Caracas drückte der Hochkommissar für den Frieden der Regierung, Otto Patiño, sein Bedauern über den Tod des Kommandanten der Segunda Marquetalia, Hermes Guerrero, aus. Er wurde am 23. Juni, einen Tag vor Aufnahme der Gespräche in Caracas, im Departamento Nariño im Süden Kolumbiens bei Auseinandersetzungen mit der Armee getötet. Diese Äußerung Patiños stieß in rechten Kreisen und Medien auf heftige Kritik.