Cartagena. Die zweite Weltkonferenz über Luftverschmutzung und Gesundheit hat in Cartagena de Indias, Kolumbien, unter dem Motto "Beschleunigte Maßnahmen für saubere Luft, Zugang zu sauberer Energie und Eindämmung des Klimawandels" stattgefunden.
Luftverschmutzung laut der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine der größten Umweltbedrohungen für die menschliche Gesundheit und trägt wesentlich zum Klimawandel bei. Demnach sterben aufgrund von Luftverschmutzung sieben Millionen Menschen im Jahr, eine der häufigsten Todesursachen und globale "Epidemie". Allein in Lateinamerika sind es 367.000. Dreckige Luft löst chronische Atemwegserkrankungen aus, Lungenkrebs, Schlaganfälle, Herzinfarkte. Sie schädigt das Gehirn, die kognitive Entwicklung und wird mit Demenz in Verbindung gebracht.
Im Vorfeld der Konferenz, die vom 25. bis 27. März stattfand, hatten weltweit über 47 Millionen Angehörige von Gesundheitsberufen, Patient:innen, Anwält:innen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen einen Aufruf zu dringenden Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung und zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor ihren verheerenden Auswirkungen unterzeichnet.
Eine wesentliche Ursache der Luftverschmutzung sind fossil betriebene Kraftwerke und Verbrennermotoren, weshalb auch über 600 Ärzt:innen aus ganz Europa jüngst in einem offenen Brief EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert haben, am geplanten Ausstieg aus Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 festzuhalten. Einem internationalen Forscherteam der Max-Planck-Gesellschaft zufolge könnte gar der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen jährlich weltweit fünf Millionen Todesfälle verhindern, die durch Luftverschmutzung bedingt sind.
Das Ziel der Konferenz war ambitioniert: Halbierung der Todesfälle durch Luftverschmutzung bis 2040. Die gemeinsam von WHO, Kolumbien und europäischen Regierungen organisierte Konferenz diente dem Austausch über die Bekämpfung der Luftverschmutzung. Über 700 Teilnehmende ‒ Minister:innen, Gesundheitsexpert:innen, Behörden, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Industrie ‒ nahmen eine Bestandsaufnahme der Luftqualität in der ganzen Welt vor und verpflichteten sich erneut zu Maßnahmen zur Bekämpfung dieser globalen Gesundheitskrise.
Maria Neira, WHO-Direktorin für Klima, Umwelt und Gesundheit zufolge geht es nicht nur um die Umwelt und die Zerstörung unseres Planeten, sondern auch um die Zerstörung unserer Gesundheit. Für die spanische Medizinerin ist saubere Luft kein Privileg, sondern ein Menschenrecht. Obwohl Wissenschaftler:innen schon vor drei Jahrzehnten die Gesundheitsgefahr durch Feinstaub und andere Luftschadstoffe definierten und WHO-Mitgliedsstaaten dies 2015 formell anerkannten, mangele es an Umsetzung.
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Angesichts der hohen Kosten der Luftverschmutzung forderte die WHO die Regierungen erneut auf, sofortige und ehrgeizige Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen zu verringern, strengere Luftqualitätsnormen durchzusetzen und auf sauberere Energiequellen umzusteigen, um die Gesundheit der Menschen und des Planeten zu fördern. Neira zufolge müssten die Staaten dringend zusammenarbeiten, um den Übergang von Kohleenergie zu erneuerbaren Energien voranzutreiben, nachhaltige öffentliche Verkehrsmittel zu fördern, emissionsarme Zonen in Städten einzurichten und saubere Energie zu fördern.
Auf der Konferenz wurden sektorübergreifende Lösungen vorgestellt, um Krankheiten zu verhindern, Leben zu retten, die Gesundheit insbesondere von Kindern zu schützen und den Klimawandel weltweit einzudämmen.
Dazu zählten der Austausch der neuesten Erkenntnisse über die Gesundheitsrisiken von Luftverschmutzung und Energiearmut, wobei die gesundheitlichen, klimatischen, geschlechtsspezifischen und gerechten Zusatznutzen der Bekämpfung von Luftverschmutzung und Energiearmut aufgezeigt wurden.
Ferner erfolgte eine Bestandsaufnahme der globalen Fortschritte seit 2015, seit Einführung der Ziele für nachhaltige Entwicklung und ein Austausch darüber, wie Klima- und Entwicklungsfinanzierung gestärkt werden können, um Luftverschmutzung zu bekämpfen und eine gerechte Energiewende zu gewährleisten.
Die Konferenz diente auch der Mobilisierung für mehr Wertschätzung der Gesundheitsberufe und endete mit einem Appell an Länder, Regionen und Städte, sich der WHO-/Weltbank-Kampagne BreatheLife anzuschließen und sich zu verpflichten, die Luftverschmutzung bis 2030 und darüber hinaus zu reduzieren.

