Montevideo. Uruguay hat den Agrarnotstand wegen des anhaltenden Wasserdefizits, das weite Teile des Landes betrifft, um 90 Tage verlängert. Die Maßnahme wurde aufgrund der anhaltenden Dürre und des Ausbleibens nennenswerter Niederschläge in verschiedenen Regionen ergriffen. Das Ministerium für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei (MGAP) kündigte zudem neue Unterstützungsmaßnahmen für Viehhalter, Milchproduzenten, landwirtschaftliche und Gartenbaubetriebe an, die besonders unter der Wasserknappheit und den verschlechterten Produktionsbedingungen leiden.
Der Minister für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei, Alfredo Fratti, gab die Ausweitung des Notstands während der offiziellen Eröffnung der Reisernte in der Ortschaft Cebollatí im Departamento Rocha bekannt. Nach seinen Angaben wurde die Entscheidung getroffen, nachdem es in einigen Regionen des Landes fast 60 Tage lang keine nennenswerten Niederschläge gegeben hatte und sich die technischen Indikatoren für die Bodenfeuchtigkeit weiter verschlechterten.
Zu den angekündigten Maßnahmen gehört die Möglichkeit, Zertifikate der Steuerbehörde Dirección General Impositiva (DGI) für den Kauf von Dieselöl zu nutzen. Diese gelten für bis zu zehn Prozent des zwischen März und Mai 2025 registrierten Verbrauchs. Ziel sei es, die Betriebskosten der Produzenten in einer Situation zu senken, die durch höhere Produktionsanforderungen infolge der Wasserknappheit und der Schwierigkeiten durch die anhaltende Dürre geprägt ist.
Zusätzlich vereinbarte die Regierung mit dem Wirtschafts- und Finanzministerium eine Reduzierung der Provision des nationalen Garantiesystems für betroffene Unternehmen (einschließlich Kleinstunternehmen) von etwa drei Prozent auf 0,6 Prozent jährlich, um den Kreditzugang zu erleichtern.
Eine weitere Maßnahme sieht die Verschiebung von finanziellen Fälligkeiten für Produzenten mit bestehenden Verpflichtungen vor, insbesondere im Fall des Reissektors, der Verbindlichkeiten gegenüber der Bank Banco de la República Oriental del Uruguay (BROU) hat. Ziel dieser Initiative ist es, den Produzenten einen größeren finanziellen Spielraum zu verschaffen, solange die widrigen klimatischen Bedingungen anhalten.
Nach Angaben der Behörden wurde das Gebiet, das vom landwirtschaftlichen Notstand betroffen ist, schrittweise ausgeweitet. Derzeit umfasst es sämtliche Departamentos südlich des Río Negro sowie einige Verwaltungsbezirke nördlich dieses Flusses, was die territoriale Ausdehnung des Wasserdefizits im Land widerspiegelt.
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Die Reisproduktion, die von der Dürre stark betroffen ist, hat eine hohe Bedeutung für die uruguayische Wirtschaft. Dies hob Fratti bei der Eröffnung der diesjährigen Ernte hervor. Obwohl sie nur etwa ein Prozent der landwirtschaftlichen Fläche des Landes einnimmt, zählt Reis zu den wichtigsten Exportprodukten. Rund 95 Prozent der Produktion werden auf internationalen Märkten abgesetzt.
Die Verlängerung des Agrarnotstandes erfolgt vor dem Hintergrund wiederholter Dürreperioden in den letzten Jahren. Gremien wie die Federación Rural hatten bereits im Januar 2026 die Verzögerung bei Ausrufung der Notlage und den Mangel an Fonds kritisiert.
Senator Sebastián Da Silva von der Partido Nacional, die in Opposition zur regierenden linken Frente Amplio von Yamandú Orsi steht, kritisierte die anfängliche Erklärung im Februar als "Bauernfängerei" und "Desaster", da sie zu spät kam und Departamentos ausschloss.
Umweltgruppen wie Movus kritisierten langfristig die Wasserpolitik, etwa die Umgestaltung der Wasseraufbereitungsanlage Neptuno, die die Hauptstadtregion mit Trinkwasser versorgen soll, wegen Kosten, Ineffizienz und mangelnder Prävention.
Die Regierung erklärte, sie werde die Entwicklung der klimatischen Bedingungen weiterhin beobachten und neue Maßnahmen prüfen, falls das Wasserdefizit in den kommenden Monaten anhalten sollte.

