Caracas/San Salvador. Venezuelas Generalstaatsanwalt Tarek William Saab wirft dem salvadorianischen Präsidenten Nayib Bukele vor, als "höchster Chef der Maras" mit führenden Mitgliedern der Mara Salvatrucha (MS-13) in geheimem Kontakt zu stehen. Saab erklärt, es gebe mehrere Abkommen zwischen der Regierung und der bewaffneten Bande, mit denen Bukele seine Macht absichere. Zudem würden mehr als 250 Venezolaner:innen ohne Anklage unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten. Er fordert ihre Übergabe an die venezolanische Justiz.
Die Vorwürfe fügen sich in eine Reihe ähnlicher Enthüllungen ein. Laut einer Recherche von El País von Juni 2025 hat Bukeles Regierung wiederholt die Auslieferung hochrangiger MS-13-Mitglieder in die USA verzögert, behindert oder blockiert. Eine US-Fachkraft bezeichnet das Vorgehen als gezielte Strategie zur Manipulation der Justiz.
Bereits im Mai 2022 berichtete das salvadorianische Recherchenetzwerk El Faro, dass hohe Regierungsvertretende, darunter Carlos Marroquín, über Jahre hinweg geheime Gespräche mit MS-13-Führungspersonen in Hochsicherheitsgefängnissen führten. In Audiodateien spricht Marroquín von einem etwa zweieinhalbjährigen Pakt. Nach der Festnahme zuvor geschützter Bandenmitglieder eskalierte die Gewalt: Zwischen dem 25. und 27. März 2022 wurden 87 Menschen getötet. Die Enthüllung führte zu erheblichen juristischen und politischen Repressionen gegen das Medium (amerika 21 berichtete).
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In einem Interview mit El País vom 1. Mai 2025 erklärt Carlos Cartagena López alias Charli, eine Führungsperson der Barrio 18, dass seine Gruppe Bukeles politische Projekte seit seiner Zeit als Bürgermeister von San Salvador unterstützte. Dazu gehörten die Verhinderung von Demonstrationen und Wahlhilfe. Im Gegenzug habe es politische und finanzielle Gegenleistungen sowie Schutz für inhaftierte Personen aus der Gruppe gegeben.
Weitere Berichte bestätigen den Beginn solcher Absprachen bereits 2014. Die Banden sollen rund 250.000 US-Dollar zur Unterstützung von Bukeles Wahlkampf zum Bürgermeister von San Salvador beigesteuert haben.
Saabs Vorwürfe reihen sich in eine wachsende internationale Kritik an Bukeles Sicherheitspolitik ein, die trotz massiver Repression gegen Banden immer wieder durch Berichte über geheime Absprachen erschüttert wird. Indem der venezolanische Generalstaatsanwalt nun öffentlich diplomatische Schritte fordert, erhält die Debatte eine neue außenpolitische Dimension. Ob Caracas die angekündigten rechtlichen Schritte tatsächlich einleitet und ob sich weitere Staaten dem Druck anschließen, bleibt offen. Klar ist: Die vermeintlich kompromisslose Linie Bukeles steht zunehmend im Widerspruch zu den Vorwürfen über verdeckte Absprachen mit genau jenen Strukturen, die er offiziell bekämpft.

