New Orleans. US-Sicherheitskräfte haben in der vergangenen Woche mit einer gegen Migrant:innen gerichteten Aktion in der Stadt New Orleans begonnen. Das US-Heimatschutzministerium (DHS) teilte mit, die Operation Catahoula Crunch wurde in der einwohnerreichsten Stadt des südlichen US-Bundesstaates Louisiana gestartet. Ziel sei die Festnahme von 5.000 Migrant:innen.
Somit setzt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump den Einsatz von Bundeskräften in von Demokraten regierten Städten fort. Ziel ist, Migrant:innen, insbesondere aus Lateinamerika, festzunehmen. Laut Medienberichten seien bereits Dutzende Menschen im Großraum New Orleans festgenommen worden. Videodokumentationen und Augenzeugenberichte belegen, dass Menschen im öffentlichen Raum von teils maskierten Sicherheitskräften unter Gewalteinwirkung festgenommen werden.
Das DHS hat bislang keine konkreten Angaben dazu gemacht, welche Behörden an der Aktion beteiligt sind. Lokale Medien berichten jedoch vom Einsatz von Grenzschutzbeamt:innen. Außerdem seien Kräfte der Polizei- und Zollbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) gesehen worden. Präsident Trump hat angekündigt, zusätzlich Einheiten der Nationalgarde nach New Orleans zu entsenden, was der republikanische Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, bereits vor Monaten forderte.
Die Aktion konzentriere sich auf illegale Migrant:innen mit krimineller Vergangenheit, die aufgrund von Schutzpolitiken ("sanctuary policies") freigelassen wurden, so das DHS. Die stellvertretende Ministerin des DHS, Tricia McLaughlin, erklärte: "Schutzpolitiken gefährden amerikanische Gemeinden, indem sie kriminelle Ausländer freilassen und DHS-Beamt:innen zwingen, ihr Leben zu riskieren, um illegale kriminelle Ausländer festzunehmen, die niemals hätten freigelassen werden dürfen."
Rachel Taber, von der Organisation Unión Migrante, dementiert dies. "Sie nehmen keine Kriminellen fest", so Taber. "Sie greifen sich Leute von der Straße, wen sie auch kriegen können – das sind Mütter und Väter auf dem Heimweg von der Arbeit, die beim Aussteigen aus ihren Autos überfallen werden." Nach ihrer Darstellung ist das einzige Kriterium, nach dem diese Festnahmen im öffentlichen Raum geschehen, die Hautfarbe der Festgenommenen. Taber bezeichnet dies als "psychologische Kriegsführung". Außerdem berichtet Taber von drei Vorfällen, bei denen US-Bürger:innen festgehalten und verhört wurden, bevor sie nach dem Nachweis ihrer Staatsbürgerschaft wieder freigelassen wurden.
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Einwander:innen berichten verängstigt, dass sie ihre Häuser nicht mehr verlassen. Lateinamerikanische Restaurants und Geschäfte haben in sozialen Medien angekündigt, zu schließen, aus Sorge, dass Mitarbeitende oder Kund:innen festgenommen werden könnten.
Am Donnerstag forderten Aktivist:innen bei einer Sitzung des Stadtrats, "sichere Zonen" und Maßnahmen zum Schutz der Einwander:innen zu ergreifen. Sie wurden aus dem Gebäude geleitet und ihre Forderungen wurden nicht angehört.
In Louisiana leben nach Daten des American Immigration Council rund 223.000 Migrant:innen, von denen jede:r Fünfte aus Honduras und jede:r Achte aus Mexiko stammt. Die in Mexiko geborene Helena Moreno, die 2026 das Bürgermeisteramt von New Orleans übernehmen wird, hat bereits im November ihre "Besorgnis" über die geplante Operation geäußert.
Der Stadtrat von New Orleans hat unterdessen ein Online-Portal eingerichtet, das Bürger:innen über ihre Rechte bei der Interaktion mit der Polizei informiert und über das Übergriffe und Fehlverhalten von Sicherheitskräften gemeldet werden können. Aktivist:innen fordern weitere Schritte, etwa die Ausweisung von Schutzzonen, in denen Sicherheitskräfte von Bundesbehörden nicht operieren dürfen.


