USA greifen Tankschiffe vor Venezuela an

US-Streitkräfte verfolgten Bella 1 vor Venezuelas Küste. Weiterer Tanker gestoppt. Berichterstattung in Deutschland übernimmt Sichtweise der USA

imagen1.png

Die Bewegungen der ALBA-Länder schreiben: Trump raus aus Venezuela! Trump raus aus unserem Amerika! Die ALBA-Länder sind ein alternatives Wirtschaftsbündnis
Die Bewegungen der ALBA-Länder schreiben: Trump raus aus Venezuela! Trump raus aus unserem Amerika! Die ALBA-Länder sind ein alternatives Wirtschaftsbündnis

Caracas. Nach Angaben von US-Beamten ist der Öltanker Bella 1 am Sonntag von US-Einheiten nahe der venezolanischen Küste angegangen worden. Mehrere Agenturen berichten, dass US-Streitkräfte versuchten, das Schiff beim Kurs in Richtung Venezuela abzufangen und an Bord zu gehen. Teilweise war von einer vorläufigen Kontrolle die Rede. Die US-Regierung selbst hat den Vorgang jedoch nicht vollständig bestätigt, sodass unklar bleibt, ob die Kontrolle über den Tanker dauerhaft übernommen wurde oder das Schiff entkommen konnte.

Laut dem kolumbianischen Fernsehsender NTN24 wurde Bella 1 zwar angegangen, sei aber der Festsetzung entkommen, indem sie Kurs auf den Atlantik nahm. Nach Angaben von Ortungsdaten aus Navigationsplattformen sendete das Schiff mindestens 75 Notsignale an umliegende Schiffe, während es sich in Gewässern nahe Antigua und Bermuda befand.

Erst zwei Tage zuvor wurde das Schiff Centuries – unter der Flagge von Panama – von der US-Küstenwache abgefangen. Laut US-Regierung wurde es in internationalen Gewässern gestoppt, weil es venezolanisches Rohöl transportierte, das angeblich gegen Sanktionen verstößt. Diese Sanktionen hatten die USA selbst im Alleingang gegen Venezuela verhängt.

Bereits am 10. Dezember hatten die USA den Tanker Skipper unter ihre Gewalt gebracht. Diese Maßnahmen sind laut USA Teil einer Kampagne, mit der die Regierung unter Präsident Donald Trump die Umgehung von US-Sanktionen durch die venezolanische "Schattenflotte" unterbinden will.

Die venezolanische Regierung, die ALBA-Staaten (Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Dominica, Antigua und Barbuda, Grenada, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen) sowie andere Verbündete verurteilen die US-Aktionen scharf. Caracas spricht von einem "Raub und Seerechtsbruch" in internationalen Gewässern und bezeichnet die Festsetzung und Verfolgung der Tanker als internationale Piraterie. Vertreter regionaler Staaten kündigten an, den Vorfall bei den Vereinten Nationen und anderen multilateralen Organen anzuzeigen. Sie kritisieren die USA, weil durch die Operationen Schiffe privater Reedereien und deren Besatzung gefährdet würden. 

Ohne Moos nix los

Ihnen gefällt die Berichterstattung von amerika21? Damit wir weitermachen können, brauchen wir Ihre Unterstützung.

Auch China verurteilte die Beschlagnahmung und nannte sie eine Verletzung des Völkerrechts, da der Tanker Centuries Öl transportierte, das über legale Verträge an chinesische Abnehmer verkauft worden sei.

Die aktuellen Vorfälle reihen sich zudem ein in eine Serie tödlicher Angriffe auf kleinere Boote und Schiffe, die die US-Regierung als Teil ihrer Anti-Drogen-Operationen bezeichnet. Seit September 2025 haben US-Streitkräfte nach eigenen Angaben mehrere Dutzend Schiffe, darunter mindestens etwa 28 einzelne Bootsangriffe auf Verdachtsschiffe im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik durchgeführt.

Diese Kampagne richtete sich gegen Schiffe, die angeblich Drogen schmuggeln oder mit "Narco-Terrorismus" in Verbindung stehen. Nach offiziellen Mitteilungen wurden dabei bereits rund 80 Menschen getötet. Menschenrechts- und Rechtsexperten bemängeln, dass weder die Beweise für die angebliche Beteiligung an Drogenhandel offengelegt wurden, noch das internationale Recht klar eine derartige Anwendung tödlicher Gewalt gegen unbewaffnete Schiffe in internationalen Gewässern legitimiert. Diese Vorfälle fließen in die Kritik an der jetzigen Tankerverfolgung als Teil eines Musters extralegaler Gewaltanwendung auf See ein.

In der deutschen Berichterstattung wird die US-Aktion vielfach fast durchgängig mit dem Begriff "Beschlagnahmung" wiedergegeben, so im Deutschlandfunk. Die Zeitschrift Focus schreibt von "Maduros Terror-Tanker". Die Tagesschau schreibt: "Noem kündigte an, die USA würden auch weiterhin gegen den illegalen Handel mit sanktioniertem Öl vorgehen". Diese Darstellung entspricht den Aussagen der USA. Der Handel ist allerdings nur aus der Sicht der USA "illegal", auch die Sanktionen gelten alleinig seitens der USA.

Auf diese Weise wird der Vorgang vornehmlich aus der Perspektive der US-Administration vermittelt, obwohl auch internationale Stimmen und Experten auf Verstöße gegen das Seerecht oder fehlende Mandate im Völkerrecht hinweisen. Insbesondere fehlt in vielen Texten die Einordnung, dass die von Washington angeführten Sanktionen keine allgemein anerkannte völkerrechtliche Grundlage für das Ein- und Festsetzen fremder Schiffe darstellen und Kritiker den Vorgang als De-facto-Piraterie oder zumindest als umstrittene Exterritorialität bezeichnen. Diese einseitige Wortwahl kann den Eindruck verstärken, es handele sich um eine klar legitimierte Maßnahme, obwohl der internationale Rechtsrahmen dafür hochumstritten ist.