Peru / Politik

Große Mehrheit in Peru sieht wachsende Korruption

Ipsos befragte im Dezember landesweit für Proética. 87 Prozent fühlen sich im Alltag betroffen. Parlament gilt als korrupteste Institution

Lima. 88 Prozent der Peruaner:innen sind der Überzeugung, dass die Korruption im Land angestiegen ist. Dies ist ein Ergebnis aus der 13. Nationalen Umfrage zur Wahrnehmung von Korruption 2025, die im Dezember in Peru vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag von Proética, dem peruanischen Ableger von Transparency International, durchgeführt wurde.

Korruption hat sich demnach – gemeinsam mit Unsicherheit und Kriminalität – als zentrales Problem des Landes verfestigt. 87 Prozent der Befragten geben an, dass Korruption ihr tägliches Leben direkt beeinträchtige. Besonders häufig genannt werden negative Folgen für die finanzielle Lage der eigenen Familie, sinkende Chancen auf Arbeit sowie eine Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung. Zugleich sagen 42 Prozent, Korruption untergrabe ihr Vertrauen in Staat, Politik und Behörden.

Der Blick in die Zukunft ist von Pessimismus geprägt: 81 Prozent der Befragten erwarten, dass die Korruption in den kommenden fünf Jahren gleich bleibt oder weiter zunimmt. Die Hoffnung auf eine spürbare Verbesserung ist laut Proética seit Jahren gering. Diese Wahrnehmung geht mit einer wachsenden Krise des Vertrauens in staatliche Institutionen einher.

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Als mit Abstand korrupteste Institution gilt aus Sicht der Bevölkerung erneut das Parlament, das 85 Prozent der Befragten nennen. Es folgen Staatsanwaltschaft (35 Prozent), Regierung (33 Prozent), Justiz (33 Prozent) und Polizei (27 Prozent). Trotz dieser Einschätzung erwarten viele Peruaner:innen von diesen Institutionen eine führende Rolle im Kampf gegen Korruption – ein Widerspruch, den Proética als Ausdruck fehlender Alternativen und tiefen Misstrauens deutet.

Zudem besteht eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung: Während sich 89 Prozent der Befragten selbst als ehrlich bezeichnen, halten 64 Prozent ihre Mitbürger:innen für korrupt. Korruption wird damit externalisiert und staatlichen Akteuren zugeschrieben.

Fast einhellig sehen die Befragten einen Zusammenhang zwischen Korruption und illegalen Wirtschaftstätigkeiten wie illegalem Bergbau, Abholzung oder Drogenhandel. 41 Prozent geben an, dass solche Aktivitäten in ihren Regionen oft die einzige Einkommensquelle darstellen. Die Umfrage zeichnet damit das Bild einer Gesellschaft, die tiefes Misstrauen gegenüber ihren Institutionen hegt.