Belém et al. Einer der Höhepunkte im Jahr 2025 ist vom 12. bis 16. November der Gipfel der Völker in Belém in Brasilien gewesen. In der gleichen Stadt fand auch der Klimagipfel COP30 statt. Der Gipfel der Völker konnte 23.000 Teilnehmende aus 65 Ländern vereinen und erstmals waren auch offizielle Vertreter:innen des COP30 bei der Übergabe der Abschlusserklärung anwesend. Diese fordert ein alternatives Wirtschaftsmodell zum neoliberalen Kapitalismus als Voraussetzung für die Lösung der Klimakrise (amerika21 berichtete). Ein Erfolg für soziale Bewegungen und ihren Kampf für bessere Lebensbedingungen.
Bereits im Vorfeld des COP30 machten sich Aktivist:innen, indigene Autoritäten und Vertreter:innen von Bauernorganisationen mit einer Karawane für das Leben und das Klima von Mexiko auf den Weg nach Belém und führten politische Aktionen in neun Ländern des Kontinents durch (amerika21 berichtete).
Natur- und Umweltschutz war auch ein zentrales Anliegen sozialer Bewegungen in Kolumbien. Nach dem Biodiversitätsgipfel COP16 im November 2024 konnten relevante Anliegen umgesetzt werden: Laut Regierungsberichten reduzierte sich die Entwaldungsrate 2025 um etwa 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders in mehreren Nationalparks im Amazonasgebiet wurde ein Rückgang von bis zu 54 Prozent verzeichnet. Als Resultat der COP16 wurden große indigene Territorien anerkannt, einschließlich Gebiete für isolierte indigene Gruppen. Diese Schutzstatus-Zuweisungen tragen dazu bei, sowohl kulturelle Integrität als auch Ökosystemfunktionen zu erhalten. Die Anerkennung der Autonomie und der territorialen Rechte indigener Gemeinschaften stärkt deren Rolle als Schutzakteur:innen.
In Panamá gingen Gewerkschaften monatelang auf die Straßen, sie protestierten gegen eine Rentenreform und gegen die neokolonialen Bestrebungen der USA, die Kontrolle über den Panamakanal zurückzuerlangen. Sie erlitten dabei Repression, konnten aber auch ihre Organisationen und das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen.
Ein wochenlanger Generalstreik der Indigenenorganisation Conaie richtete sich gegen neoliberale Bestrebungen in Ecuador. Er führte zwar nicht zu direkten Ergebnissen, einige Wochen später wurde aber in einer Volksabstimmung deutlich für den Erhalt der 2008 von sozialen Bewegungen durchgesetzten Verfassung gestimmt, die umfangreiche Rechte für die indigene Bevölkerung und die Natur sicherstellt sowie die Stationierung von US-Soldat:innen in Ecuador verbietet (amerika21 berichtete).
In Guatemala konnte die Regierung Bernardo Arévalo sich trotz fortgesetzter Angriffe des Paktes der Korrupten im Amt behaupten und langsame, aber stetige Verbesserungen im Gesundheits- und Bildungssystem in Angriff nehmen. Zum zweiten Mal in Folge wurde für das kommende Jahr der Mindestlohn erhöht und das Urteil eines Schiedsgerichtes, wonach Guatemala keine "Entschädigung" für ein beendetes Bergbauprojekt zahlen muss, kann den Widerstand gegen Megaprojekte weiter stärken (amerika21 berichtete).
In La Esperanza in Honduras diskutierten im Oktober 350 Vertreter:innen von 46 Gruppen des Kontinents über weitere Strategien sozialer Bewegungen (amerika21 berichtete), auch in Venezuela nahmen im Dezember Tausende Aktivist:innen an einem Treffen teil (amerika21 berichtete).
Dies wird auch weiter nötig sein, denn in Bolivien, Honduras und Chile wurden 2025 Regierungen abgewählt, die zumindest teilweise mit sozialen Bewegungen verbunden waren. An ihre Stelle treten Regierungen, die soziale Bewegungen eher als Gegner:innen betrachten. In Honduras waren die Wahlen zudem neben Betrugsvorwürfen von einer seit Jahren nicht gekannten direkten Einmischung von US-Präsident Donald Trump überschattet. Dessen seit August verfolgte Politik der direkten Konfrontation mit Venezuela bedroht den Frieden auf dem Kontinent und könnte noch weiter eskalieren.
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Redaktion von amerika21



