Erfolgreicher Boykott: US-Airline beendet Zusammenarbeit mit ICE

US-Fluggesellschaft Avelo kündigt einen Vertrag über 150 Millionen US-Dollar. Entscheidung nach monatelangen Protesten

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Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich der Boykott-Kampagne landesweit weitere Initiativen an
Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich der Boykott-Kampagne landesweit weitere Initiativen an

Washington. Die US-Fluggesellschaft Avelo Airlines zieht sich aus dem Geschäft mit Abschiebeflügen für die US-Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) zurück. Das Unternehmen bestätigte, künftig keine Abschiebungsflüge mehr durchzuführen. Damit endet ein Vertrag mit einem geschätzten Volumen von rund 150 Millionen US-Dollar. Der Schritt folgt einer monatelangen Protestkampagne gegen die Abschiebepraxis der US-Regierung.

Die Entscheidung fiel an einem Tag, an dem der Tod der 37-jährigen Renee Nicole Good durch einen ICE-Beamten in Minneapolis landesweit für Entsetzen sorgte. Die Nachricht über Avelos Rückzug ging in der Öffentlichkeit zunächst unter. Für die beteiligten Initiativen markiert sie jedoch einen Wendepunkt: Erstmals habe ein kommerzieller Linienflieger seine Rolle als Dienstleister für Abschiebungen aufgegeben, so das Online-Magazin CTXT.

Ausgangspunkt der Kampagne war der US-Bundesstaat Connecticut. Dort wurde im Frühjahr bekannt, dass Avelo, das sich selbst als regionale "Hometown Airline" vermarktet und öffentliche Fördermittel erhält, einen Vertrag mit dem US-Ministerium für innere Sicherheit (Department of Homeland Security) geschlossen hatte. Geplant waren Abschiebeflüge ab Mai 2025, ohne öffentliche Debatte oder politische Beschlussfassung. Lokale Gruppen wie die New Haven Immigrants Coalition organisierten Proteste, forderten den Entzug von Subventionen und riefen zum Boykott auf.

Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich landesweit weitere Initiativen an. Gewerkschaften, kirchliche Gruppen und politische Organisationen beteiligten sich an Demonstrationen, Social-Media-Kampagnen und Aktionen an Flughäfen. Auch die Flugbegleiter:innengewerkschaft äußerte Sicherheitsbedenken und warnte vor Risiken bei Notfällen auf Flügen mit gefesselten Passagier:innen.

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Die Kampagne zielte auf ein schwaches Glied in der milliardenschweren US-Abschiebeinfrastruktur ab. Deportationsflüge werden häufig von kaum bekannten Charterfirmen durchgeführt. Dazu gehört Avelo. Es ist als Markenunternehmen abhängig von Ticketverkäufen, staatlicher Unterstützung und öffentlicher Reputation. Diese Abhängigkeiten machten die Firma anfällig für politischen und wirtschaftlichen Druck.

Im Sommer erzielten die Aktivist:innen erste Teilerfolge, als Avelo seine Westküstenverbindungen einstellte. Der Druck nahm weiter zu: In mehreren Bundesstaaten wurden Förderprogramme infrage gestellt, Kommunen verabschiedeten Resolutionen gegen eine Zusammenarbeit mit der Airline, Investor:innen gerieten ins Visier von Protesten. Anfang Januar kündigte Avelo schließlich an, den Standort am Mesa Gateway Airport im Bundesstaat Arizona zu schließen und sich vollständig aus dem Abschiebegeschäft zurückzuziehen.

Die Kampagne gegen Avelo betrachten Aktivist:innen zu Recht als Etappensieg. Der Rückzug des Unternehmens schwäche die logistische Basis der Abschiebepolitik und setze andere Unternehmen unter Zugzwang, heißt es. Weitere Kampagnen richten sich jetzt gegen andere Dienstleister:innen und Kooperationspartner:innen der ICE-Behörde, die mit Milliardensummen finanziert wird. Denn die staatliche Abschiebungsinfrastruktur ist ohne das Zutun privater Unternehmen nicht zu denken.