Angriff auf den Iran: Lateinamerika reagiert gespalten

Argentinien stellt sich hinter USA und Israel. Venezuela löscht umstrittene Erklärung. Verschiedene Länder stellen Gegenangriffe Irans in den Vordergrund. Mexiko und weitere Staaten rufen zu diplomatischer Lösung auf

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Der Angriff von USA und Israel auf den Iran riefen in Lateinamerika unterschiedliche Reaktionen hervor
Der Angriff von USA und Israel auf den Iran riefen in Lateinamerika unterschiedliche Reaktionen hervor

Buenos Aires/Caracas et.al. Neben den kritischen Stimmen zum Angriff auf den Iran (amerika21 berichtete) gibt es in Lateinamerika auch Zustimmung zum Vorgehen von Israel und den USA. Das argentinische Außenministerium schrieb am Samstag in einer Stellungnahme, es "schätze und unterstütze die gemeinsamen Militäraktionen der USA und Israel gegen den Iran". Diese zielten laut der Erklärung darauf ab, die "Bedrohung zu neutralisieren, die das Regime der Islamischen Republik für die langfristige Stabilität und Sicherheit in der Region darstellt".

In einer Erklärung des Staatspräsidenten Javier Milei hieß es am Samstag: "Das Büro des Präsidenten lobt die heutige gemeinsame Operation der USA und Israels, die zur Eliminierung von Ali Chamenei, dem Obersten Führer der Islamischen Republik Iran und einem der bösartigsten, gewalttätigsten und grausamsten Individuen in der Geschichte der Menschheit, geführt hat." Das religiöse Oberhaupt des Irans war am Samstag bei den Angriffen mit weiteren Familienmitgliedern gezielt ermordet worden.

Die Regierung von Venezuela veröffentlichte am Samstag zunächst eine Stellungnahme, in der sie die "militärischen Angriffe auf den Iran" ebenso verurteilte wie die "unangemessenen und verwerflichen Vergeltungsmaßnahmen". Die USA und Israel wurden in der Erklärung nicht namentlich genannt. Venezuelanalysis kritisierte in einem Kommentar auf die Stellungnahme, dass die USA und Israel nicht erwähnt wurden und schrieb, dass in der Erklärung "Opfer und Täter imperialistischer Völkermordangriffe gleichermaßen verantwortlich gemacht wurden". Noch am selben Tag schrieben aber Venezuelanalysis und weitere Medien, dass die Erklärung des Außenministeriums gelöscht wurde, eine neue Stellungnahme wurde bisher nicht bekannt. 

Verschiedene Regierungen nannten in erster Linie die Angriffe des Irans, die als Reaktion auf die Attacken Israels und der USA erfolgt waren. Die Regierung von Daniel Noboa in Ecuador bekundete ihre "Solidarität mit den Ländern des Nahen Ostens angesichts der Angriffe der Islamischen Republik Iran auf deren Territorium, die die regionale Stabilität und Sicherheit gefährden". Das honduranische Außenministerium verurteilte in einer Erklärung die "Angriffe der Islamischen Republik Iran auf die Golf- und Nachbarstaaten". Diese würden das "Risiko einer Eskalation erhöhen".

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Aus Kuba, Kolumbien und Chile waren dagegen die Angriffe der USA und Israels deutlich verurteilt worden. Auch das brasilianische Außenministerium verurteilte die Angriffe. Diese "erfolgten mitten in einem Verhandlungsprozess zwischen den Parteien, der der einzig gangbare Weg zum Frieden ist – eine Position, die Brasilien in der Region traditionell vertritt", schrieb das Ministerium.

Auch das mexikanische Außenministerium rief zu einer diplomatischen Lösung auf und richtete einen "dringenden Aufruf" an die beteiligten Länder, den "diplomatischen Kanälen Priorität einzuräumen und auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten". Weiter schrieb das Außenministerium: "Im Einklang mit unseren verfassungsrechtlichen außenpolitischen Grundsätzen und der pazifistischen Überzeugung unseres Landes appellieren wir an alle Parteien, eine weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden, deren humanitäre Folgen sowie Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung und die globale Stabilität gravierend wären."

In Guatemala hatten Außenministerium und Staatspräsident Bernardo Arévalo die US-Angriffe verurteilt. Dies rief in rechten Kreisen des Landes Polemik hervor. Das aus dem Umfeld des ehemaligen rechten Präsidenten James Morales betriebene Portal Xela News zeigte Präsident Arévalo mit Turban, in sozialen Netzwerken tauchten Fotomontagen auf, die Arévalo als neuen "Ajatollah des Irans" bezeichneten. In einer Erklärung formulierte die rechte Partei Cambio ihre "feste Haltung zu Freiheit, Demokratie und internationaler Sicherheit". Die "Führung und Bestimmung von Donald Trump" erkenne die Partei an.