Panama / Umwelt / Wirtschaft

Panama beschränkt Kanal-Durchfahrten wegen El Niño

Rund 100 Schiffe warten auf Durchfahrt. Behörden sehen neuen Stausee als Lösung, gegen den wird aber protestiert

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Stau vor dem Panamakanal: Rund 100 Frachtschiffe warten auf Durchfahrt
Stau vor dem Panamakanal: Rund 100 Frachtschiffe warten auf Durchfahrt

Panama City. Der Panamakanal begrenzt die Zahl der täglichen Schiffsdurchfahrten wegen des einsetzenden El-Niño-Phänomens, das zu Regenmangel führt. Die Kanalbehörde ACP gab bekannt, dass sie Wasser sparen muss, das aus den zwei Stauseen Gatún und Alhajuela stammt. Diese Seen versorgen zudem die Hälfte der Bevölkerung Panamas mit Trinkwasser.

Die Durchfahrten werden ab sofort von bisher täglich 36 auf 34 reduziert, ab 15. September dürfen dann noch 32 Schiffe durch den Kanal. Auch der zugelassene Tiefgang der Frachtschiffe wird begrenzt. Anfang September warteten bereits 99 Schiffe darauf, die wichtige Schifffahrtspassage zu passieren, die den Pazifik mit dem Atlantik verbindet und über die insbesondere Güter aus Asien an die Ostküste der USA und nach Europa geliefert werden.

Die Maßnahme erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise für die Durchfahrtsquoten bei Auktionen, dem Mechanismus für Schiffe, die ohne Transitreservierung in den Kanal einlaufen, in die Höhe geschossen sind. Ein südkoreanisches Schiff zahlte jüngst 5,3 Millionen US-Dollar, um nach 14 Tagen Wartezeit den interozeanischen Kanal durchqueren zu können. Zu Jahresbeginn lagen die durchschnittlichen Kosten für eine Durchfahrt noch bei 55.000 US-Dollar.

Die Verkehrsbeschränkung auf der Route, über die rund fünf Prozent des globalen Schiffsverkehrs zirkulieren, erinnert an die Dürrekrise von 2023, als die Kanaldurchfahrt, ebenfalls aufgrund eines El-Niño-Jahres, auf 22 Schiffe pro Tag begrenzt werden musste. Das durch den Klimawandel verstärkte Naturphänomen El Niño erhöht die extremen Auswirkungen und damit auch die sozialen und wirtschaftlichen Kosten.

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Die Behörden von Panama wollen der Krise mit dem Bau eines dritten Stausees im Fluss Rio Indio begegnen. "Der Stausee am Río Indio kann nicht warten", erklärte die designierte Leiterin der Kanalbehörde, Ilya Espino de Marotta, vor Bankern, Investoren und Vertretern der Finanzbranche auf dem XI. Internationalen Finanzgipfel, der derzeit in der panamaischen Hauptstadt stattfindet. Die Wasserversorgungssicherheit Panamas werde so gewährleistet und "der kontinuierliche und wettbewerbsfähige Betrieb des Kanals sichergestellt", so die ACP.

Für die Errichtung des Stausees im Einzugsgebiet des Río Indio ist die Umsiedlung von 38 Dörfern mit rund 2.500 Bewohnern geplant. Gemäß Bauernorganisation wären insgesamt mehr als 13.000 Menschen, die im Einzugsgebiet des Río Indio leben, direkt und indirekt von den Auswirkungen des Staudamms betroffen. Die Anwohner protestieren seit Monaten gegen diese Pläne der konservativen Regierung José Raúl Mulino (amerika21 berichtete).

Anfang August demonstrierten die Anrainer des Río Indio vor dem Obersten Gerichtshof gegen einen neuen Regierungserlass, der die Schließung und Verlegung von acht Gemeindefriedhöfen nahe des Río Indio anordnet. "Es kann nicht sein, dass man über Nacht unsere Geschichte, unser Leben und unsere Zukunft auslöscht", betonten die Demonstranten, die von Kirchen und Menschenrechtsorganisationen unterstützt werden.