San Pancho/Mexiko-Stadt. Im Bundesstaat Nayarit ist der mexikanische Umweltaktivist Erik Saracho Aguilar am Mittwochmorgen von Unbekannten angeschossen worden. Der Vorfall ereignete sich, nachdem Saracho seine Tochter zur Schule gebracht hatte. Laut Angaben von Sarachos Ehefrau, Gabriela Loreto Gay, erlitt ihr Mann bei dem direkt gegen ihn gerichteten Angriff in San Pancho keine lebensgefährlichen Verletzungen.
Kurz nach dem Attentat auf den Aktivisten protestierten spontan Anwohner im Strandort San Pancho in der Gemeinde Bahía de Banderas gegen die Gewalttat. Erik Saracho widmet sein Leben seit über 30 Jahren der Verteidigung der Territorien sowohl an der Küste als auch in den Wäldern von Nayarit. Er steht unter anderem der Organisation "Alianza Jaguar" als Direktor vor, die sich für den Schutz der Artenvielfalt einsetzt. Jüngst engagierte er sich vermehrt gegen die illegale Durchführung von touristischen Großprojekten. Auf den Transparenten bei der Protestkundgebung standen Parolen gegen diese Projekte an der Riviera von Nayarit.
Verschiedene Umweltverbände und Menschenrechtsorganisationen verurteilten den fehlenden staatlichen Schutz für den Aktivisten, der zuvor schon Drohungen erhalten hatte. Gemäß dem Menschenrechtsnetzwerk Red TDT sei die Polizei über eine Stunde nach dem Angriff am Tatort erschienen und habe ihn erst dann ins nahegelegene Krankenhaus eskortiert. Dies verdeutliche das institutionelle Versagen in der Betreuung der Gewaltopfer in der Region, "insbesondere wenn es sich um Menschenrechtsverteidiger und Journalisten handelt", betonte das Red TDT in einer Eilaktion.
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Zwei Tage vor dem Angriff beteiligte sich Saracho an einer öffentlichen Anhörung von Bürgerbeschwerden gegen ein neues Luxusprojekt. In der Versammlung anwesend waren sowohl lokale Behördenvertreter als auch Immobilienunternehmer. Die Anwohner kritisierten das mehrstöckige, im Bau befindliche Luxushotel Ysuri am Strand von San Pancho. Das Projekt, das sich nach eigenen Aussagen im Segment "Hippie Chic" ansiedelt, soll die bewilligte Größe nicht berücksichtigen, so die Aktivisten. Auch auf Planungsmängel beim Wasserverbrauch und bei der Abwasserentsorgung wiesen die Umweltaktivisten hin.
Auf die Frage, ob es Hinweise auf mögliche Täter des Anschlags auf Saracho gäbe, wollte Loreto im Interview mit Aristegui Noticias nicht antworten. Sie betonte jedoch, dass sie in ihrer Arbeit als Verteidiger des Territoriums mächtigen Leuten "auf die Füße treten" würden. Viele Immobilieninvestoren wollten illegal investieren. Sie setzten sich dafür ein, dass bei den Projekten die geltenden Gesetze eingehalten werden, sagte Loreto.
Mexiko verzeichnet immer wieder Gewalttaten gegen Umweltschützer. Mit der Zunahme der Bautätigkeit im Tourismusbereich ist es auch vermehrt zu Angriffen auf kritische Stimmen gekommen. So wurde nahe des Luxustouristenorts Huatulco in Oaxaca am 28. Februar 2025 der Gründer des Kollektivs "Umweltschützer von Barra de la Cruz", Cristino Castro Perea, erschossen (amerika21 berichtete). Verschiedene Dörfer der Pazifikküste organisieren inzwischen den Widerstand gegen die Enteignung durch Tourismusunternehmen und die Privatisierung der Strände.

