HRW meldet über 1.200 Tote durch Drohnenangriffe in Haiti

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Schauplatz eines folgenschweren Drohnenangriffs in Haiti mit zehn getöteten Unbeteiligten im September 2025
Schauplatz eines folgenschweren Drohnenangriffs in Haiti mit zehn getöteten Unbeteiligten im September 2025

Port-au-Prince. Haitianische Sicherheitskräfte und mit ihnen kooperierende private Militärunternehmen haben durch den massiven Einsatz bewaffneter Drohnen in zehn Monaten mindestens 1.243 Menschen getötet und 738 weitere schwer verletzt. Dies geht aus einem am 10. März 2026 veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hervor, der den Zeitraum von März 2025 bis Januar 2026 untersucht und sich auf Daten lokaler Organisationen sowie Zeugenaussagen stützt.

Die Angriffe konzentrieren sich auf das Departement Ouest, insbesondere auf die Hauptstadt Port-au-Prince. Hier hat die Gewalt durch bewaffnete Drohnenangriffe deutlich zugenommen. Zwischen November und dem 21. Januar wurden 57 Angriffe verzeichnet – fast eine Verdoppelung im Vergleich zum vorherigen Dreimonatszeitraum. Im Durchschnitt sterben bei einem solchen Angriff 8,8 Personen. Der bisher tödlichste einzelne Angriff forderte 57 Todesopfer.

Laut HRW wurden bei insgesamt 141 Operationen nicht nur Bandenmitglieder, sondern auch Zivilisten getötet. Von den getöteten Personen waren 43 Erwachsene, die nicht Teil einer kriminellen Bande waren, sowie 17 Kinder. Weitere 738 Personen erlitten Verletzungen, die häufig mit traumatischen Amputationen einhergingen. Auch bei den Verletzten gehörten mindestens 49 Personen keiner kriminellen Bande an. Ein besonders folgenschwerer Vorfall ereignete sich am 20. September 2025 im Viertel Simon Pelé, als eine Drohne während einer Geschenkausgabe von einer kriminellen Vereinigung für Kinder explodierte und zehn Unbeteiligte, davon neun Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren, tötete.

Die Vereinten Nationen führen die Operationen auf eine spezialisierte "Task Force" zurück, die von Premierminister Alix Didier Fils-Aimé eingerichtet wurde. Unterstützt wird diese Einheit durch das private Militärunternehmen Vectus Global. Das US-Außenministerium hat laut dem Bericht den Export von Verteidigungsdienstleistungen an dieses Unternehmen genehmigt. Vectus Global ist ein privates Sicherheitsunternehmen unter Leitung von Erik Prince, Gründer der Söldnerfirma Blackwater.

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HRW kritisiert, dass viele dieser Angriffe keine legitimen Strafverfolgungsmaßnahmen darstellten, sondern den Charakter gezielter außergerichtlicher Hinrichtungen tragen würden.

HRW warnt außerdem, dass einige der dokumentierten Angriffe möglicherweise gegen internationales Menschenrecht verstoßen. Die haitianischen Behörden werden aufgefordert, die Einsätze transparenter zu machen und mögliche zivile Opfer unabhängig zu untersuchen. "Dutzende Zivilisten, darunter viele Kinder, wurden bei diesen tödlichen Drohneneinsätzen getötet und verletzt", sagte Juanita Goebertus, Amerika-Direktorin bei HRW, dem Sender CNN: "Die haitianischen Behörden sollten die Sicherheitskräfte und die für sie tätigen privaten Dienstleister dringend zügeln, bevor noch mehr Kinder sterben."

Die Menschenrechtsorganisation hat Briefe an Premierminister Fils-Aimé, die haitianische Nationalpolizei und Vectus Global geschickt und um eine Stellungnahme gebeten. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts gab es jedoch noch keine Antwort.