Steinmeier besucht als erster Bundespräsident seit 40 Jahren Guatemala

Schwerpunkt auf Wirtschaft und Infrastruktur. Vertreter deutscher Firmen reisen mit. Handelsvolumen 2023 über 500 Millionen US-Dollar

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Wollen die bilaterale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Kooperation ausbauen: Steinmeier (links im Bild) und Arévalo
Wollen die bilaterale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Kooperation ausbauen: Steinmeier (links im Bild) und Arévalo

Guatemala-Stadt. Als zweite Station seiner Reise in Mittelamerika und Mexiko besucht der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Guatemala. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag stand die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten im Mittelpunkt. Steinmeier wird von einer "wichtigen Wirtschaftsdelegation deutscher Unternehmen" begleitet, die sich parallel mit dem privaten und öffentlichen Sektor in Guatemala treffen, erklärte Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo.

Guatemalas Staatschef hob hervor, dass seine Regierung wichtige Investitionen in der öffentlichen Infrastruktur plane, die "jahrzehntelang vernachlässigt" wurde. Dazu zählte Arévalo den Ausbau der Häfen und des Flughafens, die Schaffung eines Eisenbahnnetzes und den Bau einer S-Bahn in der Hauptstadt. Dies sei interessant für ausländische Investitionen, erklärte Arévalo.

Steinmeier hob hervor, dass es bei den Investitionen nicht nur um Großunternehmen, sondern auch um mittelständische Unternehmen gehe. Guatemala sei für Deutschland als Exportnation von Bedeutung, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme mit Zöllen aus Washington.

Der deutsche Botschafter in Guatemala, Hardy Boeckle, der den Besuch begleitete, wurde im argentinischen Onlinemedium Infobae zitiert: Die deutsche Bundesregierung habe in der Vergangenheit bereits 200 Millionen Euro in verschiedene Kooperationsprogramme investiert, die sich auf Bildung, die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt und den Umweltschutz konzentrieren. Das Handelsvolumen beider Länder überschritt 2023 erstmals die Marke von 500 Millionen US-Dollar, hieß es auf Infobae. Deutschland exportierte Waren im Wert von 500,6 Millionen US-Dollar, vor allem "Maschinen, Fahrzeuge, chemische Produkte und medizinisches Gerät". Guatemala verkaufte dagegen Waren im Wert von 136,2 Millionen US-Dollar, überwiegend Kaffee, Speiseöle und Bananen.

Beim Export von Speiseölen ist die Ölpalme Palma Africana zentral für die Produktion. Diese steht wegen Umweltschäden und hohem Wasserverbrauch in der Kritik. In Guatemala wird die Produktion immer wieder mit gewaltsamen Vertreibungen und schlechten Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht. Laut einem Artikel in Plaza Publica ist Deutschland innerhalb der EU einer der zentralen Abnehmer für guatemaltekisches Palmöl. Trotz des Lieferkettengesetzes von 2023 habe sich das umstrittene Palmöl aus Guatemala noch in "mindestens 32 Produkten in deutschen Supermärkten" befunden.

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Zu Beginn der Pressekonferenz würdigten beide Staatschefs die gemeinsame Geschichte beider Länder, die vor 200 Jahren mit der Einwanderung der ersten Deutschen begann. Arévalo bedankte sich "für den Beitrag zur Entwicklung Guatemalas vor allem im Kaffeesektor". Tatsächlich spielten deutsche Auswanderer eine zentrale Rolle im Kaffeeanbau und -export. Allerdings wird ihnen von sozialen und indigenen Organisationen die Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung, Landraub und politische Kooperationen mit den Diktatoren der Vergangenheit vorgeworfen.

Der deutsche Bundespräsident betonte auch die "gemeinsamen Werte von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit", die beide Staaten verbänden, auch wenn sie "räumlich weit auseinanderliegen".

In der Presse wurde darauf hingewiesen, dass der letzte Besuch eines deutschen Bundespräsidenten über vierzig Jahre zurücklag. 1985 besuchte Richard von Weizsäcker das Land "in einer Phase der demokratischen Stabilisierung". 1985 hatten nach Jahrzehnten der Militärdiktaturen die ersten demokratischen Wahlen stattgefunden.

Auf dem weiteren Programm von Steinmeier stehen nach Presseinformationen unter anderem Treffen mit indigenen Autoritäten, Studenten sowie der Besuch im Naturschutzgebiet Selva Maya im Norden des Landes. Am Donnerstag reist Steinmeier weiter nach Mexiko, wo er sich unter anderem mit Präsidentin Claudia Sheinbaum treffen wird.