Kämpfe um Neuwahl von Rektor der Universität in Guatemala

Oppositionelle Wahlkörper ausgeschlossen, OAS spricht von Vorwänden. Stundenlange Auseinandersetzungen vor Campus in der Hauptstadt. Große Proteste zur Wahl heute in Antigua erwartet

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Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen um den zentralen Campus der San-Carlos-Universität gelang es oppositionellen Studenten, sich Zugang zum Gelände zu verschaffen
Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen um den zentralen Campus der San-Carlos-Universität gelang es oppositionellen Studenten, sich Zugang zum Gelände zu verschaffen

Antigua/Guatemala-Stadt. Studierendenorganisationen befürchten bei den heutigen Wahlen zum Rektor der staatlichen San-Carlos-Universität in Guatemala einen erneuten Betrug. Der aktuelle Rektor Walter Mazariegos war bei den Wahlen 2022 nur deshalb gewählt worden, weil Vertreter von Fachschaften, bei denen oppositionelle Kandidaten gewonnen hätten, ausgeschlossen worden waren. Oppositionelle Kandidaten hatten daraufhin ihre Kandidatur zurückgezogen und Mazariegos wurde unter massivem Polizeischutz ohne Gegenkandidaten zum Rektor gewählt.

Ähnliches wird bei den Wahlen am heutigen Mittwoch erwartet. Sie finden im Hotel Casa Santo Domingo in der Stadt Antigua nahe der Hauptstadt statt. In einer Erklärung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) vom Dienstag hieß es, 21 Wahlkörper, in denen die Opposition gewonnen hatte, wurden ausgeschlossen, "und zwar mit Begründungen, die verschiedene Kreise als bloße Vorwände bezeichnen".

Um den zentralen Campus in Guatemala-Stadt war die Lage seit Montag sehr angespannt. Anhänger von Mazariegos hatten die Universität besetzt, Tore zum Campus verschlossen und verweigerten oppositionellen Studenten den Zutritt. Der Unterricht wurde in den Tagen vor der Wahl, wohl auch um Proteste zu erschweren, auf Onlineunterricht umgestellt. Spekuliert wurde in sozialen Netzwerken, ob es sich bei den Besetzern wirklich um Studierende aus dem Umfeld von Mazariegos handelt oder um von Mazariegos bezahlte Schläger aus dem kriminellen Umfeld. Auf Videos ist zu sehen, wie vermummte Personen mit Knüppeln und Holzlatten bewaffnet hinter den verschlossenen Eingängen stehen.

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Oppositionelle Studenten vor der Universität wurden von Anhänger von Mazariegos mit Tränengas angegriffen
Oppositionelle Studenten vor der Universität wurden von Anhänger von Mazariegos mit Tränengas angegriffen

Nach einer mehrstündigen Auseinandersetzung, in der oppositionelle Studenten vor den Toren mit Tränengas beschossen wurden, gelang es Studierenden gegen 17 Uhr Ortszeit, sich Zugang zum Gelände zu verschaffen. Auf einem Video erklärten ebenfalls vermummte Personen, die sich als "Studenten der San-Carlos-Universität" vorstellten, dass die Zugänge wieder offen seien und Anhänger von Mazariegos "verschwunden". Nach Informationen von Prensa Comunitaria war der zentrale Wahlrat, der von Mazariegos kontrolliert wird, für die Schließung der Universität verantwortlich. Das gleiche Gremium steht auch hinter den Ausschlüssen von oppositionellen Wahlkörpern.

Die Wahl ist gesellschaftlich über die Universität hinaus bedeutsam. Die San-Carlos-Universität ernennt einen der fünf Verfassungsrichter und steht der Kommission vor, die die Vorschläge für die Generalstaatsanwaltschaft unterbreitet. Auch hat der Direktor der Universität Stimmrecht in verschiedenen staatlichen Gremien zu Haushaltsfragen. Aktuell werden in Guatemala die zentralen Posten im Justizwesen, das bisher als korrupt gelten, neu besetzt. Auch werfen Kritiker Mazariegos vor, die staatliche Universität schrittweise privatisieren zu wollen, während seine Gegenkandidaten den öffentlichen und autonomen Charakter der ältesten staatlichen Hochschule Mittelamerikas erhalten wollen.

Für den heutigen Mittwoch rufen neben studentischen Organisationen auch landesweit indigene Bürgermeister zu Protesten in Antigua auf. Bereits am Dienstagabend hatten sich zahlreiche Demonstrant:innen eingefunden.

Amerika21 wird im Laufe des Tages direkt aus Antigua berichten.