Chiapas. Bei bewaffneten Auseinandersetzungen im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas sind mindestens vier Personen getötet und acht Personen verletzt worden. Eine bewaffnete Gruppe griff Bewohner der Landkreise Nicolás Ruíz und Venustiano Carranza an. Einwohner von Nicolás Ruíz, die in der Allianz für die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gebiete organisiert sind, machen für die Übergriffe am Freitag paramilitärische Gruppen und das organisierte Verbrechen verantwortlich.
Laut einer Presseerklärung der Allianz fuhren am Nachmittag des 24. April fünf Geländewagen mit bewaffneten Männern aus verschiedenen Richtungen in die Gemeinde und attackierten die Bevölkerung, worauf sich die Bewohner verteidigten. Auf ihrem Weg durch das Dorf erschossen sie José Alfredo Jiménez Paredes und Luis Angel Gómez Ramírez; zwei weitere Bewohner der Gemeinde, Romeo López Pérez und Raquel López Díaz, wurden verletzt und Ángel Jiménez López wird seitdem vermisst.
Nach den Vorfällen in Nicolás Ruíz fuhr die bewaffnete Gruppe weiter in den benachbarten Landkreis Venustiano Carranza, wo es zu erneuten Konfrontationen mit Anwohnern kam, die die Zugänge der Gemeinde blockierten und die Angreifer zurückschlagen konnten. Nach dem Angriff setzten Anwohner zwei Fahrzeuge in Brand, die von den Angreifern zurückgelassen wurden. In einem dieser Fahrzeuge fand die Staatsanwaltschaft später die verkohlten Überreste zweier Personen, deren Identifizierung noch forensisch durchgeführt wird.
Der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft (FGE), Jorge Luis Llaven Abarca, erklärte am 27. April, dass bei den Vorfällen nach aktuellem Kenntnisstand acht Personen verletzt wurden, zwei Personen gelten noch als vermisst. Laut dem aktuellen Ermittlungsstand sind vier Menschen ums Leben gekommen. Die Ermittlungen dauern jedoch an, da es weitere Todesopfer geben könnte. Konkret hat der Staatsanwalt zwei Personen, die in Nicolás Ruíz ums Leben kamen, nicht zu den Opfern gezählt, da deren Tod noch nicht offiziell bestätigt wurde. Auch inoffizielle Berichte aus der Bevölkerung lassen auf eine höhere Zahl schließen und schätzen die Zahl der Todesopfer auf bis zu zehn.
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2023 eskalierte der Krieg zwischen verschiedenen Gruppen des organisierten Verbrechens in Chiapas. Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in der strategisch wichtigen Region haben sich neben der Grenzregion zu Guatemala auch auf Regionen im Zentrum des Bundesstaates ausgeweitet. Anfang 2025 organisierten sich die Einwohner der circa 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde Nicolás Ruíz und mehrere umliegende Dörfer, um ihr Gebiet zu schützen. Sie bildeten Bürgerwehren und Patrouillen, um zu verhindern, dass die organisierte Kriminalität in ihre Gebiete eindringt, da die staatlichen und föderalen Behörden die Aktionen des organisierten Verbrechens in Chiapas nur teilweise unterbunden haben.
Die Diözese von San Cristóbal de las Casas forderte nach den Vorfällen die Umsetzung einer realen Strategie des Friedens, um die Sicherheit, Gerechtigkeit und Integrität aller Bewohner von Chiapas zu garantieren. "Trotz der offiziellen Erklärung, dass kriminelle Gruppen in Chiapas nicht toleriert würden, stellen wir fest, dass kriminelle Gruppen weiterhin ungehindert operieren und Gebiete in unserem Bundesstaat kontrollieren, was zu Bedrohungen, Verfolgung, Verschwindenlassen und Tod führt."
Auf ihrem jährlichen Treffen zeigten sich auch die Abteilungen und Instanzen der sozialen Seelsorge der Diözese San Cristóbal besorgt über die Situation im Bundesstaat. "Wir verurteilen die anhaltende Gewalt und Unsicherheit in unseren Gebieten und Städten in Chiapas, wie sie sich jüngst unter anderem in den Gemeinden Nicolás Ruíz, Venustiano Carranza, La Trinitaria und Benemérito de las Américas ereignet hat und welche die Bildung von Schlägerbanden (Grupos de choque) und paramilitärischen Gruppen sichtbar macht. Diese Realität widerspricht dem offiziellen Befriedungsdiskurs und wirft Zweifel an den angeblichen Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung auf, ungeachtet des Regierungs- und Parteiwechsels. Vielmehr scheint es sich um eine Farce zu handeln."

