Guatemala / Politik

Toter nach Eskalation im Konflikt um Bürgermeister in Guatemala

Gewalt nach monatelangen friedlichen Protesten. Streit zwischen offiziellem Bürgermeister und indigenen Autoritäten

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Indigene Autoritäten fordern den Rücktritt des Bürgermeisters und warnen vor einer weiteren Eskalation
Indigene Autoritäten fordern den Rücktritt des Bürgermeisters und warnen vor einer weiteren Eskalation

Santiago Atitlán. Der Protest gegen den Bürgermeister Francisco Coché im Landkreis Santiago Atitlán ist in der vergangenen Woche eskaliert. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden nach Presseberichten drei Einwohner durch Schüsse verletzt, der 44-jährige Pedro Ixtabalan Reanda erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Nach Medienberichten wurden auch vier Polizisten verletzt. Der Bürgermeister Coché wurde ebenfalls angegriffen und verletzt. Coché wurde per Boot in die Stadt Panajachel transportiert und befindet sich nach Medienberichten weiter in stationärer Behandlung. Santiago Atitlán liegt am touristisch beliebten Atitlánsee im Departamento Sololá, an dem für die entlegeneren Landkreise Boote das schnellste Fortbewegungsmittel sind.

Der Vorfall ereignete sich nach einem Treffen zwischen Vertretern der Verwaltung des Landkreises und Gemeindeaktivisten im Ökomuseum Chuk Muk am vergangenen Mittwoch. Nach dem Treffen bewarfen Personen das Gebäude mit Steinen und Knüppeln und setzten Teile des Mobiliars in Brand. Nach Medienberichten wurde auch ein Polizeifahrzeug angezündet und einem Polizisten die Dienstwaffe entwendet.

Hintergrund der Vorfälle sind Korruptionsvorwürfe gegen Coché. Zentral geht es dabei um insgesamt 279 neue Konzessionen für Motortaxis Tuc-Tuc, die der Bürgermeister in einem nicht öffentlichen Verfahren ausgestellt hatte. Anwohner befürchten durch die neuen Mototaxis eine zusätzliche Umweltbelastung und erhöhte Unfallgefahr in den engen Straßen. Ferner wird kritisiert, dass der Bürgermeister die indigenen Bürgermeister des Landkreises vor der Entscheidung nicht konsultiert hatte. In Sololá wie in den anderen Landesteilen mit hohem Anteil Indigener amtieren indigene Bürgermeister parallel zu den Bürgermeistern der politischen Parteien. Sie werden nach traditionellen Regeln gewählt und kümmern sich häufig mehr um die Angelegenheiten der Bevölkerung als die offiziellen Bürgermeister (amerika21 berichtete).

Im Raum stehen noch weitere Korruptionsvorwürfe. So soll der Bürgermeister den Neubau von Schulen und 17 Kilometer neue Landstraße in Aussicht gestellt, diese Projekte aber nicht realisiert und Gelder unterschlagen haben, erzählt ein Einwohner, der anonym bleiben will, gegenüber amerika21.

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Am 15. September 2025 forderte daher eine Einwohnerversammlung den Rücktritt des Bürgermeisters und blockierte ab dem folgenden Tag die Zugänge zum Rathaus. Im Oktober reichte eine Delegation von Autoritäten der Volksgruppe der Maya-Tz'utujil einen förmlichen Antrag auf Amtsenthebung vor dem Obersten Wahlgericht. Diesem wurde stattgegeben und der Bürgermeisterposten vom Wahlgericht als "vakant" bezeichnet. Am 12. Februar annullierte allerdings der Oberste Gerichtshof die Entscheidung des Wahlgerichtes und ordnete den Verbleib von Coché im Bürgermeisteramt an.

Indigene Autoritäten bemängelten auf einer Pressekonferenz am Montag, dass Gespräche, die auch mit Regierungskreisen und der Departamentsregierung geführt wurden, bisher zu keinem Ergebnis geführt hätten. Das Fehlen einer Lösung sei die Ursache für die Eskalation gewesen.

Bereits am Freitag hatten die indigenen Autoritäten die Ermordung der 30-jährigen Dolores Chiviliu Ramírez angezeigt. Sie wurde in ihrem Haus von Unbekannten erschossen. Ramírez ist die Ehefrau eines Aktivisten des örtlichen Wasserkomitees, erklärten die indigenen Bürgermeister und warnten vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. Bisher ist aber nicht abschließend geklärt, ob der Vorfall mit dem Konflikt um den Bürgermeister im direkten Zusammenhang steht.