Mexiko-Stadt. Der ehemalige Generaldirektor von Petróleos Mexicanos (Pemex) ist in Mexiko-Stadt wegen häuslicher Gewalt festgenommen worden. Die Verhaftung von Víctor Rodríguez Padilla erfolgte nach einer Anzeige seiner Ehefrau María Felicia Jiménez Lavie. In einem von ihr Anfang Juli veröffentlichten Überwachungsvideo ist zu sehen, wie Rodríguez sie in Anwesenheit der Kinder wiederholt schlägt.
Der beschuldigte Rodríguez Padilla ist Studienkollege der Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo und Energietechnik-Professor an der Universität UNAM. Er stand von Oktober 2024 bis Mai 2026 dem staatseigenen Erdölunternehmen vor.
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Proceso schilderte Felicia Jiménez die von Gewalt geprägte Beziehung zu Rodríguez. Die aus Kuba stammende Doktorin der Kernphysik und ehemalige Studentin von Rodríguez Padilla berichtete, dass die drastischste Veränderung im Oktober 2024 stattfand, als ihr Ehemann zum Generaldirektor von Pemex ernannt wurde. Seitdem habe sich sein Charakter völlig zum Schlechten gewandelt. "Er hat sich sehr verändert. Im Umgang mit den Mitmenschen ist er zu einem Despoten geworden", erklärte Jiménez.
Sie nennt als Anlass für die Trennung eine Prügelattacke Mitte März 2026. Diesen Vorfall machte sie Ende Juni über soziale Netzwerke öffentlich. Sie versicherte, sie habe vor der Veröffentlichung versucht, die mexikanischen Behörden auf die Gewaltsituation aufmerksam zu machen. Sie habe jedoch keine Antwort erhalten. Auf eine formale Anzeige verzichtete Jiménez zuerst aus Angst davor, dass ihr ehemaliger Partner seine Drohungen bezüglich des Sorgerechts der Kinder und ihrer Aufenthaltsbewilligung in Mexiko wahrmachen könnte. Jiménez fügte dem Video einen Text bei, in dem sie die Präsidentin um Hilfe bat, da sie befürchtete, dass ihr und ihren Kindern etwas zustoßen könnte.
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Kurz nach Bekanntgabe des Videos forderte Sheinbaum, das Gesetz mit aller Härte anzuwenden. Es dürfe "keinerlei Straffreiheit bei Gewalt gegen Frauen geben", die Gesetze gälten "für alle gleichermaßen", erklärte die Präsidentin auf einer Pressekonferenz. Das Frauenministerium verurteilte die Tat umgehend, bot María Felicia Jiménez Lavie rechtliche und psychologische Unterstützung an und gewährte ihr Schutzmaßnahmen.
Rodríguez muss bei einer Verurteilung laut Strafgesetzverordnung des Bundesstaates Morelos, in dem die mutmaßlichen Delikte begangen wurden, mit einer Freiheitsstrafe von drei bis sieben Jahren wegen Gewalt gegen seine Partnerin rechnen. Weitere zwei bis sechs Jahre Freiheitsstrafe könnten für das Delikt der stellvertretenden Gewalt angeordnet werden, eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt, bei der der Täter die Kinder der Frau als Mittel einsetzt, um sie zu kontrollieren.
Bei einer ersten Anhörung im Fall erklärte der Anwalt von Rodríguez, Víctor Manuel Solís, die sozialen Netzwerke und einige Medien würden seinen Mandanten "ohne vorheriges Gerichtsverfahren verurteilen". Zudem argumentierte er, dass die ihm vorgeworfenen Straftaten nicht als schwerwiegend einzustufen seien und daher keine Untersuchungshaft rechtfertigten.
Der 64-jährige Rodríguez Padilla trat am 14. Mai 2026 von seinem Amt als Generaldirektor von Pemex zurück, inmitten eines starken finanziellen Drucks, dem das staatliche Unternehmen ausgesetzt ist. Während seiner Amtszeit gelang es dem stark verschuldeten Ölkonzern nicht, das Ziel einer Fördermenge von 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag zu erreichen. Hinzu kam eine von Pemex lange verneinte Ölkatastrophe im Golf von Mexiko (amerika21 berichtete) sowie weitere durch das staatliche Unternehmen verursachte Umweltschäden.

