Caracas. Die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez hat sich mit einer Delegation der israelischen Streitkräfte getroffen, um Pläne für die Trümmerbeseitigung und den Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Venezuela zu erörtern. Elad Edri, Stabschef des Heimatfrontkommandos der israelischen Streitkräfte, stellte dabei das Projekt "Zum Wiederaufbau der Zukunft" vor.
Laut Venezuela Analysis haben uniformierte israelische Soldaten mehrere betroffene Gebiete in Caracas und La Guaira besichtigt und Inspektionen der beschädigten Infrastruktur durchgeführt. Der venezolanische Außenminister Yván Gil empfing die israelische Delegation und dankte ihr im Namen der amtierenden Regierung unter Delcy Rodríguez. Gil erklärte, dies sei Teil der "internationalen technischen Zusammenarbeit und Unterstützung für das venezolanische Volk". Die Mission der Militärdelegation wurde auf Ersuchen von Delcy Rodríguez und des israelischen Außenministers Gideon Saar um zwei Wochen verlängert, so das israelische Außenministerium.
Verschiedene gesellschaftliche Akteure in Venezuela haben Kritik an der Zusammenarbeit der Regierung mit den israelischen Streitkräften geäußert. In einer Stellungnahme warnt die Internationale Plattform zur Solidarität mit der palästinensischen Sache, "dass die Anwesenheit der Zionisten auf venezolanischem Boden – der Vertreter des kolonialen Regimes Israels – eine Bedrohung für den Frieden des Landes darstellt". Die Plattform bezeichnet die Mitglieder der Militärdelegation als Personen, "die sich als Friedensstifter ausgeben (...), um zu rauben, zu töten und zu zerstören, so wie sie es mit der Bevölkerung von Gaza in Palästina tun".
Die Journalistin und Sprecherin der Plattform aus mehr als 40 Organisationen, Hindu Anderi, kritisierte die "Doppelmoral" der israelischen Regierung. Israel sei ein Staat, dessen Führung einen Völkermord an den Palästinensern begehe und nun angeblich Helfer nach Venezuela entsende, um Erdbebenopfer zu retten.
Der venezolanische Politikwissenschaftler Carlos Eduardo Pina sieht in der Annäherung zwischen Venezuela und Israel eine "kalkulierte Strategie, ihre Macht zu festigen" und "Washington zu versichern, dass sich Caracas von Akteuren distanziert, die Washington als Feinde betrachtet". Pina zufolge will die venezolanische Regierung damit ihre wichtigste innenpolitische Gegnerin María Corina Machado schwächen. Machado habe im Laufe der Jahre ein enges Bündnis mit Israel, insbesondere mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, aufgebaut.
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Die Mission unter Leitung des israelischen Diplomaten Yoed Magen weist zudem enge Verbindungen zu israelischen Rüstungskonzernen auf. Nach Angaben der Jerusalem Post entsandte die israelische Rüstungsfirma XTEND nach dem Erdbeben "umgehend ein Team in das südamerikanische Land". XTEND verantwortet den Einsatz von Drohnen des Typs "Honey Badger", die zur Überwachung und Erdbeobachtung dienen. Diese Drohnen werden nach Angaben von XTEND unter anderem in Kombination mit Angriffsdrohnen im Gazastreifen eingesetzt, wie CEO Aviv Shapira in einem Interview mit Forbes berichtete.
Einem Bericht der Informationsstelle Militarisierung zufolge hat das Unternehmen nach dem 7. Oktober seine Aktivitäten vollständig auf die Unterstützung der israelischen Streitkräfte ausgerichtet.
Die Friedensorganisation American Friends Service Committee führt XTEND zudem als Unternehmen auf, das Israel mit Waffen und anderer militärischer Ausrüstung beliefert habe, die seit Oktober 2023 bei Angriffen auf den Gazastreifen, das Westjordanland, den Libanon und Syrien zum Einsatz gekommen sei.
Die offiziellen Treffen zwischen der venezolanischen Regierung und einer Delegation der israelischen Streitkräfte sind die ersten seit 2009. Der damalige Präsident Hugo Chávez brach die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab und vertiefte stattdessen die Zusammenarbeit mit der Islamischen Republik Iran und Syrien. Während der Amtszeiten von Chávez und Nicolás Maduro bezeichneten die venezolanischen Regierungen Israel wiederholt als "genozidalen Staat" und "Feind des Friedens" und verurteilten nahezu jede israelische Militäraktion in der Region.
Kritiker sehen in dem Einsatz auch eine Möglichkeit für Israel, die internationale Wahrnehmung des Landes zu beeinflussen. Ein Indiz dafür ist eine Aussage des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Gegen ihn hat der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen. Die israelische Militärdelegation zeige "dem venezolanischen Volk und auch der venezolanischen Regierung das wahre Gesicht des Staates Israel", so Netanyahu laut Jerusalem Post.

