Rom. In Lateinamerika ist der Hunger im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Rund 32 Millionen Menschen seien 2025 betroffen gewesen, heißt es im Welternährungsbericht der Vereinten Nationen, der am vergangenen Dienstag in Rom vorgestellt wurde. Das entspreche 4,8 Prozent der Bevölkerung und liege damit unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
Weltweit habe der Hunger nach dem starken Anstieg während der Corona-Pandemie seit 2022 kontinuierlich abgenommen. 2025 seien schätzungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung betroffen gewesen, nach 8,6 Prozent im Jahr 2022. 2025 seien damit etwa 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen gewesen. In Afrika bleibe die Lage mit 20 Prozent weiterhin die angespannteste, rund 309 Millionen Menschen litten laut den Vereinten Nationen im vergangenen Jahr an Hunger. In Asien waren es demnach etwa 292 Millionen Betroffene.
Die Entwicklung in Lateinamerika und in der Karibik falle regional sehr unterschiedlich aus, heißt es im Bericht weiter. Während Südamerika mit 3,5 Prozent den niedrigsten Wert und die größten Fortschritte verzeichne, stagniere die Lage in der Karibik. Dort sei 2025 mit 16,6 Prozent weiterhin der mit Abstand höchste Anteil hungernder Menschen in der Region gemessen worden, nachdem sich die Werte zuvor bereits verbessert hätten. In Zentralamerika liege der Hungeranteil bei 5,1 Prozent.
Als hungernd gilt laut Definition der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, wer über einen längeren Zeitraum nicht genügend Nahrung zu sich nimmt, um die für ein "normales, aktives, gesundes Leben" nötige Energiemenge zu decken. Hunger wird in der Erhebung mit chronischer Unterernährung definiert. Davon zu unterscheiden sei Mangelernährung im weiteren Sinne, die auch durch einseitige Kost oder wiederholte Krankheiten entstehen könne und der auch das sogenannte Stunting, die Wachstumsverzögerung bei Kindern, zugerechnet werde. Beide Werte können deshalb auseinanderliegen.
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Bei der Ernährungsunsicherheit insgesamt zeigten sich ebenfalls Fortschritte. Der Anteil der Menschen, die von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen seien, sei in Lateinamerika und der Karibik das fünfte Jahr in Folge gesunken. Von 23,8 Prozent 2024 auf 22,9 Prozent 2025 und damit deutlich unter dem Höchststand von rund einem Drittel während der Corona-Pandemie. In der Karibik falle die Bilanz jedoch weit schlechter aus: Dort seien mehr als die Hälfte der Menschen (52 Prozent) von mäßiger oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen, knapp ein Viertel (24,5 Prozent) sogar von schwerer. Die sei eine Situation, die sich seit Jahren kaum verändert habe.
Zugleich sei eine gesunde Ernährung in der Region so teuer wie in keiner anderen: Mit 4,91 internationalen US-Dollar pro Tag lägen die Kosten 2025 über den Werten Afrikas, Asiens sowie Nordamerikas und Europas. Dennoch könnten sich der Studie zufolge inzwischen weniger Menschen keine gesunde Ernährung leisten als noch 2021 – der Anteil sei von rund einem Drittel auf 25,7 Prozent gesunken.
Bei den globalen Ernährungszielen für Mütter und Kinder fällt die Bilanz dem Bericht zufolge für Lateinamerika und die Karibik gemischt aus. Die Weltgesundheitsversammlung hatte 2012 einen Aktionsplan mit sechs Zielen beschlossen, den sie im Mai 2025 bis 2030 verlängerte – weltweit komme der Fortschritt aber zu langsam voran, in einigen Bereichen verschlechtere sich die Lage sogar. Die Region sei auf gutem Weg beim Kampf gegen akute Mangelernährung und beim Stillen, kaum Fortschritte gäbe es dagegen bei Übergewicht und Blutarmut bei Frauen. Deutlich gestiegen sei zudem die Adipositasrate bei Erwachsenen, obwohl der Anstieg eigentlich bis 2025 gestoppt werden sollte.
Der Welternährungsbericht "The State of Food Security and Nutrition in the World" (der Stand der Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt) wird seit 1999 jährlich von FAO gemeinsam mit weiteren UN-Organisationen wie dem Welternährungsprogramm WFP, der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Kinderhilfswerk Unicef und dem Agrarentwicklungsfonds IFAD veröffentlicht. Er gilt als zentrale Datenquelle zur weltweiten Entwicklung von Hunger und Ernährungssicherheit.

