Mexiko-Stadt. Seit Juni sind in Mexiko vier Medienschaffende ermordet worden. Damit steigt die Zahl der getöteten Pressemitarbeiter im laufenden Jahr auf sieben. Bisher kam es nur in zwei Fällen zu Verhaftungen mutmaßlicher Täter. Opfer sind vor allem unabhängige Reporter, die sich mit lokalen Korruptionsfällen beschäftigen und in digitalen Netzwerken wie Facebook oder Youtube veröffentlichen.
Der jüngste Mord ereignete sich am Mittwoch dieser Woche, als bisher Unbekannte den Journalisten Francisco Alejandro Leyva Aguilar in der Stadt Oaxaca de Juárez erschossen. Alejandro Leyva war von 2016 bis 2020 während der Amtszeit des PRI-Gouverneurs Alejandro Murat Direktor des öffentlich-rechtlichen Senders CORTV des Bundesstaates Oaxaca. Zuletzt veröffentlichte er die politische Online-Kolumne "Das Summen der Fliege", die von mehreren Medien in Oaxaca verbreitet wurde. Außerdem betrieb er eine Facebook-Seite mit Analysen zu aktuellen politischen Ereignissen. Leyva war eine der kritischen Stimmen gegen den Gouverneur Salomón Jara, Mitglied der auch auf Bundesebene regierenden Partei Morena. Vor einem Jahr stellte der Journalist eine Anzeige aufgrund von Todesdrohungen und einer Hetzkampagne gegen ihn. Leyva machte die Landesregierung und den Gouverneur für diese Kampagne und jeglichen Schaden, der ihm entstehen könne, verantwortlich. Laut Reporter ohne Grenzen leitete die Bundesstaatsanwaltschaft damals Ermittlungen wegen der Drohungen ein, ergriff jedoch keine Schutzmaßnahmen und übergab den Fall an die Staatsanwaltschaft von Oaxaca. Diese bestätigte erst vier Monate später den Eingang der Akten.
Nur wenige Tage vor der Ermordung Leyvas wurde am 16. Juli Josué Martínez Contreras im Bundesstaat Puebla in der Nähe seines Hauses erschossen. Der Journalist leitete Noticias San Martín Texmelucan, eine lokale Nachrichtenseite auf Facebook mit über 155.000 Followern. Seine Berichterstattung umfasste lokale Themen wie Sicherheit, öffentliche Dienstleistungen und Kritik an der Stadtverwaltung. Martínez hinterfragte wiederholt den Umgang mit öffentlichen Geldern durch lokale Institutionen. Acht Monate vor seiner Ermordung berichtete der Journalist in einem Video, er habe Drohanrufe von einer lokalen Behörde erhalten. Er brachte diese Drohungen mit seiner Berichterstattung über Korruptionsfälle in Verbindung.
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Bereits Anfang Juli bestätigten mexikanische Behörden den Fund der Leiche der Journalistin Roxana Guzmán und den Tod des Journalisten Manuel Alejandro Moreno Serna. Guzmán wurde einen Monat zuvor im Bundesstaat Veracruz entführt (amerika21 berichtete). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Veracruz wurden acht Personen festgenommen, die mutmaßlich an dem Verbrechen beteiligt waren. Vier von ihnen arbeiteten als Gemeindepolizisten und sollen laut den Ermittlungen bei der Entführung und Ermordung mit Ressourcen, Lebensmitteln und logistischer Unterstützung geholfen haben. Guzmán nutzte die Facebookseite Pulso Informativo del Sureste für ihre Berichterstattung über lokale Themen wie öffentliche Sicherheit, Kommunalpolitik, öffentliche Dienstleistungen und soziale Probleme im südlichen Teil des Bundesstaates Veracruz. Auch Moreno nutzte digitale Medien wie Facebook und Youtube, um über Probleme im Zusammenhang mit Wassermanagement, Umweltschäden und Korruptionsfällen in Unternehmen und lokalen Behörden im Bundesstaat Guerrero zu berichten. Der 39-Jährige wurde seit dem 20. Juni vermisst. Nach Angaben von Forensikern wurde seine Leiche in einem Plastikfass gefunden und wies Anzeichen von Folter auf. Im März dieses Jahres gab Moreno öffentlich bekannt, dass er über seinen Facebook-Account bedroht worden war.
Mexiko zählt weiterhin zu den gefährlichsten Orten der Welt für Journalisten. Die Straflosigkeit bei Morden an Medienschaffenden in Mexiko liegt laut Menschenrechtsorganisationen seit Jahren konstant bei über 90 Prozent. Reporter ohne Grenzen kritisiert die mexikanischen Autoritäten und fehlende Schutzmaßnahmen scharf: "Die mexikanische Regierung muss für die Versäumnisse bei Prävention und Schutz, welche die Wiederholung dieser Verbrechen ermöglicht haben, zur Rechenschaft gezogen werden und muss konkrete Maßnahmen vorlegen, um zu verhindern, dass diese Morde weiterhin geschehen."

