Washington/Doral. Das für Militäroperationen in Lateinamerika und der Karibik zuständige US-Südkommando (Southcom) hat eine neue, permanente Struktur mit 18 Partnerländern zur Koordinierung von Operationen gegen Drogenkartelle und andere transnationale kriminelle Organisationen in der Region gegründet.
Die am 3. August eingesetzte Gemeinsame Einsatzgruppe – Westliche Hemisphäre (Joint Task Force-Western Hemisphere, JTF-WHEM) ersetzt die bisherige Operation Südlicher Speer (Operation Southern Spear). Anders als die vorherige Kooperation ist die JTF-WHEM als dauerhaftes Projekt angelegt, das Aufklärung, Überwachung, Einsatzplanung und multinationale militärische Koordination unter einem Kommando bündelt, hieß es.
Die neue Initiative zielt darauf ab, "mit vertrauenswürdigen Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten, militärische Fähigkeiten aufeinander abzustimmen und anhaltenden Druck auf die Netzwerke auszuüben, die unsere gemeinsame Sicherheit bedrohen", sagte Kommandeur General Francis L. Donovan. In einem Video auf der Plattform X betonte er: "Wir werden diese Bedrohungen, die die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten hier in der Region betreffen, aufspüren, angreifen und vernichten." Die Führung der gemeinsamen Truppe soll Generalmajor Kevin Jarrard vom US-Marinekorps übernehmen. Jarrard hatte zuvor die US-Militärhilfe nach den Erdbeben in Venezuela im Juni geleitet.
Das Kommando von JTF-WHEM mit Sitz in Doral, Florida, arbeitet im Rahmen der bereits Anfang des Jahres gegründeten "Amerikanischen Koalition gegen Kartelle" (A3C) zusammen, die von Trump auch als "Shield of the Americas" (Schild der Amerikas) bezeichnet wird. Der Koalition gehören 18 Staaten an, darunter Argentinien, Bolivien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guyana, Honduras, Panama, Paraguay sowie Trinidad und Tobago.
Die neue Struktur soll die Koordination mit verbündeten Regierungen verbessern, Entscheidungswege verkürzen und das Tempo multinationaler Operationen gegen grenzüberschreitend agierende kriminelle Organisationen erhöhen. Neben maritimen Abfangoperationen und gemeinsamer Ausbildung ist auch die Koordination humanitärer Hilfe vorgesehen.
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Die Militärinitiative unter Führung der USA wird von Trump als "Donroe-Doktrin" – in Anspielung auf die Monroe-Doktrin des 19. Jahrhunderts – beworben. Beteiligt sind vor allem rechte und rechtsextreme Regierungen der Region. Andere regionale Mächte wie Brasilien oder Mexiko sind nicht Teil des Schildes.
Die abgelöste Operation Southern Spear hatte seit September 2025 gezielte, ohne Gerichtsverfahren durchgeführte Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote autorisiert. Angaben der Nichtregierungsorganisation WOLA (Washington Office on Latin America) zufolge starben bei 63 Angriffen bislang 221 Menschen (Stand Juli 2026). Die Angriffe auf die Boote stünden symbolisch für eine aggressive, militarisierte Neuausrichtung der Beziehungen der USA zu Lateinamerika und seien mehr als nur eine fehlgeschlagene Strategie zur Drogenbekämpfung, teilte WOLA mit.
Kritik an den Operationen gab es ebenfalls bereits im Oktober 2025 von Volker Türk, dem Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Er bezeichnete die Angriffe als "inakzeptabel" und forderte Untersuchungen. Der demokratische Senator Tim Kaine erklärte, die Angriffe hätten wahrscheinlich auch am Drogenhandel unbeteiligte Menschen getroffen, weshalb er auf ein Ende der Operation pochte.
Eine Analyse der Drogenbehörde DEA ergab zudem, dass Luftangriffe auf Wasserfahrzeuge in der Karibik weder den Preis noch die Verfügbarkeit von Drogen in den USA beeinflusst hätten. Entgegen Trumps wiederholter Behauptung eines 98-prozentigen Erfolgs durch die Operationen hätten die Kartelle lediglich ihre Routen verlagert. Selbst Kommandeur Donovan hatte im Senat eingeräumt, die Angriffe seien "wahrscheinlich nicht das wirksamste Mittel".

