Bogotá. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat erklärt, dass die neue kolumbianische Regierung gemeinsame Militäroperationen im Land genehmigt habe, um das zu bekämpfen, was Washington und Bogotá als "Narkoterrorismus" bezeichnen.
Die Entscheidung stellt eine der Veränderungen in der kolumbianischen Außen- und Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre dar. Nach der Regierung von Gustavo Petro, deren Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump und dessen Außenpolitik von Konflikten und politischen Differenzen geprägt war, hat der neue Präsident Abelardo de la Espriella eine rasche Wiederannäherung an die militärische Allianz mit den USA eingeleitet.
Bislang werfen die Erklärungen jedoch wichtige Fragen auf. Die konkreten Rahmenbedingungen der Operationen sind öffentlich nicht bekannt. Unklar ist, welche US-Einheiten beteiligt sein werden, unter welchem Kommando sie operieren und durch welche Mechanismen ihre Präsenz kontrolliert werden soll. Für einige Senatoren des Pacto Histórico, der wichtigsten Oppositionskraft gegen die Regierung, stellt der Kurswechsel eine mögliche Aufgabe der nationalen Souveränität dar. Sie verweisen zudem auf Artikel 173 der kolumbianischen Verfassung, wonach der Senat den Transit ausländischer Truppen durch das Staatsgebiet genehmigen muss.
Die Debatte hat zudem einen historischen Hintergrund. Kolumbien war in den vergangenen Jahrzehnten einer der wichtigsten militärischen Verbündeten der USA in Lateinamerika. Plan Colombia und Plan Patriota mobilisierten Milliarden von US-Dollar und trugen zur Schwächung der Guerillaorganisationen bei, konnten den Drogenhandel jedoch nicht beenden.
Juan Carlos Buitrago, General der kolumbianischen Polizei im Ruhestand, äußerte ebenfalls Zweifel daran, dass eine neue Militäroffensive die kriminellen Strukturen tatsächlich beseitigen würde. Er sagte, eine solche Offensive könne zur Fragmentierung der Gruppen führen und die Gewalt in anderen Teilen des Landes verstärken. Dies könne einen sogenannten "Globus-Effekt" auslösen: Der militärische Druck verdränge die Kriminalität in Gebiete, in denen der Staat weniger Kontrolle ausüben könne.
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Während des Treffens in Panama sprach Hegseth nicht nur über Drogenkartelle. Als weiteres Ziel nannte er auch den Schutz der westlichen Hemisphäre vor "bösartigen ausländischen Akteuren". Die Regierung Trump hat offen eine hemisphärische Sichtweise wiederbelebt, die an die Monroe-Doktrin erinnert und von ihren eigenen Vertretern inzwischen als "Donroe-Doktrin" bezeichnet wird.
In diesem Kontext könnte Kolumbien erneut zu einem zentralen Bestandteil der US-Strategie in Lateinamerika werden. Die historische Erfahrung zeigt, dass die militärische Präsenz Washingtons nur selten ausschließlich anhand des offiziell erklärten Ziels betrachtet werden kann. Frühere Stationierungen und Vereinbarungen über die Präsenz von US-Truppen in Kolumbien hatten bereits Kontroversen über Souveränität, verfassungsrechtliche Kontrollen und mögliche regionale Ziele ausgelöst.
Die neue kolumbianische Regierung verteidigt die Entscheidung als Teil einer Offensive gegen kriminelle Organisationen. Das Versprechen größerer Sicherheit sollte jedoch eine Debatte über den politischen Preis dieser Zusammenarbeit nicht verhindern. Die USA sind der weltweit wichtigste Absatzmarkt für das in Kolumbien produzierte Kokain, während das südamerikanische Land seit Jahrzehnten die Gewalt, Vertreibung und Militarisierung einer Drogenpolitik trägt, die ihr erklärtes Ziel nie erreichen konnte.
Der Kurswechsel gegenüber der Regierung Petro könnte kaum deutlicher sein. Das konfliktreiche Verhältnis zu Washington wurde durch eine schnelle Annäherung an Trumps regionale Strategie ersetzt. Kaum im Amt nimmt Kolumbien nicht nur wieder die Rolle eines bevorzugten Verbündeten der USA ein, sondern öffnet auch erneut die Tür für gemeinsame Militäroperationen auf seinem eigenen Staatsgebiet.
Die Frage ist, ob diese Entscheidung die Sicherheit Kolumbiens tatsächlich stärken wird oder ob das Land unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Drogenhandel erneut zum Schauplatz und zur Plattform einer in Washington definierten Militärpolitik werden könnte.

