Santiago de Chile/New York. Michelle Bachelet hat bei der Dritten Probeabstimmung zum UN-Vorsitz nur eine Stimme, bei elf Gegenstimmen, erhalten. Die ehemalige Präsidentin Chiles (2006–2010 und 2014–2018) zog daraufhin ihre Kandidatur zurück und dankte der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum und dem brasilianischen Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva für ihre Unterstützung. Bachelet erklärte: "Manche glauben, dass dies nicht die Zeit für eine Kandidatur war, wie ich sie vertreten wollte – eine Zeit, in der Prinzipien wie Multilateralismus und Völkerrecht dauerhaft verletzt werden, die Existenz des Klimawandels geleugnet wird und Demokratie sowie Menschenrechte in Gefahr sind. Ich werde nun meine internationale Arbeit mit Entschlossenheit fortsetzen, um eine Welt mit mehr Frieden, Sicherheit, nachhaltiger Entwicklung und Achtung der Menschenrechte aufzubauen."
Im September 2025 hatte der ehemalige Präsident Chiles Gabriel Boric vor der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen Bachelet als Kandidatin für das Amt des UN-Generalsekretärs vorgeschlagen. Unterstützt wurde ihre Kandidatur von Sheinbaum und Lula da Silva. Chiles heutiger Präsident José Antonio Kast hatte bereits im Wahlkampf erklärt, Bachelet wegen ihrer vermeintlichen Aussichtslosigkeit nicht zu unterstützen. Bei der ersten informellen Probeabstimmung im Juli bekam Bachelet von den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrates noch sechs Stimmen und fünf Ablehnungen.
Chiles Expräsident Gabriel Boric kommentierte in den sozialen Netzwerken: "Es hat sich gelohnt. Gerade in schwierigen Momenten müssen wir mit noch mehr Kraft verteidigen, woran wir glauben. Und selbst wenn es eine vorübergehende Niederlage gibt, wird diese Niederlage ein Keim für die Zukunft sein." Oppositionspolitiker sehen in der Weigerung von Kast, Bachelets Kandidatur zu unterstützen, einen der Gründe für die Niederlage. In der Vergangenheit unterstützten chilenische Regierungen Kandidaturen eigener Politiker für internationale Führungsämter unabhängig von deren politischer Ausrichtung. So sprach sich der rechte Expräsident Sebastián Piñera ausdrücklich für die Wiederwahl des Sozialisten José Miguel Insulza zum Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aus.
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In den Medien werden als weitere Gründe für das Scheitern der Kandidatur die große Anzahl von Kandidaten und die im Vorfeld geäußerte Ablehnung durch die USA genannt. Anfangs war Bachelet eine von vier Kandidaten. Kurz vor der ersten Probeabstimmung im Juli 2025 meldeten sich vier weitere Personen an, was zu einer starken Aufteilung der Stimmen führte. In einem Interview mit dem brasilianischen Nachrichtenportal Folha de São Paulo sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums, der künftige UN-Generalsekretär müsse sich von einer "absurden, politisierenden und progressiven Ideologie" entfernen. Vor Kurzem erklärte der US-Botschafter in Chile, Randon Judd, mit Blick auf die Regierung Kast, er zähle auf die Stimmen seiner Verbündeten, ohne ein mögliches Veto der USA ausdrücklich anzukündigen.
Derzeit gelten Rebeca Grynspan, ehemalige zweite Vizepräsidentin von Costa Rica, und Carolyn Rodrigues-Birkett, ehemalige Außenministerin Guyanas, als aussichtsreichste Kandidatinnen. Sie erhielten neun beziehungsweise acht Stimmen. Beide verfügen über umfangreiche Erfahrung in internationalen Organisationen und werden dem sozialdemokratischen Mitte-links-Spektrum zugerechnet.

