Mexiko-Stadt. Zum Gedenken an den 58. Jahrestag des Massakers vom 2. Oktober 1968 sind rund 8.000 Demonstrierende, darunter Studierende, Gewerkschaften, Organisationen und Bewegungen, vom Platz der Drei Kulturen in Tlatelolco zum Hauptstadtplatz Zócalo marschiert.
Organisiert vom Komitee 68 "Pro Libertades Democráticas" solidarisierten sie sich mit Gruppen wie den Angehörigen der 43 von Ayotzinapa und der Bildungsgewerkschaft CNTE und forderten eine umfassende Aufarbeitung der staatlichen Repressionen gegen die Studierendenbewegung von 1968. Zudem wiesen sie auf aktuelle Menschenrechtsverletzungen und die Untätigkeit der Regierung hin.
Der Tag gilt als einer der symbolträchtigsten Gedenktage der mexikanischen Demokratiebewegung. Während einer studentischen Kundgebung führten die Armee und das Bataillon "Olimpia" damals eine Operation durch, um die bevorstehenden Olympischen Spiele ungestört abhalten zu können. Dieser Einsatz führte zu hunderten Toten sowie zahlreichen Verletzten und Festgenommenen.
Die Morena-Regierung macht den damaligen Präsidenten Gustavo Díaz Ordaz für die Tat verantwortlich. Nachweislich beeinflusste auch die CIA die Entwicklungen: Es hieß, die Studierendenbewegung sei von kommunistischen Kräften infiltriert worden. Dies erwies sich jedoch nicht nur als falsch, sondern es wurde sogar zugegeben, dass die Forderungen der Studierenden legitim waren.
Für viele Mexikaner:innen bleibt der Nachrichtensprecher Jacobo Zabludovsky in Erinnerung, der an diesem Tag die Sendung mit den Worten "Heute war ein sonniger Tag" eingeleitet haben soll. Dies wird als Zensur interpretiert und steht symbolisch für die Medienkontrolle des Staates.
Die Erinnerung an Tlatelolco wird seit Jahren mit aktuellen Forderungen nach Aufklärung staatlicher Gewalt und Gerechtigkeit für die Opfer politischer Verbrechen verbunden. So sprach sich Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo auf der Morgenkonferenz für die staatliche Verantwortung für das Massaker aus und verkündete: "Deshalb gilt unsere Solidarität stets denjenigen, die diesen Moment erlebt haben, sowie ihren Angehörigen, und: Nie wieder, nie wieder staatliche Repression gegen eine soziale Bewegung."
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Im Anschluss hat Sheinbaum ein Treffen mit dem Eureka-Komitee, einer Menschenrechtsorganisation Angehöriger von Vermissten, abgehalten, um die Forderung nach Wahrheit und Gerechtigkeit im Zusammenhang mit diesem sogenannten "schmutzigen Krieg" in Mexiko weiterzuverfolgen.
Der überwiegende Teil der Demonstration verlief friedlich, aber schon zu Beginn der Mobilisierung kam es in unmittelbarer Nähe des Gedenkortes an der gleichnamigen Metrostation zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften der Hauptstadt.
Mehrere Berichte von Aktivist:innen und Journalist:innen werfen der Polizei unverhältnismäßige Maßnahmen vor wie Einkesselungen, Entwendungen, Einschüchterungen und körperliche Aggressionen gegen sie und auch gegen unbeteiligte Passant:innen.
Im Zuge der Demonstration gab es zudem gewalttätigen Protest des "Bloque Negro" (Schwarzen Blocks), der öffentliche und private Infrastruktur beschädigte, auch den Nationalpalast und das Rathaus, Feuerwerkskörper zündete und Kaufläden ausraubte.
Die Nachrichten über Polizeieinsätze, Übergriffe und die weitreichende Absicherung des historischen Zentrums stehen in einem Spannungsverhältnis zu der von der Präsidentin bekräftigten Zusage, dass staatliche Repressionen gegen soziale Bewegungen der Vergangenheit angehörten.

