Mexiko-Stadt. Die Angehörigen der 43 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa kritisieren den jüngsten Bericht der Sonderermittlungseinheit. Bei der Vorstellung des Dokuments verkündete der Sonderstaatsanwalt Mauricio Pazarán neue "Ermittlungslinien" und neue Ergebnisse. Der Anwalt der Familien, Isidoro Vicario, bestritt diese Informationen: "Leider war das nicht der Fall", sagte er in einem Interview.
Laut Pazarán erfolgten die "neuen Ergebnisse" aus der Auswertung der Telefonaufzeichnungen der Tatnacht vom 26. auf den 27. September 2014. Seine Behörde habe Verbindungen zwischen Mitgliedern der kriminellen Vereinigung "Guerreros Unidos" und Personen aus dem Umfeld von Bestattungsunternehmen und Krematorien im südwestlichen Bundesstaat Guerrero festgestellt. Dies habe "zur Identifikation neuer Muster geführt, die in früheren Ermittlungen nicht untersucht worden waren", so der Sonderstaatsanwalt. Insgesamt seien 17 Personen identifiziert worden, gegen die bisher nicht ermittelt wurde, ihre Kommunikation während der Stunden des Verschwindens der Studierenden sei vollständig rekonstruiert worden.
Zu den Verdächtigen sollen Beamte, Polizisten, Mitglieder krimineller Organisationen sowie Menschen im Umfeld zweier Bestattungsunternehmen in Iguala gehören. Anschließende Untersuchungen in den Räumlichkeiten des Unternehmens hätten zum Fund menschlicher Überreste geführt und die genetische Untersuchung bringe sie mit Spuren aus anderen Orten Guerreros in Verbindung.
Auch weitere Indizien seien sichergestellt worden, einschließlich eines illegalen Krematoriumsofens. Ein weiterer Ermittlungsansatz bestehe aktuell im Klären der Frage, ob 17 der verschwundenen Studierenden in der Tatnacht in Zellen der Stadtpolizei von Iguala festgehalten worden seien. Zudem betonte Arturo Medina, Staatssekretär für Menschenrechte, die Fortschritte bei der Digitalisierung aller Akten des Falls, "die insgesamt etwa fünf Millionen Seiten in rund 3.000 Bänden umfassen." Der Prozess sei zu fast 90 Prozent abgeschlossen.
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Die Angehörigen der Verschwundenen, die seit zwölf Jahren nach ihren Kindern suchen, waren bei der Vorstellung der Ermittlungen nicht anwesend. Präsidentin Sheinbaum hatte zuvor erklärt, dass sie über die neuen Informationen bereits aufgeklärt worden seien. Den "Suchenden" aber reichen die aktuellen Ergebnisse keinesfalls aus. "Mit ihrem Schmerz im Gepäck haben sie gelernt, dass die bisherigen Ermittlungsansätze sie in der Praxis nicht näher an eine klare Antwort auf die grundlegende Frage gebracht haben, wo ihre Liebsten sind", schreibt die Journalistin Magdalena Gómez in La Jornada. "Es geht ein weiteres Jahr zu Ende ohne Aufklärung und ohne Bestrafung der Schuldigen", fügt sie hinzu.
Die Ermittlungslinie der Telefonaufzeichnungen und der Bestattungsunternehmen existierte bereits, argumentiert Vicario. Die ehemalige internationale Expertenkommission (Giei) hätte diese Ansätze bereits aufgezeigt, sie wurden aber nicht vertieft. Nach wie vor lehnen die Familien der Verschwundenen die Weigerung der zuständigen Behörden ab, die 853 Folios der Aufzeichnungen des militärischen Geheimdienstes über die Überwachung und Verfolgung der Studenten der Ayotzinapa-Normalenschule am 26. und 27. September 2014 sowie danach offenzulegen. Die Familienangehörigen der Opfer und das GIEI sind der Ansicht, dass diese Dokumente wichtige Informationen über den Verbleib der Studenten enthalten.
Zwei Tage vor der Veröffentlichung des jüngsten Berichts der Sonderermittlungseinheit hatten die Eltern der 43 Opfer die Empfehlung der mexikanischen Menschenrechtskommission (CNDH) entschieden zurückgewiesen, das Militär im Kontext des Verbrechens des Verschwindenlassens der Studierenden zu entlasten. Unabhängige Ermittlungen hätten längst gezeigt, dass staatliche Kräfte beteiligt gewesen sind.

