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Weltverbesserung in Davos − Ein richtig guter Witz

Zweieinhalbtausend Industriekapitäne sind in ein Skizentrum eingefallen, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen
Zweieinhalbtausend Industriekapitäne (CEO's) sind in ein Skizentrum eingefallen, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen.

Zweieinhalbtausend Industriekapitäne (CEO's) sind in ein Skizentrum eingefallen, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen.

Es sei "unabhängig" und "überparteilich", beansprucht das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) für sich, und es sei verpflichtet, den Zustand der Welt zu verbessern. Was für ein Schwindel

Zweieinhalbtausend Industriekapitäne (CEO's) sind in ein Skizentrum eingefallen, um aus der Welt einen besseren Ort zu machen.

Klingt wie ein Scherz, oder?

Keineswegs, es ist Tatsache: Seit Mittwoch versammeln sich globale Schwergewichte im hyper-exklusiven Skizentrum Davos, Schweiz, zum Weltwirtschaftsforum, um (in ihren eigenen Worten) "globalen, regionalen und industriellen Herausforderungen Gestalt zu geben". Oder übersetzt, um über die globalen Finanzen zu verhandeln nebst einem freundlichen Seitenblick auf Klimawandel und globale Ungleichheit.

Laut WEF-Webseite nehmen 2.500 der "politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich Führenden" an der Konferenz teil, unter ihnen 40 Regierungschefs, Ölmagnaten und Hightec-Milliardäre.

Aber statt die Welt beherrschen zu wollen, sei es WEF-Mission, den "Zustand der Welt zu verbessern". Und, das WEF sei "unabhängig, überparteilich und es sei mit keinerlei speziellen Interessen verbunden", vielmehr "mischt und balanciert es mit Sorgfalt das Beste aus einer Vielfalt von Organisationen und Gruppen."

Ein knapper Blick auf das Leitungsgremium macht jedoch klar, daß dieses Ziel schwierig zu erreichen sein wird. Von den 23 auf der Liste sind 17 Männer und nur 6 Frauen. Zwölf Konzernvorstände gehören dazu, eine Königin und Null Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und sozialen Bewegungen.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist dabei. Ebenso Mark Carney, Chef der Bank of England. Als weiteres Mitglied kennt man vielleicht Peter Brabeck-Letmathe, Nestle-Vorstand, der kürzlich dadurch bekannt wurde, daß er das Argument, Wasser sei ein Menschenrecht, als "extremistisch" qualifizierte.

Aktivistin Susan George nennt diese Davos-Klasse "räuberisch".

Und sie fügt hinzu: "Sie leiten unsere zentralen Institutionen einschließlich der Medien, und sie wissen genau, was sie wollen. Sie sind sich untereinander einig, sie sind viel besser organisiert als wir es sind."

Noch irritierender sind die Partner dieser Veranstaltung. Es ist nicht ohne Ironie, daß umweltverseuchender Bergbau, geldwaschende Banken und menschenverachtende Firmen zu einer Veranstaltung dazugehören, die sich selbst "verpflichtet, den Zustand der Welt zu verbessern".

Coca-Cola

Das allseits beliebte, zahn-schädigende Getränk ist ein schlimmer Verunreiniger. Es hat die Wasserreserven Zentralamerikas ruiniert, um nur eine der Sünden zu benennen.

In der Gemeinde Nejapa, im Norden von El Salvador, können 30.000 Anwohner das Wasser des Flusses San Antonio nicht mehr trinken oder nutzen, weil es von WEF-Partner Coca-Cola und anderen Industriefbetrieben kontaminiert wurde. Die Anwohner sagen, das Wasser tötet ihre Tiere, es macht die Leute krank und es trocknet langsam weg. Die Gemeinschaften wollen ein gültiges "Wassergesetz", um die Ressourcen zu schonen.

Coca-Cola wird außerdem beschuldigt, Paramilitärs bei Einschüchterung, Folterung und Tötung von Gewerkschaftern in Kolumbien und Guatemala unterstützt zu haben.

Chevron

Kaum ein Name ist schmutziger als Chevron-Ecuador.

Die Firma wird beschuldigt, in den Jahren bis 1990 über 16 Milliarden Gallonen Öl und giftigem Abfall in den Urwald gekippt zu haben, um Kosten zu sparen. Bis heute leiden die Kommunen an Krankheiten wie Krebs und sogar Todesfällen als Folge der Aktivitäten des US-Ölgiganten1.

Die 30.000 betroffenen Anwohner gewannen eine Klage vor Gericht in der Provinz Sucumbios auf Schadenersatz von 9.5 Milliarden Dollar gegen Chevron. Das Unternehmen weigerte sich zu zahlen und betreibt stattdessen eine 400 Millionen Dollar Klage gegen den Staat Ecuador.

Dieser WEF-Partner wird oft mit einer schwarzen, ölverschmierten Hand gekennzeichnet. Denn die Aktivisten greifen in die kontaminierte Brühe, um die schmutzige Arbeit von Chevron anzuprangern.

Nestlé

Der immer größer werdende Mißbrauchs-Katalog in Sachen Menschenrechte des Schokoladen-Giganten Nestlé hinterläßt einen bitteren Nachgeschmack.

Erst kürzlich wurde den WEF-Partner vorgeworfen, über den Mißbrauch von teils sechsjährigen Kindern bei der Kakao-Ernte in der Elfenbeinküste hinwegzusehen. Die Kinder wurden nicht bezahlt, stattdessen wurden sie geschlagen, wenn sie ihre Arbeit nicht zufriedenstellend machten.

Die Schweizer Firma wird ferner in den USA  beschuldigt, Fisch von einem thailändischen Lieferanten zu beziehen, der Sklavenarbeit nutzt und Arbeiter auf "schwimmenden Gefängnissen" eingeschlossen hält.

Und nicht zu vergessen der Chef (CEO) Tim Brown von "Nestlé Wasser", der sich trotz katastrophaler Dürre weigerte, mit der Flaschenabfüllung in Sacramento, Kalifornien, aufzuhören. Brown, herausfordernd: "wenn ich könnte (Wasser abfüllen), würde ich sogar mehr machen."

Wegen der extremen Dürre wurden die Bauern inzwischen angewiesen, Wasser zu sparen und mit dem Abpumpen des Wasser aus dem San-Joaquin-Fluß aufzuhören - danach wurden die Früchte ihrer Felder zu Staub.

Coca-Cola, Nestlé und Chevron sind lediglich die häßliche Spitze des WEF-Eisbergs. Andere Partner sind der Eco-Betrüger Volkswagen, Geldwäscher HSBC (gar nicht zu reden von der Bank of America und Deutsche Bank) und mehr Ölfirmen als man wußte, daß es sie überhaupt gibt. Trotz ihres Anspruchs, "für alle Bereiche der Gesellschaft zu stehen", können die Teilnehmer des Davos-Forums doch nichts anderes repräsentieren als die eigenen Geschäftsinteressen. Und in genau der Woche, da Oxfam den Deckel vom zerstörerischen Ausmaß der globalen Ungleichheit anhob, war der Unterschied zwischen Selbstdarstellung der Davos-Elite und Realität der allergrößte Witz von allem.

  • 1. Eine Gallone entspricht rund 3,7 Liter
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