Ärzt:innen kündigen nach ergebnislosem Streik in Paraguay

Gewerkschaft fordert Gehaltserhöhungen, Festanstellungen, Verbesserung der Versorgung von Kindern. Auch Lehrer:innen drohen mit Streik

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Demonstration am ersten Tag der Streikwoche der Gewerkschaft Sinamed
Demonstration am ersten Tag der Streikwoche der Gewerkschaft Sinamed

Asunción. Nach dem ergebnislosen Ende des fünftägigen Ärztestreiks in Paraguay haben 141 von 164 Spezialist:innen der größten Kinderklinik des Landes ihre Kündigung eingereicht. Die Ärzt:innengewerkschaft Sinamed hatte den Streik im öffentlichen Gesundheitswesen ausgerufen, der von landesweiten Demonstrationen und Kundgebungen begleitet wurde.

Die Ärzt:innen forderten eine Erhöhung ihrer Gehälter, die seit 2012 nicht mehr angepasst wurden, die Bereitstellung von Versorgungsgütern und Medikamenten für die Krankenhäuser, die Festanstellung von rund 9.000 Fachkräften mit befristeten Verträgen sowie weitere arbeitsrechtliche Verbesserungen.

Bereits während der Proteste hatten die Mediziner:innen der Regierung ein Ultimatum gestellt: Wenn ihre Forderungen nicht erfüllt würden, dann würden sie kündigen. Nachdem kein Angebot der Regierung eingegangen war, zogen die streikenden Ärzt:innen schließlich die Konsequenzen. Allein im Allgemeinen Kinderkrankenhaus Acosta Ñu, der führenden Klinik dieser Fachrichtung im Land, sollen laut dem zuständigen Streikkomitee 141 der 164 Fachärzte ihre Kündigung eingereicht haben. Das sind 86 Prozent der beschäftigten Spezialist:innen. Die Kündigungen kommen aus unterschiedlichen Bereichen, wie der Intensivmedizin, der Anästhesiologie und Kinderchirurgie.

Der Gewerkschaftssekretär der Paraguayischen Gesellschaft für Kinderchirurgie, Roberto Riveros, erklärte, dass die Kündigungen am heutigen Montag wirksam werden, sollte die Regierung vor Ende des Streiks keine "den vorgebrachten Forderungen entsprechende" Antwort geben. "Das ist eine sehr kritische Situation, die einen Schneeballeffekt auslöst", warnte Riveros. Er fügte hinzu, dass 19 der 21 Kindertherapeuten des Traumakrankenhauses in der Hauptstadt Asunción "ebenfalls kündigen werden".

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Nach Angaben der Gewerkschaft ist die Lage im Gesundheitswesen dramatisch. Es herrsche ein extremer Fachkräftemangel. So brauche es mindestens 120 Kinderchirurg:innen landesweit, derzeit seien es aber nur 39.

Gesundheitsministerin María Teresa Barán warnte allerdings vor den Folgen der Forderungen der Beschäftigten. Sie gab zu bedenken, dass neben den benötigten 120 Millionen US-Dollar zur Erfüllung der Forderungen dies auch dazu führen würde, dass andere Sektoren Lohnerhöhungen fordern würden.

Neben dem Streik der Ärzt:innen sieht sich die Regierung von Präsident Santiago Peña auch mit einer möglichen Protestwelle im Bildungsbereich konfrontiert. Die Lehrer:innen drohen ebenfalls damit, zeitnah einen fünftägigen Streik auszurufen, wenn es zu keiner Einigung mit der Regierung komme. Die Vorstellungen liegen derweil weit auseinander, denn während die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von acht Prozent für 2027 fordert, bietet Bildungsminister Luis Fernando Ramírez nur eine Anpassung von 2,4 Prozent an.

"Praktisch 90 Prozent unserer Forderungen für den Staatshaushalt werden nicht erfüllt werden. Wir sind praktisch mit leeren Händen aus der Sitzung gegangen", erklärte Silvio Piris, Vorsitzender des paraguayischen Lehrerverbandes, nach der gescheiterten Verhandlungsrunde im Ministerium für Bildung und Forschung.