DruckversionEinem Freund senden
03.10.2016 Kuba / Politik

Guillermo Fariñas hat seinen "Streik" beendet, und was nun?

Überlegungen zum Verhalten eines kubanischen"Dissidenten", der im Ausland durch zahlreiche Hungerstreiks bekannt wurde
Aufruf zum „Globalen Twittern“ am 9. September 2016 für den hungerstreikenden Guillermo Fariña, Sacharov-Preisträger des Europäischen Parlaments von 2010

Aufruf zum „Globalen Twittern“ am 9. September 2016 für den hungerstreikenden Guillermo Fariña, Sacharov-Preisträger des Europäischen Parlaments von 2010

Quelle: Coco Farinas

Das kubanische Gesundheitssystem ist das beste der Welt. Der Hungerstreik von Fariñas ist das beste Beispiel dafür, wie weit der kubanische Staat, seine Ärzte und sein Pflegepersonal zu gehen in der Lage sind. Wer darüber Zweifel hegte, dem müssen sie von jetzt an geschwunden sein.

Die kubanischen Ärzte verdienen eine Medaille für Humanismus, aber auch für Geduld, weil man "das Herz auf dem richtigen Fleck haben muss", wie mein Vater zu sagen pflegte, um diesem Betrüger auch nur eine Minute zu widerstehen.

Diesem Schwindler Guillermo "Coco" Fariñas eine Infusion legen zu müssen, im Wissen, dass ein jedes Medikament, das dieser erhält, ein Medikament sein wird, das fehlt, damit es ein kubanischer Patient bekommen kann, der es dringend benötigt, dafür braucht man schon Geduld. Vierundfünfzig Tage im "Hungerstreik", die den kubanischen Staat tausende von Dollars gekostet haben müssen. Alles nur, um die Posse eines Schwindlers aufrecht zu erhalten, dem bereits niemand mehr glaubt.

Darin sind die kubanischen Ärzte die besten der Welt.

Das, was der kubanische Staat sehr wohl verbessern muss, ist ein Teil seiner Gesetzgebung. In diesem Punkt müssten seine staatlichen Angestellten und Funktionäre viel von den Kapitalisten lernen. Wenn dieser Betrüger Bürger eines kapitalistischen Landes wäre, und zwar eines von den wirklich kapitalistischen, dann wäre es ihm sicher nicht in den Sinn gekommen, einen Hungerstreik zu veranstalten. Wenn es ihm aber doch eingefallen wäre, dann hätte er diesen ganz sicherlich nicht überlebt, wenn aber doch, dann werde ich mal erzählen, was ihm in einem dieser Länder einen Tag, nachdem er seinen "Hungerstreik" beendet hätte, passiert wäre.

Dieser Gedanke kam mir, als ich davon erfuhr, dass ein deutscher Diplomat den "Streikenden" in dessen eigenem Haus besucht hatte, um sich nach seiner Gesundheit zu erkundigen.

Ein deutscher Diplomat, der sich nach dem Gesundheitszustand eines schwarzen Kubaners erkundigt? Wussten die Kubaner, dass es in Deutschland mehr Hungerstreiks gibt als in Kuba?

Sicherlich wissen sie es nicht, weil darüber niemand spricht. Ein Hungerstreik in Deutschland, am Brandenburger Tor, ist keine Nachricht wert. Genauso wenig wie es eine Nachricht wert ist, wenn ein Schwarzer in der Zelle einer Polizeiwache in Deutschland verbrennt. Das Skandalöse des Falls lag darin, dass der Verhaftete "Feuer fing" und kein Polizist etwas davon bemerkte bis er verbrannt war und die Sachverständigen und Kriminalisten in ihren Gutachten zu der Beurteilung kamen, dass der Beschuldigte sich selber angezündet habe.

Ich will das erläutern: der Mann wird verhaftet, und da er "Schwierigkeiten machte" musste er an die Liege gefesselt werden. Aber er selbst schafft es, so gefesselt, die Hand in die Hosentasche zu stecken und ein Feuerzeug hervorzuholen, um die Matratze anzuzünden, auf die man ihn gelegt hatte.

Ich bin sicher, dass in Kuba niemand etwas davon erfahren hat. Wie wir bereits wissen, sind einige kubanische Journalisten sehr damit beschäftigt, ihre Veröffentlichungen in privaten Medien zu verteidigen, die von den USA und Europa aus finanziert werden und haben keine Zeit, einen Blick auf die übrige Welt zu werfen.

Wir aber wollen mit dem kubanischen Fakir fortfahren.

In einem kapitalistischen Land hätte Herr Fariñas nach Vollzug seines Hungerstreiks per Post eine Abrechnung über die empfangene medizinische Betreuung erhalten, die ihm ganz sicherlich die Lust genommen hätte, nochmals den Hungerleider zu spielen.

Jetzt will ich einmal davon berichten, wie das hier in Deutschland läuft.

Herr Fariñas würde seine Rechnung mit einer Zahlungsfrist von 14 Tagen oder einem Monat erhalten. Falls er sie nicht frist- und formgerecht zahlte, würde er noch eine und dann immer wieder folgend noch eine Zahlungsaufforderung bekommen. Mit jeder erhaltenen Rechnung würde der Betrag aufgrund von Gebühren steigen, solange, bis seine Gläubiger es Leid wären, länger auf ihr Geld zu warten und sich dazu entschlössen, eine gerichtliche Klage gegen ihn einzureichen. Zu der Rechnung kämen dann noch Gerichtskosten, Anwaltskosten etc hinzu. Im Kapitalismus ist alles eine Ware.

Für den Fall, dass er seine Schulden nicht bezahlen könnte, würde Fariñas keine andere Alternative bleiben als Privatinsolvenz anzumelden. Dazu müsste er eine eidesstattliche Erklärung über den aktuellen Stand seiner Bankkonten abgeben. Tut er dies nicht, erhielte die Krankenhausverwaltung seitens des Justizministeriums einen "Titel", der sie als Eigentümerin und Verfügungsberechtigte über alle Güter ausweisen würde, die dem kubanischen Fakir gehören. Sie hätte dann die Möglichkeit in seine Behausung zu gehen und alle Wertgegenstände, die sie dort fänden in Beschlag zu nehmen, wozu auch die Enteignung seines Hauses oder seiner Wohnung gehört, wenn es sich dabei um sein Eigentum handelte.

Ich frage nun: wann wird es in Kuba eine den Bedürfnissen adäquate Gesetzgebung geben, die es dem kubanischen Volk erlaubt, einen Teil des Geldes einzuziehen, das die Finanziers dieses Gesindels von Söldnern und Verrätern aufwenden?

Sind sich die staatlichen Funktionäre Kubas darüber bewusst, dass dies ein legitimes Recht eines jeden Landes darstellt?

US-Präsident Barack Obama hat gerade das so genannte Gesetz über den Handel mit dem Feind um ein weiteres Jahr verlängert, ein Anachronismus aus dem Jahre 1917, der die inhumane Blockade gegen das kubanische Volk aufrecht erhält. Diese Gesetz wird es seiner Regierung weiterhin gestatten, dem kubanischen Staat bei seinen Bemühungen Schwierigkeiten zu bereiten, die Medikamente oder medizinischen Ausrüstungen zu kaufen, um ein adäquates, gerechtes und auf Gleichheit beruhendes Gesundheitssystem zu garantieren.

Wie wir bereits wissen, gibt die US-Regierung Millionen von Dollar dafür aus, um diese Schwindler zu unterhalten. Wir wissen wie viele Splittergrüppchen, Projekte, Internetportale und Delinquenten im Land von einem Teil dieses Geldes profitieren.

Wäre es also nicht legitim, Entschädigungen für jeden Dollar zu verlangen, den die US-Administration und ihre Satelliten in anderen Breiten dafür aufwenden, um ihre kubanischen Handlanger zu alimentieren?

Warum entscheidet sich der kubanische Staat nicht ein für alle Mal dazu, eine Gesetzgebung einzuführen, die diejenigen, die Geld von ausländischen Mächten für ihre Subversion erhalten dazu zwingt, für jeden Dollar, den sie für ihre "Arbeit" erhalten, einen finanziellen Beitrag zu entrichten?

Ich glaube, dass es höchste Zeit ist, eine geeignete und gerechte Lösung dafür zu suchen, diesen Heucheleien etwas entgegen zu setzen, bevor es dem Fakir und anderen von seiner Sorte erneut einfällt so zu tun, als würden sie hungern, um diesen Staat, der dann wieder die Aufgabe hätte, über ihre Gesundheit zu wachen, in Verruf zu bringen.

Justo Cruz aus Kuba ist Sozialarbeiter und Maschinenbauingenieur, lebt seit 1988 in Berlin und ist Koordinator der Cuba Sí- AG in der Partei die Linke. Er schreibt u.a. für Cubainformación, Martianos, Rebelión, Cubadebate und La Pupila Insomne

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

29.03.2015 Nachricht von Edgar Göll
21.10.2010 Nachricht von Christian Kliver
20.06.2011 Nachricht von Harald Neuber
06.07.2010 Hintergrund & Analyse von Deisy Francis Mexidor