Kuba in der Welt: Die Wege der Solidarität

Mehr als 600.000 kubanische Ärzte waren bereits in 160 Ländern

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Kubanische Fachkräfte der "Misión Barrio Adentro" im Einsatz gegen Covid-19 in Caracas
Kubanische Fachkräfte der "Misión Barrio Adentro" im Einsatz gegen Covid-19 in Caracas

Diejenigen, die herumlaufen und Zwietracht säen, sagen, dass Kuba mit seinen Ärzten eine Art "Sklavenhandel" betreibe, und behaupten sogar, dass sie sich in die inneren Angelegenheiten der Länder einmischen, in denen sie sich befinden.

Luis Almagro, der selbst keinerlei Moral hat, um gegenüber der Welt von Rechten zu sprechen, versicherte am Sitz der Organisation, die er bestens repräsentiert (Organisation Amerikanischer Staaten, OAS), dass unsere Regierung unter dem Deckmantel der kubanischen medizinischen Zusammenarbeit im Ausland Verbrechen gegen die Menschheit begehe. Die Agentur für Internationale Entwicklung (USAID), eine US-amerikanische Institution, die Gelder für Subversionsprogramme innerhalb Kubas zur Verfügung stellt, teilte in klarer Verteidigung "höherer Interessen" Projekten, die gegen die medizinischen Brigaden gerichtet sind, drei Millionen Dollar zu.

Die Unterstützung ließ nicht lange auf sich warten. Das dreiseitige Abkommen mit der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation und Brasilien, das seit 2013 in Kraft ist, wurde vom Kriecher Jair Bolsonaro mit dem Vorwurf einer Bereicherung des kubanischen Staates auf Kosten seiner Mediziner beendet.

Unter dem Vorwand wirtschaftlicher Gründe verlangte Ecuador von hohen Regierungsbeamten detaillierte Informationen über die Vereinbarungen und Leistungen der kubanischen Helfer. Fünf Monate später beendete die ecuadorianische Regierung die Abkommen. Und sie verband ihre Entscheidung mit der Lüge, kubanische Bürger, die mit den Kooperationsabkommen in Verbindung gebracht wurden, hätten sich an den Protesten gegen die neoliberalen Maßnahmen von Lenín Moreno beteiligt. Bislang haben sie dafür keinen einzigen Beweis vorlegen können, aber sie entzogen dennoch ihren eigenen Staatsangehörigen mit der Behauptung den Schutz, dass nun eigene Ärzte die Arbeit übernehmen würden, die Kuba seit über 17 Jahren geleistet hatte.

In den traurigen Tagen Ende Oktober 2019 gab es in Bolivien 26 schwerwiegende Vorfälle gegen unsere Helfer, unter anderem wurden zwei von ihnen verprügelt. Die Putschisten stachelten öffentlich zur Gewalt auf; brutale Durchsuchungen ihrer Personen, Habseligkeiten und Wohnungen; falsche Anschuldigungen; die willkürliche vorübergehende Festnahme von 50 Helfern, vier von ihnen für mehrere Tage. Angesichts dieser Situation, in der versucht wurde, unsere Ärzte zu diskreditieren, indem in den Medien versucht wurde, ihre Professionalität herabzusetzen, wurden sie nach Kuba zurückgeholt.

Es war das Jahr der wildesten Kampagnen gegen Kuba, das Vorbild und die Würde unserer medizinischen Fachkräfte anzugreifen. Die Speerspitzen waren Brasilien, Ecuador und Bolivien, aber die Versuche gehen weiter: Es wurde behauptet, die Ärzte in Venezuela seien Militärs; die USAID suchte verzweifelt in den Archiven der Brigade in Guatemala nach einem trojanischen Pferd, und die spanische Tageszeitung "El Pais" beschwor die "geringen Fachkompetenzen" derer, die die "Operación Milagro" in Uruguay betreuen.

Mehr als 600.000 kubanische Ärzte waren bereits in 160 Ländern. Wie Gesundheitsminister José Ángel Portal Miranda betonte, ist es kein Geheimnis, dass das Geld aus diesen Einsätzen eine der Haupteinnahmequellen des Landes ist und "zur Finanzierung der sozialen Dienste beiträgt", die in den Bereichen Medizin und Bildung allein in diesem Jahr mehr als 50 Prozent des Staatshaushaltes ausmachten.

Seit 1963 hat Kuba jedem nach den Prinzipien der Solidarität und des gegenseitigen Nutzens geholfen, der darum gebeten hat. Daran beteiligen sich freiwillig medizinische Fachkräfte und Techniker und leisten ihre Dienste ohne Unterschied der Rassen, des Glaubens oder der Ideologien, ohne sich in innenpolitische Angelegenheiten einzumischen und unter Beachtung der Gesetze und Gepflogenheiten der Länder, in denen sie arbeiten.

Dies ist nur ein Teil des Weges der Solidarität, auf dem man den Fußabdruck der 2.000 Ärzte aus der Provinz Camagüey findet, die heute in fast 40 Ländern arbeiten.

Dr. Iolexys Rodriguez Mola. Helferin in Brasilien, Fachärztin für Allgemeine Integrale Medizin: "Von Geburt an hat man in unserem Land Prinzipien der Solidarität mit dem eigenen Volk und mit anderen verinnerlicht. Den hautnahen Internationalismus, nicht nur in der Medizin, sondern in jedem Bereich des Lebens. Dies ist eine Herausforderung, besonders in Brasilien mit der Sprache. Man nimmt Kenntnisse mit, aber man lernt immer dazu. Der Abbruch der Mission hat uns alle überrascht, wir hatten nicht geglaubt, dass Bolsonaro damit Erfolg haben würde, weil er die ärmsten Menschen ohne Ressourcen und medizinische Versorgung zurückgelassen hat; das ist etwas, das schmerzt. Wir sind zufrieden zurückgekehrt, denn die Dankbarkeit der Menschen ist etwas Wunderbares.

Es gibt viele Geschichten. Es gab schwerwiegende, schwierige Fälle. Es war unglaublich, wie wir Ärzte wie Götter für sie waren, etwas Großes, weil sie keine haben, während für uns der Patient der nächste Nachbar ist, den wir im Lebensmittelladen, den wir auf dem Fahrrad sehen. Dies hat besondere für die Kinder und die älteren Menschen Bedeutung, die sich nicht erklären konnten, wie ein Arzt, vor allem eine Frau, in ihrer bescheidenen und armen Wohnung war und sich um sie kümmerte."

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Dr. Maria Mercedes Perez Escobar. Mitarbeiterin in Ecuador, Fachärztin für Nephrologie [Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen]: "Es war eine sehr schöne Erfahrung. In diesem Land gibt es viele Patienten, die wegen Nierenleiden eine Dialyse brauchen, weil die landwirtschaftliche Arbeit sehr hart ist. Vor allem bei Ernte- und Pflanzungsarbeiten von Bananen und Kakao sind sie Chemikalien, intensiver Sonne und Dehydration ausgesetzt. Wir hatten sogar auch Fälle von jungen Menschen, die erst 17 Jahre alt sind.

Die Menschen sind sehr dankbar für die kubanische Hilfe. Wir waren ganz anders, weil wir sie direkt befragten, wir haben sie körperlich untersucht. Sie erkannten, dass unsere Spezialisten keine wirtschaftlichen Interessen verfolgten, dass das, was sie taten, aus Liebe geschah, aus jener Hingabe, die uns auszeichnet. Als wir gehen mussten, brachten sie ihre Zuneigung und Dankbarkeit zum Ausdruck, immer mit der Hoffnung, dass wir irgendwann zurückkehren würden."

Dr. Ania Carmenate Garcia. Mitarbeiterin in Ecuador, Fachärztin für Hygiene und Epidemiologie: "Als ich 2013 nach Ecuador kam, waren wir nur 150, und ich ging als Teil der Vereinbarung mit dem Gesundheitsministerium von Ecuador über 15 Fachärzte für Hygiene und Epidemiologie dorthin. Anfangs war ich im Amazonasgebiet, wo wir auch Feldforschung machten, da gab es eine große unversorgte Bevölkerung, nicht nur wegen des schwierigen Zugangs, sondern auch wegen der wirtschaftlichen Bedingungen. Danach ging ich nach Quito als Verantwortliche für diese Vereinbarung und als technische Koordinatorín des Programms für den Einsatz von Heberprot-P. Mit der Anwendung dieses Medikaments leisteten wir einen Beitrag im wissenschaftlichen Bereich, denn als wir dort eintrafen, wurden 60 Prozent der Patienten amputiert und wir erzielten einen Rückgang bis auf drei Prozent.

Die Zunahme der Vereinbarungen auch mit dem Institut für Arbeit und soziale Sicherheit und mit privaten Hämodialyse-Kliniken in diesem Land war möglich wegen des Stellenwerts, den die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit erlangten, wegen des Respekts, den es in der Welt für die kubanische Medizin gibt, und wegen des Ansehens unserer Fachleute."

Dr. Pedro Gabriel Hernández Mandado. Im Einsatz in Gambia, Facharzt für Psychiatrie und Biostatistik: "Ich habe vier Erfahrungen mit der harten Wirklichkeit gemacht. Eine davon, als ich für die WHO in den Ruinen gearbeitet habe, die ein ebenso imperialer wie ungleicher Krieg in Vietnam, Laos und Kampuchea hinterlassen hat, wo die großen Pharmamonopole Antibiotika ohne Lösungsmittel spendeten und Epidemien die Tage und Nächte bestimmten. In Bamako, Mali, spendete die "großzügige" USAID experimentelle Medikamente zur Bekämpfung von Malaria, deswegen lag es nicht in ihrem Interesse, auch nur das Geringste zu tun, um die Übertragung zu unterbinden. Unsere medizinische Brigade verhinderte, dass die Statistik der Todesfälle durch Cholera entlang des Niger-Flusses anwuchs.

Die Symptome der verwahrten Psychiatriepatienten verschwanden erstmals, als sie wie Menschen behandelt wurden. Während meiner ersten Zeit in Gambia, 2010-2012, haben wir es geschafft, dass die vergitterten Zimmer für psychiatrische Patienten verschwanden. Die psychische Pathologie wurde entmystifiziert. Die Patienten und Familien drückten ihre Dankbarkeit gegenüber einem kleinen Land aus, das von einem großen Mann angeführt wurde, der eine noch größere Revolution gemacht hatte, die über ihre Grenzen hinaus ging und Licht und Liebe in Gesundheit gekleidet an die Orte brachte, wo das Imperium nur Dunkelheit sieht. Nun empfinde ich es als bereichernd, wenn man sich an mich erinnert, wenn ich erlebe, dass man auf der Straße von dankbaren Menschen auf die Schultern gehoben wird, dass sie zu dir kommen und dich fragen, ob du wirklich wieder da bist."

Dr. Maria del Carmen Romero Sanchez. Im Einsatz in Venezuela, Fachärztin für Allgemeine Integrale Medizin: "Ich kam zum zweiten Mal nach Venezuela als Leiterin für Lehre der kubanischen medizinischen Mission und arbeitete mit den venezolanischen Professoren an der Hugo Chávez Universität für Gesundheitswissenschaften zusammen. Die kubanische medizinische Zusammenarbeit ist Ausdruck der Solidarität und des Humanismus des kubanischen Volkes. Speziell in Venezuela wurden Millionen von medizinischen Leistungen erbracht, Tausende Leben gerettet und Tausende Patienten wegen verschiedener Erkrankungen operiert, darunter auch von den Augenärzten in der Operación Milagro. Ohne die Anwesenheit der kubanischen Mitarbeiter hätten die ärmsten Schichten dieses Volkes niemals Zugang zu diesen Dienstleistungen gehabt. Ein sehr wichtiger Aspekt ist dort, wo ich arbeite, mit dem Teil der Lehre verbunden, wo Ärzte und andere Fachleute nicht nur für die Gesundheit sorgen, sondern auch Nachwuchs schaffen, indem wir Fachleute mit hohen beruflichen Qualifikationen ausbilden."

Dr. Yadira Rubinos Perez. Im Einsatz in Mosambik, Fachärztin für Rechtsmedizin. "Die Erfüllung einer internationalistischen Mission, dies ist meine dritte, ist mein größter Verdienst, nicht nur im beruflichen Bereich, sondern auch als Mensch. In meinen erst 25 Jahren als Absolventin hatte ich die Gelegenheit, in drei Ländern Teil dieser unbesiegbaren Armee von Weißkitteln zu sein, zwei davon in Amerika und jetzt auf dem afrikanischen Kontinent. Im Jahr 2000 war ich Teil der Gruppe,  die nach dem schrecklichen Hurrikan Mitch in Guatemala die begonnene Arbeit fortsetzte. Dort blieb ich für zwei Jahre an sehr schwer zugänglichen Orten, wo wir selbst unter minimalen Lebensbedingungen, mit einem System von 28 Tagen Arbeit und acht Tagen Ruhezeit, ohne Strom und mit Dörfern in einer Entfernung von mehr als zwei Stunden, mit viel Liebe und Reife alles erfüllt haben, was wir uns vorgenommen hatten.

Später schloss ich mich der ersten Gruppe an, die mit der Schaffung des Sozialprogramms 'Barrio Adentro' nach Venezuela ging und die Zusammenarbeit in der Gemeinde Charallave im Bundesstaat Miranda begann. Jetzt bin ich im Zentralkrankenhaus von Maputo, in der Hauptstadt von Mosambik. Eine schwierige Aufgabe aufgrund der kulturellen Eigenheiten, die sich sehr von den unseren unterscheiden, aber nicht unmöglich für einen Mediziner, der in den Prinzipien des Internationalismus ausgebildet ist."

"In all diesen Ländern konnte ich beweisen, dass 'kubanischer Mediziner' für Verzicht, Uneigennützigkeit, menschliche Qualität und ein hohes Maß an Professionalität steht. Wir werden immer mit großer Liebe und Freude empfangen, vor allem von den Ärmsten und Bedürftigsten, die letztlich unsere Priorität sind. Bei mehr als einer Gelegenheit habe ich beim Abschied Tränen in ihren Augen gesehen, die Sehnsucht, dass andere von uns kommen, die uns ersetzen, und die Angst, dass wir eines Tages nicht da sein würden. Diese Zuneigung ist unbezahlbar, es gibt keine Kraft, die dies verringern kann, sie ist unbesiegbar und sie ist unser größter Stolz. Jetzt bleibt mir nur noch, diese neue Aufgabe fortzuführen und dafür zu sorgen, dass meine Tochter, die in meine Fußstapfen als Ärztin getreten ist, auch diese Erfahrungen machen kann, damit sie wie ich selbst die wahre Bedeutung des Wortes Revolution in der Dankbarkeit der Ärmsten der Welt erkennen kann."

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