Verschärfter Widerstand gegen Militarisierung des Mapuche-Gebietes in Chile

Indigene Selbstverteidigungskräfte wehren sich auch mit militanten Aktionen

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Holzhütten und Fahrzeuge wurden bei dem Angriff zerstört. Mapuche kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Holzindustrie auf ihrem Gebiet (Screenshot)
Holzhütten und Fahrzeuge wurden bei dem Angriff zerstört. Mapuche kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Holzindustrie auf ihrem Gebiet (Screenshot)

Seit Chiles Präsident Sebastian Piñera den Ausnahmezustand in drei Provinzen innerhalb des Wallmapu, dem Territorium des indigenen Volkes der Mapuche im Süden des Landes verhängt hat (amerika21 berichtete), setzen sich indigene Selbstverteidigungskräfte auch mit militanten Aktionen dagegen zur Wehr.

Der seit der Unabhängigkeit Chiles von Spanien schwelende Konflikt zwischen dem indigenen Volk und dem chilenischem Staat geht mit unvermittelter Härte weiter.

Die Mapuche konnten sich erfolgreich gegen die Kolonialisierung durch Spanien wehren. Aufgrund ihres anhaltenden Widerstands setzte kein Spanier mehr einen Fuß auf das Gebiet südlich des Bio-Bio Flusses. Nach dem Ende der Kolonialzeit besetzte der chilenische Staat das Wallmapu gewaltsam, um es unter Großgrundbesitzern, Holzindustrie und ausländischen Siedlern, in der Mehrheit deutscher Abstammung, aufzuteilen.

Seitdem konzentriert sich der Kampf der Mapuche auf die verfassungsrechtliche Anerkennung ihres Volkes, die territoriale Selbstverwaltung und die Schaffung eines Ministeriums für Indigene Angelegenheiten. Neben Protestaktionen wie Hungerstreiks, Demonstrationen, Kundgebungen etc. kommt es immer wieder zur Besetzung von staatlichen Einrichtungen, Angriffen auf Großgrundbesitzer und die Holzindustrie.

Um den anhaltenden Widerstand im Wallmapu zu brechen, hat Präsident Piñera am 12. Oktober mit der Ausrufung des Ausnahmezustands für zunächst 15 Tage weiter an der Gewaltschraube gedreht. Der Ausnahmezustand, den er vor zwei Tagen bis zum 11. November verlängert hat, bedeutet die Einsetzung eines militärischen Verwalters, der unter anderem Ausgangssperren verhängen, Versammlungsrecht und Bewegungsfreiheit einschränken sowie "militärischen Schutz wo nötig" anordnen kann.

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Die Regierung sieht offenbar in jedem Mapuche einen Guerillakämpfer und hat eine Kampftruppe von 900 Soldaten ausgerüstet mit 15 leichten und mittleren gepanzerten Fahrzeugen sowie vier Hubschrauber entsendet. Außerdem bildet sie die reguläre Polizei (Caribineros) im Antiterrorkampf aus.

Eine der militanten Mapuche-Widerstandsgruppen, die "Weichán Auka Mapu" hat nun am 26.Oktober einen bewaffneten Überfall auf eine Holzarbeitersiedlung ausgeführt. Laut Medienberichten haben 30 Vermummte neun Hütten und sieben Fahrzeuge in Brand gesetzt, verletzt wurde niemand.

"Weichán Auka Mapu" hat sich bereits 2010 gegründet, weil sie in den Verhandlungen mit der Regierung keine Lösung mehr sahen und tritt seit 2013 immer wieder mit ähnlichen Aktionen in Erscheinung, um klarzumachen, dass sie Eindringlinge in ihrem angestammten Gebiet nicht dulden.

Die letzten Tage haben erneut den komplizierten Charakter des Konfliktes offenbart. Eine Lösung ist nicht in Sicht, wenn auch der Verfassungskonvent Hoffnungen für die Zukunft zulässt. Er wird von der Mapuche Elisa Loncon präsidiert.

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