Chile: Mapuche wehren sich gegen Trainingszentrum der Carabineros auf ihrem Land

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Carabineros im Einsatz gegen Mapuche in der Gemeinde Ercilla am 12. Januar
Carabineros im Einsatz gegen Mapuche in der Gemeinde Ercilla am 12. Januar

Ercilla. Auf massiven Widerstand stoßen Pläne der chilenischen Regierung, ein 2,7 Millionen US-Dollar teures Trainingszentrum für die Militärpolizei Carabineros auf Mapuche-Gebiet einzurichten. Dort sollen Polizisten aus dem ganzen Land theoretisch und praktisch ausgebildet werden. Als Standort ist Pailahueque in der Gemeinde Ercilla in der Region Araucanía vorgesehen, wo der Landkonflikt zwischen indigenen Mapuche und Großgrundbesitzern heftig ausgetragen wird.

"Es ist ein Angriff auf das Recht der Mapuche, in Frieden zu leben", sagte Aucán Huilcaman, Sprecher des Rates aller Ländereien (Consejo de Todas Las Tierras) zu den Plänen der Militärpolizei. "Es spiegelt das absolute Versagen der Regierung von Präsident Sebastián Piñera in ihrer Beziehung zum Mapuche-Volk wider, die letztlich den Dialog aufgibt und auf Gewalt zurückgreift." Es sei nicht ausgeschlossen, dass Internationale Gerichte angerufen werden, um gegen die Strategie der Regierung vorzugehen, kündigte Huilcaman an.

Die Regierung verfolgt in der Region eine zunehmend repressive Strategie gegen die Indigenen, die vom Staat und Großgrundbesitzern geraubtes Land zurückfordern. Dabei werden immer wieder Mapuche von Sicherheitskräften getötet. Zuletzt hatte der Fall des damals 24-jährigen Camilo Catrillanca für Aufsehen gesorgt, der am 14. November 2018 bei der Feldarbeit von Carabineros erschossen worden war (amerika21 berichtete). Die Mapuche-Gemeinde Temucuicui, in der Catrillanca lebte, gehört zu Ercilla. Catrillanca wurde von Mitgliedern des "Dschungelkommandos" erschossen, einer Spezialeinheit der Carabineros, die mittlerweile aufgelöst wurde. Der Bau des Trainingszentrum just in der Gemeinde, in der es immer wieder zu Übergriffen und Verbrechen staatlicher Sicherheitskräfte gegen Mapuche kommt, sorgt für besonders heftige Kritik.

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Der Sprecher der Gemeinde Temucuicui, Jorge Huenchullan, erklärte dazu: "Das wird Folgen haben, die das Gebiet noch nie gesehen hat. Warum? Weil eine Atmosphäre der Wut herrscht, eine Atmosphäre, die irgendwann explodieren wird. Die Repression, die Art und Weise, wie der Staat mit der Mapuche-Frage umgegangen ist, hat alle Grenzen überschritten." Wenn der Staat "seine Invasion nicht stoppt, haben die Mapuche die Pflicht, sich zu verteidigen, und das wird einen Konflikt von einem Ausmaß erzeugen, das der Staat noch nicht gesehen hat", schloss Huenchullan.

Piñera will die Kontrolle der Region Araucanía durch Polizei und Militär jetzt weiter verstärken. Er kündigte zudem neue repressive Maßnahmen an, wie die Forcierung lange verschleppter Gesetzesprojekte, wie etwa ein "effektiveres" Anti-Terrorismus-Gesetz, die Reform der Gesetze zum Drogenhandel und zur Landaneignung.

Die Regierung setzt damit eine Linie fort, mit der sie schon bei der Bekämpfung der sozialen Proteste seit 2019 gescheitert war: In der Hoffnung, damit etwas gegen den Volksaufstand ausrichten zu können, hatte sie kurzerhand mehrere Gesetze erlassen, die das Demonstrationsgeschehen kriminalisieren sollten. Den Aufstand aufgehalten hat das bekanntermaßen nicht.

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