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Doppelmord: Chile beantragt Auslieferung von US-Diplomaten

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Missing - Verfilmung des Schicksals von Horman
Missing - Verfilmung des Schicksals von Horman

Sangiago de Chile. Der chilenische Sonderermittler Jorge Zepeda hat im Rahmen der juristischen Aufarbeitung des Militärputsches am 11. September 1973 Anklage gegen einen US-amerikanischen Militärdiplomaten erhoben. Der US-Marineangehörige Ray E. Davis wird nach einem Bericht der New York Times beschuldigt, Informationen über die beiden US-Bürger Charles Horman und Frank Teruggi an den Militärgeheimdienst von Chile weitergeleitet zu haben.

Horman und Teruggi wurden nach dem gewaltsamen Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Präsident Salvador Allende festgenommen und in Haft ermordet. Davis war zu diesem Zeitpunkt Leiter der militärischen Abteilung in der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Chile.

Zepeda stützt seine Anklage auf einstige Geheimdienstunterlagen, die 1999 mit Hilfe des US-amerikanischen Informationsfreiheitsgesetzes publiziert wurden. Demnach hätte der nun angeklagte Davis die Ermordung der beiden jungen Männer verhindern können. Die chilenischen Behörden haben nun die Auslieferung des ehemaligen Militärdiplomaten beantragt, weil ihm in den USA offenbar keine juristischen Konsequenzen drohen.

Der 31-jährige Charles Horman hatte als Journalist und Filmemacher Lateinamerika bereist und lebte seit 1972 in Chile. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme recherchierte er zu politischen Morden und bereitete einen Dokumentarfilm vor. Der 24-jährige Frank Teruggi hatte einen Abschluss der Hochschule California Institute of Technology und studierte zum Zeitpunkt seiner Ermordung an der Universität Chiles in Santiago.

Der Fall Hormans diente als Vorlage für den mehrfach ausgezeichneten Film "Missing" (1982) des griechisch-französischen Filmemachers Constantin Costa-Gavras.

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