Nicaragua / Wirtschaft

Nicaragua beruft Kommission für interozeanischen Kanal

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Ehemals spanisches Fort am Río San Juan
Ehemals spanisches Fort am Río San Juan: Kanalpläne bestehen schon seit Jahrhunderten

Managua. Der nicaraguanische Präsident Daniel Ortrega hat eine Kommission zur Planung eines interozeanischen Kanals einberufen. Angeführt von Vizeaußenminister Manuel Coronel Kautz und Edén Pastora, soll die Komission erneut über die Machbarkeit einer Verbindung von Atlantik und Pazifik durch nicaraguanisches Territorium beratschlagen.

Seit der Kolonialzeit bestehen Pläne eines Kanals vom Pazifik durch den Nicaragua See über den Fluss San Juan bis an den Pazifik. Zuletzt hatte eine Untersuchungskommission im Jahr 2006 sechs unterschiedliche Routen vorgeschlagen. Die Kosten wurden auf 18 Milliarden Dollar, die Bauzeit auf 12 Jahre geschätzt. Mit der Kapazität für Frachter mit bis zu 250.000 Tonnen würde der Nicaragua-Kanal die doppelte Kapazität der letzten Ausbaustufe des Panamakanals erreichen.

"Nicaragua war in der Vergangenheit immer von den Weltmächten wegen der Möglichkeit eines Kanals über den Fluss San Juan begehrt; auch Sandino widersetzte sich nicht diesen Plänen, jedoch mit der Bedingung der Kontrolle durch die von ihm so genannte lateinamerikanische Nation", sagte Ortega mit Bezug auf die historische Bedeutung des San Juan und der Kanalpläne für Nicaragua.

In den 1980er Jahren habe es für die Sandinisten keine Möglichkeiten für einen Kanalbau gegeben, jetzt jedoch seien die Bedingungen des Friedens und der Stabilität erfüllt. Ein Hindernis bei der Umsetzung des Kanals könnte neben der technischen Machbarkeit auch der Grenzkonflikt mit dem Nachbarland Costa Rica darstellen. Wegen der nach Ansicht San Josés illegalen Grenzüberschreitung und Rodungsarbeiten im Grenzgebiet streiten beide Länder derzeit vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

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