Argentinien erlaubt Schwangerschaftsabbruch nach Vergewaltigungen

Buenos Aires. Argentiniens Oberster Gerichtshof hat am Dienstag einstimmig geurteilt, dass Schwangerschaftsabbrüche nach Vergewaltigungen und Missbrauch nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden dürfen. Dies sei unter Berücksichtigung der argentinischen Verfassung und der Menschenrechte gar nicht anders zu entscheiden, hieß es in der Begründung. Auch der Arzt der den Abbruch durchführt, macht sich nicht strafbar, sofern eine eidesstattliche Erklärung des Opfers über die Umstände der Schwangerschaft vorliegt. Bisher waren gerichtliche Genehmigungen vonnöten gewesen. In allen anderen Fällen ist laut Strafgesetzbuch Abtreibung in Argentinien weiterhin ein "Verbrechen gegen das Leben", es sei denn es bestehen Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter.

Die Frage nach der Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen wird in Argentinien seit Jahren kontrovers diskutiert. Denn obwohl bisher Abtreibungen nur in sehr wenigen Fällen erlaubt waren, werden jährlich mindestens 500.000 vorgenommen. Dies entspricht fast einem Viertel aller Schwangerschaften. Im Parlament, wo wiederholt Versuche unternommen wurden, die komplette Legalisierung zu diskutieren, konnten bisher keine Erfolge erzielt werden.

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Zu dem Urteil des Gerichtshofs äußerte sich die katholische Kirche des Landes erwartungsgemäß kritisch. Der Präsident der Bischofskonferenz, José María Arancedo, sagte: "Abtreibungen sind die Beseitigung eines unschuldigen Lebens und es gibt weder einen Grund noch eine Rechtfertigung dafür. Selbst im Falle einer unglücklichen und traurigen Vergewaltigung gibt es diese Rechtfertigung nicht." Das Recht auf Leben sei eines der Grundrechte des Menschen und müsse von allen gewahrt und respektiert werden.

Das Urteil unterstützt jedoch auch die Entscheidung eines Gerichts in der Provinz Chubut, das im Jahr 2010 ein 15-jähriges Mädchen zur Abtreibung ermächtigt hatte, das von seinem Stiefvater vergewaltigt worden war. Währenddessen setzt sich eine Kampagne für eine kostenlose, legale und sichere Abtreibung ein. Die Aktivistin und Professorin Erica Mountain sagte: "Obwohl Abtreibung für alle Gesellschaftsteile illegal ist, sind es vor allem die armen Frauen, die es sich nicht leisten können, das Problem so zu beheben, dass ihr eigenes Leben nicht in Gefahr gerät." Daher seien Nachwirkungen von Abtreibungen auf Grund mangelnder Hygiene immer noch die führende Ursache der Müttersterblichkeit in Argentinien.

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