Brasilien / Soziales

Brasiliens Regierung definiert "Mittelschicht" neu

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Mittelklasse Regierungssicht
"Die Mitte macht den Unterschied" meint die brasilianische Regierung

São Paulo. Regierungsvertreter haben Ende Mai neue Berechnungsgrundlagen zur Kategorisierung der Einkommensverteilung in Brasilien vorgestellt. Demnach wird für das Jahr 2012 ein monatliches Familieneinkommen ab einer Höhe von 291 Reais (umgerechnet 114 Euro) bis zu 1.019 Reais (401 Euro) pro Kopf als Mittelschicht-Einkommen definiert. Nach dieser Berechnung hätten im Jahr 2009 48 Prozent der Brasilianer zur Mittelschicht gehört. Würden die Zahlen des Jahres 2012 herangezogen, wären es bereits 54 Prozent. Dies teilte der Minister des bei der brasilianischen Präsidentschaft angesiedelten Strategie-Sekretariats (SAE), Wellington Moreira Franco, vergangene Woche in São Paulo mit.

Zuvor hatte die brasilianische Regierung mit einer Einkommenskategorisierung von eins bis hundert gearbeitet, die dann in drei Großgruppen eingeteilt wurde. Von nun an werden in Brasilien acht Einkommensgruppen unterschieden:  "extrem arm", "arm, aber nicht richtig arm", "gefährdet", "untere", "mittlere"  und "höhere" Mittelklasse  sowie "untere" und "hohe" Oberklasse.

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Familien mit einem monatlichen Pro-Kopf-Einkommen von bis zu 291 Reais gelten als Geringverdiener, die "arm, aber nicht richtig arm sind". Ihr Einkommen sei so niedrig, dass eine geregelte Versorgung mit allen Notwendigkeiten gefährdet sei. 15 Prozent der brasilianischen Bevölkerung lebt laut offiziellen Daten von weniger als 291 Reais. Die absolute Armutsgrenze definiert die brasilianische Regierung fortab ab einem monatlichen Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 81 Reais (32 Euro). Bisher galt als "extrem arm", wer über ein Einkommen von bis zu 70 Reais verfügte. Den Zahlen des Landeszensus 2010 der Statistikbehörde IBGE zufolge fallen 8,5 Prozent der Brasilianer unter diese Kategorie.

Als Oberklasse werden nunmehr diejenigen definiert, die mindestens 1.019 Reais im Monat zur Verfügung haben. Das trifft auf 18 Prozent der Brasilianer zu. Hintergrund der Neubewertung ist laut Moreira Franco, dass sich die Politik auf die verschiedenen Gesellschaftsschichten neu ausrichten müsse, insbesondere auf die laut Regierungsdefinition stark wachsende sogenannte neue Mittelschicht.

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