30.000 Flüchtlinge nach schweren Gefechten mit FARC

Cauca. Einwohner der Gemeinde Toribío im Department Cauca im Westen Kolumbiens leben nach Zusammenstößen zwischen Militär und Rebellen der FARC in einer Notsituation. Feliciano Valencia, ein Sprecher des Verbandes der indigenen Räte von Nord-Cauca (ACIN), sagte gegenüber dem lateinamerikanischen Fernsehsender Telesur, dass die Zusammenstöße am vergangenen Samstag begannen. Schwere Artillerie sei eingesetzt und das ganze Gebiet von der Luftwaffe bombardiert worden. Dies habe die cirka 30.000 Bewohner von Toribío gezwungen, das Gebiet zu verlassen und sich in der Umgebung in Sicherheit zu bringen.

"Wir bewegen uns zwischen Kugeln und Minen", so Valencia. Vor allem Kinder und alte Menschen seien verängstigt. Die meisten Flüchtlinge konnten in Schulen in benachbarten Gemeinden untergebracht werden, andere mussten im Freien übernachten. Lebensmittel seien bereits knapp. Die Gemeinde sei in einer Notlage und fordere sofortige humaniäre Hilfe. Aber weder das Rote Kreuz noch die Regierung kämen in die Zone, um Hilfe zu leisten, so lange die Gefechte andauern.

Im vergangenen Juni wurden mehr als 3.000 zusätzliche Soldaten in die Gemeinden von Cauca verlegt. Die Bewohner beklagen die zunehmende Militarisierung vor allem seit November 2011. Damals kam der FARC-Kommandant Alfonso Cano nach einer großangelegten Operation des kolumbianischen Militärs aus der Luft und am Boden ums Leben. Seitdem ist die Region Cauca quasi vom Militär besetzt.

Die Zahl der Binnenflüchtlinge in Kolumbien beträgt etwa vier Millionen. Kolumbien ist damit nach dem Sudan das Land mit der zweithöchsten Zahl von Binnenflüchtlingen weltweit. Besonders stark betroffen sind Regionen wie Meta, Caquetá, Cauca, Tolima, Chocó, Antioquia und Gebiete an der venezolanischen Grenze, die als Basen der Aufständischen der FARC und der ELN gelten.

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