Venezuela / Medien

Survival International nach Falschinformation in der Kritik

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Survival-Chef Stephen Corry
Survival-Chef Stephen Corry, hier beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Bonn

London/Caracas. Die Indigenen- und Menschenrechtsorganisation Survival International steht in der Kritik, nachdem sich herausgestellt hat, dass eine international forcierte Protestkampagne gegen die venezolanische Regierung auf nicht überprüften Falschinformationen beruhte. "Nachdem Survival nun selbst Aussagen von vertraulichen Quellen erhalten hat, glauben wir, dass es keine Attacke von Goldgräbern auf die Yanomami-Siedlung von Irotatheri gegeben hat", heißt es in einer Erklärung auf der deutschen Seite der 1969 gegründeten Organisation. Man wisse nicht, ob diese Berichte auf einem gewaltsamen Vorfall beruhen oder nicht, "was die wahrscheinlichste Erklärung wäre", heißt es auf der deutschen Seite weiter. Dennoch blieben die Spannungen in der Region hoch.

Das venezolanische Kommunikations- und Informationsministerium wies in einer Stellungnahme indes ausdrücklich darauf hin, dass die britische Organisation ihre Protestkampagne auf nicht überprüfte Informationen gestützt hat. In venezolanischen Medien und Internetforen war die Kampagne zum Teil auf harsche Kritik gestoßen.

Trotz der offensichtlichen Verbreitung der Falschinformation hält Survival international an der Kritik gegen die Regierung von Venezuela fest, deren Reaktion sie als "beschämend" bezeichnet. Die Regierung in Caracas habe nicht erklärt, aus Brasilien stammende Goldschürfer auszuweisen und vor Beendigung der eigenen Untersuchung das mutmaßliche Massaker geleugnet.

Survival-Chef Stephen Corry versuchte sich in einer ausführlichen Erklärung in Interviewform in Schadensbegrenzung. "Unsere Rolle war es, erhaltene Informationen zu bewerten und dann zu verbreiten, statt sie sofort in Frage zu stellen. Wir haben deutlich gemacht, dass der Bericht nicht überprüft war."

Zugleich findet sich auf der englischsprachigen Internetseite der Organisation jedoch auch noch die erste Meldung vom 29. August, in der es heißt: "Goldschürfer in Venezuela haben nach Informationen von Survival International ein 'Massaker' an isoliert lebenden Yanomami-Indianer verübt".

An der Arbeitsweise der Organisation werde sich auch nach dem Zwischenfall nichts verändern, sagte Corry: "Wir arbeiten zu diesen Dingen seit mehr als 40 Jahren so und wir werden auf der Basis unserer Erfahrungen weiterhin vernünftige Urteile fällen."

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