1,89 Millionen "Sucre" für Reis

Venezuela und Ecuador nehmen Handel mit neuer Währungseinheit auf. Abhängigkeit vom US-Dollar soll verringert werden

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Wie in dieser Montage könnte der neue "Sucre" aussehen
Wie in dieser Montage könnte der neue "Sucre" aussehen

Quito/Caracas. Von der Summe her ist es eine Marginalie des internationalen Handels: In dieser Woche hat Venezuela 15.000 Tonnen Reis aus Ecuador für 1,89 Millionen Sucre gekauft, was rund 1,2 Millionen Euro entspricht. Entscheidend aber ist der letzte Teil der Nachricht: Die Venezolaner bezahlten mit der neuen Währung, die komplett "Sistema Unico de Compensacion Regional" ("Einheitliches regionales Verrechnungssystem") heißt und mit dem Namen des lateinamerikanischen Freiheitskämpfers Antonio José de Sucre (1795-1830) abgekürzt wird.

Der Reiskauf durch das auf Lebensmittelimporte angewiesene Venezuela markiert damit eine Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Durch die seit Januar dieses Jahres bestehende neue Währungseinheit, die ähnlich dem europäischen ECU, dem Vorläufer des Euro, nur als Buchgeld existiert, wird die Abhängigkeit vom US-Dollar tendenziell verringert.

"Die Einführung des Sucre demokratisiert die Wirtschaft in unseren Ländern", sagte Venezuelas Präsident Hugo Chávez. "wir bekommen es ermöglicht, uns einen Schritt weiter vom Dollar zu befreien und uns vom hegemonialen System abzukoppeln." Ecuadors Präsident Rafael Correa ergänzte: "Das ist ein sehr einfaches Konzept: Anstatt dass wir eine Währung von außerhalb der Region nutzen, um mit Waren und Dienstleistungen zu handeln, nutzen wir dieses Kompensationssystem, indem den jeweiligen Exporteuren in der jeweils nationalen Währung gezahlt wird und die internationale Währung nicht benötigt wird." Dabei muss ergänzt werden, dass gerade Ecuador keine nationale Währung mehr besitzt, sondern seit Anfang 2000 der US-Dollar alleiniges Zahlungsmittel ist.

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Der Sucre soll indes tendenziell nicht nur als Verrechnungseinheit genutzt, sondern perspektivisch als eigene Währung installiert werden, was insbesondere für Ecuador ein wichtiger Schritt weg von der auch binnenwirtschaftlichen Abhängigkeit vom US-Dollar bedeuten würde. Den ersten Handel mit Sucre wickelten im Februar dieses Jahres Kuba und Venezuela ab, damals verkauften die Venezolaner Reis an die Kubaner. Während die Transaktion zwischen Ecuador und Venezuela wie auch die sonstigen Sucregeschäfte zwar wichtige Schritte der regionalen Integration sind, muss allerdings auch gesagt werden, dass der Handel zwischen den Staaten des alternativen ALBA-Bündnisses, in dessen Rahmen der Sucre eingesetzt wird, nur einen sehr kleinen Teil des jeweiligen Außenhandels der Mitgliedsstaaten ausmacht.

Der Handel fand am Rande eines turnusmäßigen Treffens zwischen Correa und Chávez statt. Dabei verabredeten die Präsidenten weitere gemeinsame Projekte wie die Zusammenarbeit beim Bau einer Raffinerie an der ecuadorianischen Küste als Teil des ALBA-Projektes "Petrosur". Außerdem erklärten beide, dass die jeweiligen Grenzen zu Kolumbien mittlerweile Koka-frei seien, seit die DEA, die US-amerikanische Drug Enforcement Agency, nicht mehr in den beiden Staaten agiert.

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